Taliban vermuten Probleme Empörung über Prinz Harrys Bericht

Die Aussagen Prinz Harrys über seinen fünfmonatigen Afghanistan-Einsatz schlagen hohe Wellen, auch ein Taliban-Sprecher äußerte sich. Vor allem der Vergleich des Krieges mit einem Videospiel wird scharf kritisiert.
11 Kommentare
Prinz Harry auf seinem Feldbett im Camp FOB Delhi in der Provinz Helmand. Quelle: dpa

Prinz Harry auf seinem Feldbett im Camp FOB Delhi in der Provinz Helmand.

(Foto: dpa)

LondonNach Ende seines Afghanistan-Einsatzes hat Prinz Harry die Briten mit der Aussage schockiert, dass er am Hindukusch auch Menschen getötet habe. „Ein Leben zu nehmen, um eines zu retten, darum drehte es sich bei uns“, sagte er der britischen Nachrichtenagentur Press Association (PA). Die radikalislamischen Taliban reagierten auf die Aussagen des Prinzen mit Aussagen über „wahrscheinliche“ psychische Probleme.

Die Interviews waren bereits in Afghanistan geführt worden, sie durften aber erst nach Harrys Rückkehr veröffentlicht werden. Insgesamt war der Prinz 20 Wochen am Hindukusch stationiert, er leistete Dienst in der unruhigen südlichen Provinz Helmand. Dabei flog er auch Einsätze als Bordschütze von Kampfhubschraubern. Auf die Frage, ob er dabei auch Taliban-Kämpfer getötet habe, sagte Harry: „Ja, so wie viele andere auch.“ Wer versucht habe, seinen Kameraden etwas anzutun, sei „ausgeschaltet worden“.

Bei den Einsätzen habe er auch von seiner Liebe zu Spielekonsolen profitiert, fuhr der 28-Jährige fort. „Ich bin einer von diesen Leuten, die gern PlayStation und Xbox spielen. Und ich liebe den Gedanken, dass ich mit meinen schnellen Daumen ziemlich nützlich bin.“

Ein Taliban-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Prinz vergleiche einen „historischen Krieg“ mit Spielen. Seine Äußerungen würden von den Taliban „nicht sehr ernst“ genommen. Harry habe in Afghanistan „wahrscheinlich ein psychisches Problem entwickelt“. Dies passiere vielen ausländischen Soldaten nach Verlassen des Landes.

„Spiegel Online“ zitiert zudem einen britischen Offizier in Kabul: „Es ist problematisch, den Krieg in irgendeiner Form mit Computerspielen zu vergleichen.“ Ein Bundeswehroffizier zum selben Thema: „Der mehr als zehn Jahre andauernde Einsatz in Afghanistan ist kein Spiel.“ Nach Informationen der „Bild“ sollen sich Taliban die Harry-Zitate gegenseitig per SMS schicken.

Vor Veröffentlichung des Interviews hatte das Verteidigungsministerium in London bekanntgegeben, dass Harry seinen Einsatz in Afghanistan beendet habe. Im Camp Bastion, wo er als Hubschrauberpilot stationiert war, lebte er nach eigenen Angaben „so normal wie möglich“. Harry war bereits im Winter 2007/2008 zehn Wochen als Fliegerleitoffizier am Hindukusch aktiv. Der damalige Einsatz war aber aus Sicherheitsgründen abgebrochen worden, nachdem sein Aufenthaltsort bekannt geworden war.

In einem weiteren nach Harrys Rückkehr veröffentlichten Interview kritisierte Harry die britischen Medien scharf. Die Zeitungen druckten „Müll“ und beraubten ihn seines Privatlebens, sagte er dem Sender ITV News. „Es macht mich traurig und wütend, dass die Leute mit dem Zeug durchkommen, das sie schreiben.“ Er sei überrascht, wie viele Briten diese Berichte lesen. Er hoffe, dass die Menschen nicht glaubten, was sie lesen.

Sein Misstrauen gegenüber den Medien führte Harry zurück auf den Tod seiner Mutter Diana, die nach einer Verfolgung durch Paparazzi 1997 in Paris bei einem Autounfall ums Leben kam. „Ich denke, es ist klar, wie weit es zurückreicht - zu der Zeit, als ich sehr klein war“, sagte Harry. Eines der „besten“ Dinge am Afghanistan-Einsatz war laut Harry, dass er „weit weg von all den Medien in der Heimat“ war. Diese seien „einer der wirklich negativen Aspekte“ Großbritanniens.

