Prinz Harry und Meghan Markle

Meghan Markle und Prinz Harry legen in der St.-Georgs-Kapelle das Ehegelübde ab. Hinten Justin Welby, Erzbischof von Canterbury.

(Foto: dpa)

Prinz Harry und Meghan Markle Royale Märchenhochzeit – Briten feiern Bruch mit Konventionen

Prinz Harry hat die amerikanische Schauspielerin Meghan Markle geheiratet. Die Briten sind begeistert. Dabei brach das Paar mit Traditionen.
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LondonEs ist eine Szene wie aus dem Märchenbuch: Die Sonne strahlt, tausende Besucher schwenken britische Fähnchen, Marschkapellen spielen und die berühmten königlichen Palastwachen mit ihren schwarzen Puschelhüten laufen durch die Straßen von Windsor. Am Samstagmittag gab Prinz Henry Charles Albert David – kurz: Prinz Harry – der US-Schauspielerin Meghan Markle das Ja-Wort.

Seit Bekanntgabe der Verlobung im November hatten unzählige Briten auf diesen Moment hingefiebert, hatten gerätselt, wer eingeladen wird, über die Familie von Markle gelästert, über ihr Hochzeitskleid und ihre Begleitung zum Altar spekuliert und debattiert, welchen Titel sie nach der Hochzeit tragen würde. Kurzum: Für viele war es eine willkommene Ablenkung von den anhaltenden Diskussionen über den Brexit, der das Volk teilt.

Um 12.00 Uhr Ortszeit traf Meghan Markle in einem historischen Rolls-Royce Phantom in Windsor ein, gekleidet in ein Kleid der Givenchy-Designerin Clare Waight Keller. Prinz Charles führte die unter ihrem Schleier strahlende 36-Jährige zum Altar. Nach einer kurzen – und für die Briten ungewöhnlich engagierten – Predigt von Michael Bruce Curry, Oberhaupt der anglikanischen Kirche in den USA, trat das Paar verheiratet und als Herzog und Herzogin von Sussex vor das begeisterte Volk.

Prinz Harry und Meghan Markle offiziell getraut – der Tag in Bildern
Massenandrang vor Schloss Windsor
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Vor Schloss Windsor sind bereits Tausende Menschen auf den Beinen, um sich die besten Plätze für einen Blick auf Prinz Harry und Meghan Markle zu sichern. Auf dieser Straße werden Harry und Meghan später in einer Kutsche entlangfahren, nachdem sie sich in der St.-Georgs-Kapelle des Schlosses das Jawort gegeben haben.

St. George's Chapel, Windsor Castle
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Massen von Fans erwarten das Brautpaar in der Nähe der St. George's Chapel in Windsor Castle – die Menschen feiern ausgelassen und sind mit den unterschiedlichsten Utensilien ausgerüstet.

Meghan Markle und Prinz Harry
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Schon seit Juni 2016 sind die beiden ein Paar. Öffentlich bekannt wurde die Beziehung allerdings erst am 8. November 2016.

Altar in der St. George's Chapel
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Der geschmückte Hochaltar der St. Georgs Kapelle von Schloss Windsor. Hier werden Prinz Harry und Meghan Markle sich das Jawort geben.

Oprah Winfrey
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Auch die Prominenz darf bei einer royalen Hochzeit nicht fehlen. Oprah Winfrey erreicht die St. George’s Chapel in Schloss Windsor – und freut sich sichtlich auf das Ereignis.

Amal und George Clooney
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Zu den prominenten Gästen der royalen Hochzeit gehört auch das Ehepaar Clooney.

David und Victoria Beckham
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Und auch David und Victoria Beckham wohnen der Zeremonie in der St.-Georgs-Kapelle auf Schloss Windsor bei.

Rund 100.000 Besucher haben Schätzungen zufolge das königliche Spektakel vor Ort verfolgt – und Millionen vor den Fernsehbildschirmen. Es ist die erste Hochzeit in der britischen Königsfamilie seit 2011, als Harrys älterer Bruder Prinz William Kate Middleton heiratete. Schon damals war die Hochzeit für konservative Royalisten ein Tabubruch gewesen, schließlich kam die damalige Braut zwar aus einer wohlhabenden, aber keiner adeligen Familie.

Doch Meghan Markle ist in vielerlei Hinsicht eine noch größere Herausforderung für Traditionalisten: Die Ex-Schauspielerin ist Amerikanerin, Tochter geschiedener Eltern und war selbst bereits einmal verheiratet. Und ihre Familie versorgte die Boulevardpresse schon in den Wochen vor der Hochzeit mit zahlreichen Schlagzeilen.

Aber für viele Briten ist die Hochzeit ein mehr als willkommener Bruch mit Konventionen, zumal die gebürtige Kalifornierin als Tochter einer Schwarzen einen Teil der britischen Bevölkerung anspricht, der sich bisher nicht von dem Königshaus repräsentiert fühlte. Für viele sei die königliche Familie bisher nicht Teil ihrer Welt gewesen, erzählte die schwarze TV-Moderatorin Afua Hirsch in Windsor auf dem Sofa der BBC, „Meghan Markle ändert das. Dass sie sich als gemischtrassig bezeichnet und stolz darauf ist, ist ein sehr starkes Signal“.

