König Felipe VI. von Spanien

Vor fast vier Jahren bestieg der nun 50-Jährige den Thron.

(Foto: dpa)

Spaniens König Felipe VI. Streng, aber beliebt

Durch die Krise in Katalonien gewinnt der spanische König an ungewohnt politischem Einfluss. Auch gelingt es Felipe VI., die Spanier nach den Skandalen seines Vater mit der Krone zu versöhnen. Heute wird er 50 Jahre alt.
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MadridEinfach war sein Amt für Felipe VI. bisher nicht. Als er 2014 den Thron bestieg, hatte die Zustimmung der Spanier zu Monarchie gerade ihren Tiefpunkt erreicht. Ein Fiasko löste das andere ab: Felipes Vater Juan Carlos hatte seine Landsleute gegen die Krone aufgebracht, als er mitten in der Wirtschaftskrise zur Elefantenjagd nach Botswana fuhr. Zudem war Felipes Schwester in einen Finanzskandal ihres Mannes verwickelt. Auf Druck der Straße dankte Juan Carlos ab.

Der Sohn trat mit harten Compliance-Regeln an. Seiner Familie und allen Mitarbeitern des Palastes verbot er Nebeneinnahmen, die Annahme von Geschenken sowie Geschäfte mit der Privatwirtschaft. Zudem gab er in seinem ersten Jahr nur 88 Prozent des Budgets aus, das ihm der spanische Kongress zugedacht hatte.

Auch in der Beziehung zu seiner Schwester reagierte Felipe rigoros, als die sich weigerte, mit ihrem Mann zu brechen. Er entzog ihr den Titel „Herzogin von Palma“ und machte klar, dass sie im Schloss in Madrid nicht mehr willkommen war. Cristina zog mit Mann und Kindern ins Exil nach Genf. Sie sollte später das erste Mitglied der königlichen Familie werden, das in einem Strafprozess angeklagt wurde – wegen Steuerhinterziehung. Inzwischen ist sie frei gesprochen, ihr Mann aber zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Beide haben den Palast in Madrid nicht mehr betreten, auch nicht zum 80. Geburtstag von Juan Carlos Anfang Januar.

Das sind die Monarchen dieser Welt
Elizabeth II.
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Königin Elizabeth II. (*1926) regiert seit 1952 und ist das am längsten amtierende Staatsoberhaupt der Welt. Als Königin ist sie Oberhaupt von 16 unabhängigen Staaten, unter anderen Großbritannien, Australien und Antigua. Elizabeth ist parlamentarische Monarchin und hat wenig direkte politische Macht, sondern überwiegend repräsentative Aufgaben. Allerdings ernennt und entlässt sie offiziell den britischen Premierminister und wird wöchentlich über die politische Entwicklung im Land informiert. Für eine Königin hat Elizabeth II. eine eher ungewöhnliche Berufsausbildung absolviert: Während des Zweiten Weltkrieges wurde sie zur Fahrzeugmechanikerin ausgebildet.

Qabus ibn Said
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Sultan Qabus ibn Said (r., mit Turban) herrscht seit 1970 als absoluter Monarch über den Oman. Seit 2011 gibt es Bestrebungen, die Verfassung zu reformieren und aus der absoluten Monarchie des Oman eine konstitutionelle Monarchie zu machen, in der der Sultan in seiner Macht deutlich beschränkt wäre. Qabus ibn Said pflegt eine enge Beziehung zu Deutschland und besitzt ein Anwesen in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen.

Margrethe II.
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In Dänemark regiert seit 1972 Königin Margrethe II. (*1940). Sie konnte nur Monarchin werden, weil ihr Vater im Jahr 1953 die Verfassung dahingehend änderte, dass auch weibliche Nachkommen den Thron besteigen können. Margrethes Aufgaben als Staatsoberhaupt bestehen größtenteils aus der Repräsentation Dänemarks, Grönlands und der Färöer-Inseln. Sie übt begrenzt politische Aufgaben aus, so ernennt und entlässt sie formell den Regierungschef.

Carl XVI. Gustaf
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Ein weiteres bekanntes Gesicht des europäischen Hochadels ist der schwedische König Carl XVI. Gustaf (*1946). Er regiert seit 1973 und ist damit der am längsten regierende schwedische König. Zu Beginn seiner Regierungszeit im Jahr 1973 war Carl XVI. Gustaf noch mit nahezu autokratischen Herrschaftsrechten ausgestattet, welche aber schon kurze Zeit später von der schwedischen Regierung beschränkt wurden, und den König zu einem repräsentativen und zeremoniellen Staatsoberhaupt machten.

Hassanal Bolkiah
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Eines der eher unbekannteren Gesichter ist der Sultan von Brunei, Hassanal Bolkiah (*1946). Er ist seit 1967 absoluter Herrscher des Sultanats Brunei, einem Nachbarland von Malaysia. Brunei zählt aufgrund seiner Ölvorkommen zu den reichsten und höchst entwickelten Ländern Asiens und hat etwa 420.000 Einwohner.

Mswati III.
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König Mswati III. ist seit 1986 das absolutistisch herrschende Staatsoberhaupt von Swasiland, einem Nachbarstaat von Südafrika und Mosambik. Er gerät wegen seines ausschweifenden Lebensstils immer wieder in die Kritik, da der Großteil seiner 1,4 Millionen Untertanen in Armut lebt. Jegliche politische Betätigung durch das Parlament ist durch König Mswati III. unter Androhung von Haftstrafen verboten.

