Soldaten rücken in Favelas ein Kriegszustand in Rio

Schwer bewaffnete Soldaten mitten in Rio de Janeiro, die größte Favela im Ausnahmezustand. Rund ein Jahr nach den Olympischen Spielen gerät die Sicherheitslage in der Metropole zunehmend außer Kontrolle.
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Soldaten rücken am Freitag vorsichtig in die Favelaa Rocinha in Rio de Janeiro in Brasilien vor. Heftige Schießereien in verschiedenen Gegenden der Metropole veranlassten die Sicherheitsbehörden Straßen zu sperren, Schulen zu schließen und die Armee anzufordern. Quelle: AP
Straßenkampf in Rio

Soldaten rücken am Freitag vorsichtig in die Favelaa Rocinha in Rio de Janeiro in Brasilien vor. Heftige Schießereien in verschiedenen Gegenden der Metropole veranlassten die Sicherheitsbehörden Straßen zu sperren, Schulen zu schließen und die Armee anzufordern.

(Foto: AP)

Rio de JaneiroGewehrsalven und verängstigte Menschen, die vor Schüssen Schutz suchen: In der größten Favela von Rio de Janeiro ist die Gewalt zwischen Drogenbanden und den Sicherheitskräften eskaliert. Die Behörden ordneten am Freitag an, dass 950 Soldaten in das Armenviertel Rocinha mit geschätzt mehr als 70 000 Einwohnern einrücken sollen, nachdem der Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro, Luiz Fernando Pezao, rasche Unterstützung angefordert hatte.

Der brasilianische Verteidigungsminister Raul Jungmann sagte im Fernsehen: „Wir werden dort die ganze Nacht bleiben, mindestens bis morgen.“ Ein großes Polizeiaufgebot schützte auch eine nahe der Favela gelegene Metrostation, damit tausende Musikfans zum Festival „Rock in Rio“ im Stadtteil Barra anreisen konnten. Auch in Favelas im Norden der Stadt kam es zu Feuergefechten, zwei Jugendliche wurden verletzt. Nachdem viele Armenviertel in den vergangenen Jahren erfolgreich mit den sogenannten UPP-Polizeieinheiten (Unidade de Polícia Pacificadora) befriedet werden konnten, gerät die Lage zunehmend außer Kontrolle.

Hubschrauber kreisten über der Favela Rocinha. In den Schulen der Umgebung wurde der Unterricht abgesagt. Seit den Olympischen Spielen vor rund einem Jahr hat sich die Lage dramatisch verschlechtert.

Bereits Ende Juli waren 8500 Soldaten entsandt worden, um in der 6,5-Millionen-Metropole die Machtzunahme von Drogenbanden zu bekämpfen. Im ersten Halbjahr wurden im Bundesstaat Rio de Janeiro 2723 Menschen getötet - 10,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitrum. Wegen der Lage sind auch die Tourismuszahlen eingebrochen, die Auslastung der Hotels in Rio lag laut der Tourismusbehörde zuletzt bei unter 50 Prozent. Sorgen bereitet auch die Alltagskriminalität. An der Copacabana wurden zuletzt auch die Briten Neil Tennant und Chris Lowe, besser bekannt als Pet Shop Boys, überfallen.

Rio kämpft mit enormen Finanzproblemen, was zu Sparmaßnahmen auch bei der Polizei und zur Reduzierung von Unterstützungsmaßnahmen in den Armenvierteln (Favelas) führte. Viele der Favelas sind rechtsfreie Räume - kriminelle Banden steuern von hier den Drogen- und Waffenhandel und finanzieren sich darüber. Den größten Einfluss hat das „Comando Vermelho“, das „Rote Kommando“.

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  • dpa
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