Markle gilt als unabhängig, modern und sozial engagiert. Bei ihrer Hochzeit wollte Markle so auch nicht ihrem Gatten Gehorsam schwören – ein Umstand, den viele Frauen aufmerksam zur Kenntnis nahmen.

Royale Hochzeit bringt Milliarden

Royale Hochzeit bringt Milliarden

Die Amerikanerin kommt bei den Briten gut an – und das Königshaus kann einen Imageschub gut brauchen. Vor allem die Beliebtheit des Thronfolgers Prinz Charles sinkt seit Jahren, wie Umfragen zeigen. Vielen Briten wäre es lieber, wenn sein erstgeborener Sohn Prinz William der nächste König nach der heute 92-jährigen Königin Elisabeth werden würde. Prinz Harry steht erst an sechster Stelle der Thronfolge. Das war aber auch ein Fakt, der dem Paar nun bei der Gestaltung ihrer Hochzeit mehr Freiheiten gab: So konnten die beiden ihre Gästeliste für königliche Verhältnisse kurzhalten und waren auch nicht gezwungen, Politiker einzuladen.

Die britische Premierministerin Theresa May war so nicht vor Ort in Windsor – Gerüchten zufolge saß sie bei dem Spektakel auf ihrem Landsitz in Chequers vor dem Fernseher. Auch der Name von Ex-US-Präsident Barack Obama, der zu den Freunden von Prinz Harry zählt, stand nicht auf der Gästeliste. Und so konnte das Brautpaar auch der schwierigen Frage aus dem Weg gehen, ob man US-Präsident Donald Trump einladen muss. Der US-Präsident hatte in der Vergangenheit keinen Hehl aus seiner Liebe zum britischen Königshaus gemacht und hätte sich wohl über eine Einladung gefreut. In der britischen Bevölkerung gibt es jedoch erbitterten Widerstand gegen einen Besuch des US-Präsidenten.

Eine Ausnahme gab es jedoch: John Major, britischer Premierminister bis 1997. Als Prinzessin Diana starb, hatte der konservative Politiker auf Wunsch von Prinz Charles eine Patenschaft für William und Harry übernommen und daher eine spezielle Beziehung zu dem Bräutigam.

Zahlreiche Adlige und Celebrities wie Elton John, der Schauspieler Idris Elba, George Clooney und seine Frau Amal, die amerikanische Talkshow-Queen Oprah Winfrey und Tennis-As Serena Williams waren ebenfalls unter den Gästen in Windsor. Auch die Beckhams waren dabei – und Designerin und Ex-Popstar Victoria ließ sich sogar zu diesem Anlass ein kleines Lächeln entlocken.

Den Auftrag für die Gestaltung des Brautkleides hatte aber nicht sie, sondern die gebürtige Britin Clare Waight Keller, Chefdesignerin des französischen Modehauses Givenchy erhalten. Lange war darüber spekuliert worden, wer für das Kleid verantwortlich sein würde: Victoria Beckham, Stella McCartney und Ex-Burberry-Designchef Christopher Bailey waren in der Öffentlichkeit gehandelt worden.

Die Entscheidung kann weitreichende Folgen haben: Der „Markle-Effekt“, wie die Briten sagen, hatte sich schon in den vergangenen Wochen und Monaten gezeigt. Nachdem Markle bei einem Besuch in Nottingham eine Tasche der schottischen Luxusmarke Strathberry an ihrem Handgelenk baumeln hatte, war diese nach Minuten ausverkauft. Und als die 36-Jährige bei einem ihrer öffentlichen Auftritte eine Jeans der Marke Hiut Jeans trug, mussten viele Briten den Namen des Herstellers zwar erst googeln – aber überschütteten dann den kleinen Betrieb aus dem walisischen Örtchen Cardigan mit Aufträgen.

Auf der anderen Seite verursachte die Hochzeit eine Rechnung, die so manchem anderen Brautvater den Schweiß auf die Stirn treiben würde. Über 32 Millionen Pfund (fast 37 Millionen Euro), hat die Online-Seite Bridebook ausgerechnet, dürfte das Event kosten. Vor allem wegen der umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen, für die muss allerdings der britische Steuerzahler aufkommen.

Immerhin soll das Event auch viel Geld einbringen: 1,05 Milliarden Pfund (1,3 Milliarden Euro) Plus erwarten die Experten von Brand Finance durch das Spektakel, vor allem weil unzählige Touristen angereist sind, in Hotels übernachten und sich Tassen, Seifen oder Handtücher mit dem Konterfei des royalen Brautpaars kaufen. Und da die Briten dieses Mal – anders als 2011, als Harrys Bruder William heiratete – keinen Feiertag geschenkt bekamen, gibt es auch keinen volkswirtschaftlichen Ausfall einzurechnen.

Wer aber gehofft hatte, dass die Queen – wie bei ihrem letzten Auftritt im britischen Parlament mit einem Hut in EU-Farben – mit ihrem Outfit eine politische Botschaft an ihr Volk aussenden würde, wurde enttäuscht: Die Königin kam in einem limettenfarbenen Kleid mit einem Hut in derselben Farbe.

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