  • afp
Startseite

11 Kommentare zu "Taliban vermuten Probleme: Empörung über Prinz Harrys Bericht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Prinz Harry ist und war kein Angehöriger der Heilsarmee.
    Das wird von de Medien leider übersehen.

  • Es stellt sich die Frage weshalb die Kameraden von Harry the Kid dort überhaupt rumlaufen.

  • X-Box-Harry, das Spielkind mit dem flinken Finger am Abzug...

  • „Es ist problematisch, den Krieg in irgendeiner Form mit Computerspielen zu vergleichen.“ Ziemlich heuchlerisch dieser Kommentar,da solche Spiele teilweise zusammen mit dem Militär zu Simulations- und Trainingszwecken und nicht zuletzt zu Werbezwecken entwickelt werden.

  • Eigentlich hat sich der Prinz ziemlich vernünftig geäußert. Nur nicht Medien gerecht.
    Das die Taliban wie hier zitiert reagieren, war zu erwarten, schließlich wurden sie zu terroristischen Zielen im Zielfernrohr degradiert, die wie in der Spielkonsole im Hinterhalt lauern und bei Bedarf abgeknallt werden müssen.
    Das passt nicht zum selbststilisierten Bild des Freiheitskämpfers, dem so viele Möchtegern Menschenfreunde aufgesessen sind.
    Es weckt aber auch Zweifel an dem verantwortungsvollen Umgang mit der Waffengewalt. Allerdings nur deshalb, weil die Reduzierung der Beschreibung des Waffeneinsatzes auf seine physische Dimension die Sorge weckt, das ethische Dimensionen keine Rolle spielen.
    Dazu kann man nur anmerken, das im Gefecht ethische Gesichtspunkte sich darauf reduzieren wer wen tötet. Die moralische Verantwortung spielt im Kampf um Leben und Tod eben eine sehr geringe Rolle, solange keine offensichtlichen Regelüberschreitungen nach dem Kriegsrecht festzustellen sind.
    Wenn die Ethik einer Kriegspartei (die Taliban) erst mal so weit heruntergekommen ist, dass man militärisch eingreifen muss, gibt es nicht mehr viel was man noch tun kann außer zu siegen.
    Das ignoriert zu haben ist eine Dummheit oder Naivität erster Ordnung der Verantwortlichen, die den Einsatz begonnen haben.

    H.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • "...Briten mit der Aussage schockiert, dass er am Hindukusch auch Menschen getötet habe..." - Was für eine Erkenntnis, dass ein Soldat im Kampfeinsatz Gegner tötet! Und zum Thema Computerspiel: Wie viele Männer im Alter zwischen 18 und 30 Jahren spielen regelmäßig Computerspiele? Soldaten sind hier nicht Anders als ihre "zivilen" Altersgenossen auch. Der einzige Skandal ist der Umgang der Presse mit diesem Thema.

  • Ah wieso nur Prinz Harry! Ganz Großbritannien in ist jedem internationalen Einsatz mit dabei! Aber erst muss man klar stellen, dass Frankreich in Mali mit seiner Fremdenlegion kämpft! Nun, ehrlicherweise, nicht nur Prinz Harry wird aus PR-Gründen im Ausland für Großbritanien eingesetzt! Auch Großbritannien hat Quasi Fremdenlegion im Dienste der Krone - die Gurkhas. Die Aufgabe ist dieselbe wie bei Legion étrangère - Drecksarbeit und politische Verantwortung von sich wegzuschieben. Sie sind aber als Einheiten (Nepaläsen, Tibetaner, Burmanen) in regulärer britischer Armee integriert. Die Geschichte diesen Einheiten ist glorreich. Nun nur jüngste Entwicklungen und Einsätze: Falklandkrieg, Golfkriege, Bosnien, Kosovo, Osttimor, Afghanistan… Also, Prinz Harry darf nicht töten, aber andere im Dienste der Krone doch? Nun mit Hinblick auf Mali-Einsatz köönnte unsere Regierung viele „Ideen“ und Beispiele nachahmen, wie sich international militärisch und solidarisch engagieren kann. Vielleicht geben sie die Chance den Bewohnern der überfüllten Flüchtlingseinrichtungen, die sie in Ungewissheit schmoren lassen, sich zu bewiesen und denen die sich bewiesen haben Harz IV und Getto zu entgehen?! Ich würde aber moralische Grundlage solches Konzeptes sehr gründlich formulieren, um nicht in eigene Toren zu schissen…

  • Wer ist Prinz Harry? Handelt der mit Aktien? Hat der etwas mit Wirtschaft zu tun?

  • Ein Soldat war im Krieg und hat, zumindest seinen Aussagen nach, ein paar Feinde um gemacht. Ja und jetzt?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%