Stuttgart 21 Polizei räumt Stuttgarter Schlossgarten

Nächtlicher Showdown im Stuttgarter Schlossgarten. Gegner des Bahnprojekts Stuttgart 21 wollten die Rodung von mehr als hundert Bäumen verhindern. Nun hat die Polizei angefangen, das Gebiet zu räumen.
Update: 15.02.2012 - 05:19 Uhr 17 Kommentare

Polizei räumt Schlossgarten

StuttgartEin Großaufgebot der Polizei hat am Mittwochmorgen mit der Räumung des Stuttgarter Schlossgartens für das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ begonnen. Nach der Errichtung eines Bauzaunes begannen die rund 2500 Beamten damit, Demonstranten aus der Grünanlage wegzuführen.

Polizisten trugen die ersten Demonstranten weg. Rund 2500 Beamte waren im Einsatz. Einem Polizeisprecher zufolge befanden sich noch Hunderte Stuttgart-21-Gegner auf dem rund 40 000 Quadratmeter großen Gelände. Einige Protestler waren auf die Bäume geklettert. Andere hatten eine Sitzblockade gebildet.

Die Polizei stellte Gitter entlang des Geländes auf, das geräumt werden soll.

Der Sprecher der Initiative, Matthias von Herrmann, berichtete von bis zu 2000 Demonstranten, die ein „Signal für den friedlichen Protest“ setzen wollten. Über den Einsatzbeginn sagte er: „Die Polizei ist rasch und hektisch aufgelaufen.“ Es sehe nicht nach einem besonnen Einsatz aus wie ihn Stuttgarts Polizeipräsident Thomas Züfle angekündigt hatte.

Die Protestler hatten sich in kleinen Gruppen auf dem Gelände verteilt. Einige kletterten auf Bäume oder setzten sich im Kreis darum. Andere errichteten Barrikaden. Rund 70 Leute bildeten eine Menschenkette am Grundwassermanagement.

Gegner des Stuttgart-21-Projekts demonstrieren im Schlossgarten. Quelle: dpa

Gegner des Stuttgart-21-Projekts demonstrieren im Schlossgarten.

(Foto: dpa)

Auf einem Livestream waren in der Nacht laute Pfiffe, Trommeln und Protestrufe zu hören. Die Demonstranten skandierten „Wir sind Stuttgart!“ und „Oben bleiben!“. Eine Silvesterrakete sei in der Luft explodiert, sagte der Polizeisprecher. Zudem brannte den Angaben zufolge unter anderem eine Palette.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sollten Lagerfeuer Wärme spenden. Am frühen Morgen wollte die Polizei das Protestcamp mit zahlreichen Zelten räumen. In den kommenden Tagen sollen 174 Bäume gefällt oder verpflanzt werden, damit der Trog für den heftig kritisierten Tiefbahnhof ausgehoben werden kann.

Polizei: „Vereinzelter Schlagstockeinsatz“
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17 Kommentare zu "Stuttgart 21: Polizei räumt Stuttgarter Schlossgarten"

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  • Ist da ein Badener neidisch dass das Geld nach Württemberg fliest?

  • Genau ! Aber das ist das Problem ... das sind die gleichen Steineschmeißer, die in den 70gern die Startbahn West und anderes verhindern wollten. Mittlerweile sind sie im "Unruhestand" und traktieren, begleitet von sozial Gestrandeten mit ihrem nicht vorhandenen Demokratieverständis die Mehrheit. Zugfahren tun diese Menschen sowieso nicht und so können sie natürlich die Vorzüge eines modernen Bahnhofs überhaupt nicht beurteilen (vgl. Berlin). Umweltgründe werden immer gerne vorgeschoben, nur was denn noch alles ? Flughafenausbau - NEIN ! Autobahnausbau - NEIN ! Bahnhofausbau - NEIN ! Und das in einer wirtschaftsstarken Region ... Viele andere deutsche Städte würden sich alle 10 Finger nach einem solchen Investitionsprogramm lecken ... was diese Leute treibt, ist eine typisch deutsche Attitüde : NEID und MISSGUNST.

    Na Mahlzeit !

