Silvester in NRW Polizei steht für Bezeichnung „Nafris“ in der Kritik

Köln hat ein Silvesterfest unter massivem Polizeischutz erlebt. Am Hauptbahnhof setzten Polizisten Verdächtige fest und verhinderten erneute Übergriffe. Ein Tweet der Kölner Polizei ruft nun Kritiker auf den Plan.
Update: 01.01.2017 - 18:57 Uhr 3 Kommentare

„Wir haben eine drohende Gefahr im Kein erstickt“

KölnNach dem Einsatz rund um die Silvesterfeierlichkeiten ist die Kölner Polizei für die Bezeichnung „Nafris“ für Nordafrikaner kritisiert worden. Diesen Begriff benutzte die Polizei während des Einsatzes am Silvesterabend auf Twitter. Dafür gab es Kritik. So sagte der frühere Piratenpolitiker Christopher Lauer der Deutschen Presse-Agentur: „Ich halte diesen Begriff für in hohem Maße entmenschlichend.“

Die Kölner Polizei hatte am Samstagabend getwittert: „Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft.“ Polizeipräsident Jürgen Mathies sagte dazu am Sonntag bei einer Pressekonferenz, nach seiner Einschätzung hätte der Begriff „Nafri“ besser nicht nach außen verwendet werden sollen. Eine Häufung an Straftaten von Personen aus dem nordafrikanischen Raum lasse sich aber nicht bestreiten, und dafür müsse dann polizeiintern auch ein Begriff gefunden werden. Mathies betonte, dass die allermeisten in Deutschland lebenden Nordafrikaner natürlich keine Straftäter seien.

Lauer, der Piraten-Vorsitzender in Berlin war und zur SPD übertrat, sieht die Verwendung als äußerst problematisch: „Wenn die nun in der Silvesternacht hunderte Menschen so bezeichnen, ist das eine pauschale Verurteilung einer ganzen Bevölkerungsgruppe nur nach dem Aussehen.“

Nach eigener Einschätzung hat die Kölner Polizei „durch konsequentes Einschreiten“ ähnliche Straftaten wie in der vorhergehenden Silvesternacht verhindert. „Wir hatten Personengruppen, die vergleichbar aggressiv waren“, sagte Polizeipräsident Mathies. Erneut seien in der Silvesternacht mehrere hundert junge Nordafrikaner nach Köln gekommen. Der große Unterschied zum Jahr davor sei gewesen, dass die Polizei diesmal konsequent eingeschritten sei.

Die Polizei war zum Jahreswechel 2016/17 zunächst mit 1500 Beamten im Einsatz, forderte noch einmal Verstärkung an, so dass sich die Zahl der Polizisten schließlich auf 1700 belief. Die Beamten überprüften die Identität von 650 Personen. Dabei habe es sich fast ausschließlich um Nordafrikaner gehandelt, sagte Mathies.

Die Polizei sprach 190 Platzverweise aus und nahm 92 Personen in Gewahrsam. 27 Personen wurden vorläufig festgenommen. Es wurden zehn Sexualdelikte angezeigt, Vergewaltigungen waren nicht darunter.

So begann das Jahr 2017
Silvesterfeier in Berlin
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In Berlin kamen laut der Veranstalter Hunderttausende Besucher zu Deutschlands größter Silvesterparty. Die Partymeile vor dem Brandenburger Tor wurde zusätzlich mit Betonpollern oder anderen Sperren gegen mögliche Angriffe mit Fahrzeugen gesichert. In Gesprächen berichteten viele Silvester-Partygänger, sich angesichts des Brexit, der Flüchtlingskrise und etwa der Wahl des künftigen US-Präsidenten Trump Sorgen darüber zu machen, wie sich die Welt im Jahr 2017 entwickeln wird.

Polizisten vor dem Brandenburger Tor
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Die Berliner Polizei teilte später mit, während der Silvesterfeierlichkeiten einen Mann festgenommen zu haben, der „Bombe, Bome, Bombe“ rief. Zudem seien zwei Fälle von sexueller Belästigung gemeldet worden, sagte eine Polizeisprecherin.

Silvester in Köln
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Köln feierte ein Jahr nach den massenhaften sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht ebenfalls mit einem großen Polizeiaufgebot den Jahreswechsel. Zu nennenswerten Zwischenfällen kam es nach ersten Polizeiangaben wohl nicht.