Akihito
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In Japan ist seit 1989 Akihito der 125. Kaiser. Da es verfassungsrechtlich kein Staatsoberhaupt in Japan gibt, ist der Kaiser als „Symbol des Staates“ ein reiner Repräsentant Japans. Die Monarchie in Japan gilt als die älteste noch existierende weltweit. Der Kaiser und seine Familie genießen in Japan ein hohes Ansehen, Akihitos Vorfahren wurden sogar als Gottheiten verehrt. Am 30. April 2019 will Akihito abdanken – es wäre das erste Mal seit 200 Jahren, dass ein japanischer Kaiser sein Amt zu Lebzeiten abgibt. Sein Nachfolger wird Kronprinz Naruhito.

 

Felipe zeigt mit solchen Aktionen, dass er den Ruf der Krone über die familiären Bande stellt. Auch seinen Vater hat er nach dessen unrühmlichen Abtritt weitgehend von öffentlichen Auftritten fern gehalten. Er ist Fan des Fußballclubs Atlético Madrid, der einst als Club der Arbeiterklasse galt.

Der Rest der königlichen Familie fiebert dagegen für Real Madrid. Dem korrekten spanischen König fehlt in seinen Auftritten jedoch Empathie und der direkte Draht zum Volk, den sein Vater und Frauenheld Juan Carlos besaß.

Den Spaniern macht das nichts aus. Bei ihnen ist Felipe jetzt schon beliebter, als sein Vater es einst war. Dazu hat auch die strenge Rede beigetragen, die Felipe drei Tage nachdem illegalen Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien hielt.

Es war eine der ganz wenigen Gelegenheiten, in denen sich der spanische König außerhalb der Reihe an das Volk wendet. Bei solchen Auftritten zählt jedes Detail: Die Kommentatoren befinden über die Bilder und Statuen, die hinter dem König zu sehen sind, über seine Gestik, die Körperhaltung, ob er am Schreibtisch oder in einem Sessel sitzt. Alles, was zu sehen ist, wird als Botschaft gewertet.

Keine Skandale, keine Seitensprünge, keine dubiose Reisen – König Felipe VI. und Königin Letizia geben den meisten Spaniern keinen Grund, mit ihm zu hadern. Gemeinsam haben sie zwei Töchter: Prinzessin Leonor (l.) und Prinzessin Sofia. Quelle: dpa
Die spanische Königsfamilie

Keine Skandale, keine Seitensprünge, keine dubiose Reisen – König Felipe VI. und Königin Letizia geben den meisten Spaniern keinen Grund, mit ihm zu hadern. Gemeinsam haben sie zwei Töchter: Prinzessin Leonor (l.) und Prinzessin Sofia.

(Foto: dpa)

In seiner Rede zu Katalonien las der König den Unabhängigkeitsbefürwortern die Leviten. Er geißelte den „unakzeptablen Versuch der Separatisten, sich die Institutionen anzueignen“ und das Zusammenleben in Katalonien zu zerstören. Den meisten Spaniern gefiel das, die Umfragewerte für die Krone sprangen nach oben.

Doch die Rede erntete auch viel Kritik. Beobachter vermissten einen Versuch, zwischen Madrid und Barcelona zu vermitteln oder zumindest durch einen Satz in Katalanisch eine Nähe zu der Region herzustellen. Im Palast heißt es dazu, der König habe keine politischen Aufgaben, dafür sei die Regierung zuständig. Seine vorderste Pflicht sei es, die Verfassung zu verteidigen.

Dabei ist der König gerade wegen der Katalonienkrise dabei, eine zunehmend politische Rolle einzunehmen. So war er es, der Spanien in der vergangenen Woche auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vertreten und in bestem Englisch die Lage in Katalonien bewertet hat. Der spanische Premier Mariano Rajoy dagegen bleibt dem Treffen der Wirtschaftselite seit eh und je fern.

Der Vater hatte seines Landsleute mit seinem Trip zur Elefantenjagd nach Botswana mitten in der Wirtschaftskrise gegen sich aufgebracht. Er dankt auf Druck der Straße im Juni 2014 ab. Quelle: AFP
Mit seinem Sohn Felipe VI.

Der Vater hatte seines Landsleute mit seinem Trip zur Elefantenjagd nach Botswana mitten in der Wirtschaftskrise gegen sich aufgebracht. Er dankt auf Druck der Straße im Juni 2014 ab.

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Seine Reden zeigt Felipe vorher der Regierung, schließlich sollten sich besser keine Widersprüche zwischen den beiden Instanzen auftun. Bevor Rajoy das Manuskript erhält, zeigt Felipe es womöglich seiner Frau Leticia, einer ehemaligen TV-Journalistin. Der Palast bestreitet zwar ihre Mitwirkung. Doch was die Eheleute bereden, wenn der Mitarbeiterstab nicht dabei ist, bleibt ihr Geheimnis. Es wäre jedenfalls seltsam, wenn die derzeit so stark politischen Ansprachen dabei kein Thema wären.

Derlei Spekulationen sind die einzigen über die Ehe des Königspaares, das zwei Töchter hat. Keine Skandale, keine Seitensprünge, keine dubiose Reisen – Felipe gibt den meisten Spaniern keinen Grund, mit ihm zu hadern.

 

 

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