  • "Unser schönes Stuttgart" ? ... das ich nicht lache - was ist denn rund um den Bahnhof schön ? Schöne Städte sehen anders aus ( vgl. München, Hamburg, Barcelona oder Budapest ) ... Der Rest Ihrer Äußerung zeigt nur : "Sie sind ein Ewig-Gestriger, der die Realität und Demokratie leugnet"

    Beste Grüße aus der schönsten Stadt der Welt

  • Wie üblich ist der HB-Artikel ohne jegliche Hintergrund-information. Soviel ich weiß, wird durch das S21-Projekt der Grünstreifen, von dem der Schloßgarten nur ein kleiner Teil ist, wesentlich vergrößert und verlängert werden. Der neue Bahnhof bietet eine riesige städtebauliche Chance für die bislang völlig verkorkste und abgrundtiefhäßliche Gegend - die Stuttgarterinnen und Stuttgarter sollten sich hier, bei diesem Immobilienprojekt, konstruktiv einbrin-gen (anstatt frustriert in Bäumen zu sitzen), damit nicht nur funktionale Architektur entsteht und/oder nicht nur "Arbeiten" & "Einkaufen", sondern ein lebendiges neues Stadtviertel. Es geht um die riesigen Chancen ihrer Stadt!

  • "Schräge Typen" sind Mappus, Gönner, Öttinger usw. die dieses Nutzlosprojekt wissentlich mit Falschaussagen durchgesetzt haben. Solange die Bosse für solche Machenschaften rechtlich nicht belangt werden können wird es auch keine Demokratie geben.

    Anderseits wird Stuttgart nun für seine jahrelange Gier nach Macht und Prestige büßen müssen.

    Gruß aus Baden :-)

  • @Nico-Nissen: Das zweifelhafte Demokratieverständnis haben wohl eher Sie. Ihr Recht auf freie Meinungsäußerung spricht Ihnen ja niemand ab. Ein Recht auf Landfriedensbruch und widerrechtliche Besetzung einer Baustelle haben Sie nicht.

  • Auch wenn mir ein Volksentscheid nicht passt, so beuge ich mich diesem ohne wenn und aber, egal was Grundlage dafür ist.

    Wer aber der Meinung ist, er könne und müsse weiter demonstrieren weil das etwas mit freier Meinungsäußerung zu tun habe, der irrt, um nicht zu sagen, der ist ein Anarchist.

    Die Kosten des Polizeieinsatzes dürfen nicht der Allgemeinheit aufgebürdet werden sondern sind von diesen unverbesserlichen Leuten zu tragen, denn das was die tun hat nichts, aber rein gar nichts mit freier Meinungsäußerung mehr zu tun sonder etwas mit Terrorismus.

  • Einige Kommentatoren haben ein sehr zweifelhaftes Demokratieverständnis, wenn sie denken, ich hätte mit einer Niederlage in einer Volksabstimmung mein Recht auf freie Meinungsäußerung verloren. Ich erkenne die Volksabstimmung ohne Wenn und Aber an, demonstriere aber dennoch weiter gegen Stuttgart 21, weil ein unsinniges Bauprojekt nun mal ein unsinniges Bauprojekt bleibt.

  • Ich komme gerade von dort und bin voller Stolz auf die Bewegung. Der "übriggebliebenen Widerstand" (O-Ton PM der Polizei) hat sich wacker und friedlich geschlagen. Ein großes Lob geht auch an die Polizei, die sich friedlich und professionell verhalten hat.

    Die Zerstörungen im Schlossgarten sind völlig sinnlos, weil die Bahn immer noch nicht mit dem Bau beginnen kann. Die dazu notwendigen Aufträge sind seit Jahren noch nicht vergeben. Zudem ist die Planfeststellung juristisch zweifelhaft.

  • Grüne Lunge? Am Bahnhof! In der Innencity wo tag täglich tausende 1000 Autos/Züge durchfahren? 100 mal im Kreis fahren müßen damit sie einen Parkplatz bekommen! Knorrige alte hässlich ewig verschnittene Bäume von dummen unqualifizierten Stadtpersonal, klar wichtig das man die erhält. Mittlerweile geht es doch denn Demonstranten nicht um S21 sondern nur um Frustentladung über die Situation in Deutschland. Früh 7 uhr könnte ich mir besseres Vorstellen als auf einem glitschigen-kalten im Schneegestöbere stehenden Baum zu hocken!

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