Feuerwerk in Paris
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Auch im Ausland gab es häufig strenge Sicherheitsvorkehrungen – zum Beispiel in Paris. Mit einem Feuerwerk am Prachtboulevard Champs-Élysées feierten die Menschen dort trotz eisiger Temperaturen das neue Jahr. Wegen der Terrorgefahr hatten die Behörden etwa Zufahrten mit Betonblöcken und Fahrzeugen versperrt, im ganzen Land waren für das Silvesterwochenende mehr als 96.000 Sicherheitskräfte mobilisiert worden.

Silvesterfeuerwerk in London
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Pünktlich zum Glockenschlag des Big Ben um Mitternacht begrüßten die Londoner das neue Jahr mit einem knapp zwölfminütigen Feuerwerk am Riesenrad London Eye an der Themse. Abgestimmt war das Spektakel zu Musik, unter anderem auch von Pop-Größen wie Prince, David Bowie und George Michael, die im vergangenen Jahr gestorben waren.

An der Puerta del Sol in Madrid
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In Madrid begrüßten Zehntausende Menschen das neue Jahr unter der Turmuhr an der Puerta del Sol im Zentrum der Stadt. Bei jedem Glockenschlag aßen sie – wie es die Tradition verlangt – eine Weintraube. Wer es schafft, alle Trauben während der zwölf Schläge zu verzehren, kann sich auf ein glückliches Jahr freuen.

Panne in New York
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Popdiva Mariah Carey sind bei einer Neujahrsshow in New York buchstäblich die Worte weggeblieben. Bei ihrem Song „Emotions“ auf dem New Yorker Times Square hatte sie mit technischen Problemen zu kämpfen. Sie bat schließlich das Publikum, das Lied für sie zu Ende zu singen und erklärte: „Ich versuche das sportlich zu nehmen!“

Mathies verwahrte sich gegen den Vorwurf des „racial profiling“, womit ein gezieltes polizeiliches Vorgehen nach ethnischen Gesichtspunkten bezeichnet wird. Es sei um das Verhalten dieser Männer gegangen, betonte er. „Der ganz überwiegende Teil war so, dass mit drohenden Straftaten zu rechnen war“, sagte der Polizeipräsident. Dies habe die Polizei verhindert. Im übrigen seien genauso auch Deutsche überprüft worden.

Auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) bezeichnete den großen Polizeieinsatz als „erforderlich“. Wolfgang Wurm von der Bundespolizei berichtete, dass mindestens 1000 „fahndungsrelevante Personen“ nach Köln gereist seien. Viele von ihnen hätten offenbar im Hauptbahnhof bleiben wollen, was die Polizei aber nicht zugelassen habe.

Massiver Polizeischutz auch in anderen Städten
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3 Kommentare zu "Silvester in NRW: Polizei steht für Bezeichnung „Nafris“ in der Kritik"

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  • Im vergangenen Jahr wurde der Polzei - zu recht - versagen vorgeworfen, verhindert sie aber den Sexmob, dann wird ihr Rassismus vorgeworfen.
    Es läßt sich nun mal nicht leugnen, dass es sich praktisch ausschließlich um arabische Männer gehandelt hat.
    Übrigens sind die Opfer dieser Straftaten praktisch zu 100% nicht arabischer Herkunft, das ist Rassismus!
    An der Abkürzung Nafris kann ich auch nichts rassistisches erkennen, es ist schlicht un einfach eine Abkürzung.

    Die Diskussionen über angeblichen Rassismus nehmen immer bizarrere Formen an.

  • Die Kölner Polizei hat gerade deshalb, weil sie sich diesmal an der Realität (und nicht an politisch motivierten Vorgaben) orientiert hat mit Erfolg Schlimmeres verhindert.

    Dass diese saloppe interne Bezeichnung für eine Gruppe von Menschen nach außen dringen konnte, ist allerdings unglücklich. Weil sie - wie jede Pauschalisierung im Zusammenhang mit inadäquatem Verhalten - als despektierlich empfunden wird. Insbesondere von Zugehörigen zu dieser Gruppe, deren Verhalten keinerlei Anlass zu Beanstandung gibt (was bei den "Abgefangenen" allerdings offenbar leider nicht der Fall war).

  • Wieder die persönlichen Gäste der Frau Merkel, die sie ins Land holte. Warum wird diese Frau nicht angeklagt wegen "Mittäterschaft"?

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