Studie Babys in Deutschland schreien weniger als in Großbritannien

In Deutschland und Dänemark sollen Babys weniger schreien als in Großbritannien. Die Gründe sind höchst unterschiedlich. Das Geschrei kann besonders unerfahrene Eltern verunsichern. Flaschenkinder haben es aber besser.
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Manchmal sind Eltern von ihren schreienden Babys überfordert. Laut Forschern wissen viele Eltern nicht, dass 40 Prozent des Schreiens in den ersten drei Lebensmonaten nicht beruhigbar sein soll. Quelle: Reuters
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Manchmal sind Eltern von ihren schreienden Babys überfordert. Laut Forschern wissen viele Eltern nicht, dass 40 Prozent des Schreiens in den ersten drei Lebensmonaten nicht beruhigbar sein soll.

(Foto: Reuters)

WarwickIn Ländern wie Deutschland und Dänemark schreien und quengeln Babys einer Studie zufolge im Mittel weniger als zum Beispiel in Großbritannien und Italien. Zu diesem Schluss kommt der Psychologe Dieter Wolke von der Universität Warwick nach der Analyse von Daten zum Schreiverhalten von fast 8700 Kindern in neun Industrie-Ländern. Über die Ursachen könne man nur spekulieren, schreibt sein Team im Fachblatt „The Journal of Pediatrics“. Ein möglicher Grund seien gesellschaftlich oder ökonomisch bedingte Unterschiede in der Fürsorge und der Betreuung von Neugeborenen.

Das Stresslevel der Mütter könne etwa aufgrund unterschiedlicher Mutterschutzregelungen und sozialer Unterstützung variieren, erläutern die Forscher. Denkbar seien prinzipiell auch genetische Faktoren – schließlich sei auch bei den Erwachsenen verschiedener Populationen bekannt, dass die einen im Mittel eher zurückhaltend und die anderen eher extrovertiert sind. Auch die Art der Fütterung könne Einfluss haben: Flaschenkinder wachten nachts zum Beispiel weniger oft auf als gestillte Babys, die Gesamt-Schreizeit vermindere sich dadurch in der 24-Stunden-Bilanz.

Warum Ehen wieder länger halten
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Warum lassen sich weniger Paare scheiden?
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Viele treten gar nicht oder später vor den Altar. Eine Schwangerschaft ist nicht mehr automatisch Grund zu heiraten, sagt der Berliner Familientherapeut Achim Haid-Loh. Mehr als jedes dritte Kind kommt nichtehelich auf die Welt. Evelyn Grünheid vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung sagt: „Junge Leute heiraten eher, wenn sie traditionell eingestellt sind.“ Wer so ticke, lasse sich auch nicht so schnell scheiden. Andere Paare hält die Skepsis vor der Ehe vom Ja-Wort ab - oder sie haben gute Erfahrungen mit dem Zusammenleben ohne Trauschein gemacht. Grünheid nennt noch einen Grund: „Berufstätige, unabhängige Frauen sind mit ihrem Leben zufriedener und meistern kritische Phasen in der Ehe eher.“

Woran zerbrechen die meisten Ehen?
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Die Kluft zwischen Partnerschaftsideal und Wirklichkeit belastet nach Einschätzung von Haid-Loh viele Beziehungen. Die allermeisten Frauen und Männer hielten es für ideal, wenn beide Partner arbeiten und sich gemeinsam um Haushalt und Kinder kümmern. Dies gelinge aber nur einem Bruchteil. Der Bielefelder Paartherapeut Detlef Vetter sagt: Die gestiegenen Anforderungen der Arbeitswelt führten dazu, dass beide Partner in der Beziehung vor allem „versorgt werden“, aber nicht investieren wollten. So verlören sie nach und nach den Kontakt zueinander. Frauen und Männer hätten auch unterschiedliche Ansprüche. „Für Frauen ist es wichtiger, dass die Beziehung gut läuft“, berichtet Vetter aus der Praxis. „Männer beginnen eher eine Affäre.“

Gibt es besonders kritischen Lebenssituationen?
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Wenn rund um die Geburt des ersten Kindes auch noch ein Haus gebaut wird, sagt Vetter. „Dann ist das Haus fertig und die Beziehung auch.“ In der Midlife-Crisis wollten viele noch mal ein anderer sein. „In meiner Praxis waren in den letzten Jahren auffällig viele, die sich beim 25. Abiturtreffen wieder in ihrer Jugendliebe verliebt haben.“

Wie viele Kinder sind von den Scheidungen ihrer Eltern betroffen?
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Fast 132 000 Jungen und Mädchen waren es 2015. Dazu kommen noch einmal 65 000 bis 66 000 Kinder, deren unverheiratete Eltern sich getrennt haben, schätzt Haid-Loh vom Evangelischen Zentalinstitut für Familienberatung.

Haben es Scheidungskinder schwerer als andere Gleichaltrige?
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„Die Nachteile sind begrenzt“, sagt die stellvertretende Direktorin des Deutschen Jugendinstituts, Sabine Walper. „Aber in den üblichen ein, zwei Jahren, die Trennungsfamilien brauchen, um sich wieder neu zu finden, die schlimmsten Konflikte zu schlichten und alle Regelungen zu treffen, geht es den Kindern erstmal schon deutlich schlechter.“ Gerade wenn der Übergang zur weiterführenden Schule in diese Zeit falle, könne sich dies auswirken. Bei jüngeren Kindern hätten Jungen in der Regel eine höhere Sensibilität für Konflikte in der Partnerschaft, nach der Pubertät reagierten eher die Mädchen auf familiäre Belastungen.

Was sollten Eltern ihren Kindern bei einer Scheidung unbedingt ersparen?
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„Dauerhafte Zerwürfnisse der Eltern, Konflikte die weiter schwelen, sind eine Hypothek“, sagt Forschungsdirektorin Walper. „Wenn es den Eltern gelingt, mit der Scheidung auch einen gewissen Frieden zu finden, die Grenzen des anderen zu respektieren und die bösen Erinnerungen beizulegen, dann ist viel gewonnen.“ Dies sei aber eine große psychische Leistung und professionelle Hilfe dabei sehr ratsam. Besondere Begleitung brauchen nach Einschätzung von Haid-Loh die Kinder aus den 15 bis 20 Prozent strittigen bis hochstrittigen Trennungsfamilien. Aber auch Kinder, deren familiäre Konstellation sich häufig ändert.

Hilfreich seien wohl körperlicher Kontakt sowie ein ruhiges Elternverhalten, bei dem nicht sofort eingegriffen, sondern zunächst kurz gewartet werde, ob der Säugling sich allein wieder beruhige, erklärte Wolke. Wichtig für Eltern zu wissen sei zudem: Etwa 40 Prozent des Schreiens in den ersten drei Lebensmonaten sei nicht beruhigbar. „Eltern denken oft, dass sie etwas falsch machen oder dass mit dem Baby etwas nicht in Ordnung ist, wenn sie es nicht gleich beruhigen können.“

Für die eigene Psyche sei es für Eltern wichtig zu wissen, wie viel ein normales Baby schreit. Selbst in Geburtsvorbereitungskursen werde darauf leider kaum eingegangen, sagte Wolke. In Elternratgebern sei oft beschrieben, dass man den Schreiton bei Hunger, Schmerz oder Langeweile unterscheiden könne. Das habe keinerlei wissenschaftliche Basis. „Man kann nur die Intensität unterscheiden.“

Die Studie der britischen Forscher beruht auf den Daten von 28 früheren Untersuchungen, für die über das Schreiverhalten von Babys in Fünf-Minuten-Intervallen Tagebuch geführt worden war. Der Abgleich der Ergebnisse ergab, dass Babys in den ersten zwei Lebenswochen im Mittel etwa zwei Stunden am Tag schreien oder wimmern. Sie steigern sich zu einem Hoch von zwei Stunden 15 Minuten täglich im Alter von sechs Wochen, wie die Forscher um Wolke schreiben. Mit zwölf Wochen seien es nur noch eine Stunde und 10 Minuten durchschnittlich.

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