Tödliche Menge Gift Vergiftete Lebensmittel gefunden – Täter erpresst Supermärkte

Ein Mann hat in Friedrichshafen vergiftete Lebensmittel in Supermärkten ausgelegt. Der Täter will offenbar Millionen von Aldi, Lidl und Co. erpressen. Die Polizei nimmt die Erpressung sehr ernst.
Update: 28.09.2017 - 15:53 Uhr 1 Kommentar

„Zweistelliger Millionenbetrag“ gefordert – Babynahrung vergiftet

HamburgEin unbekannter Erpresser droht in einem bundesweit bedeutsamen Fall, Lebensmittel zu vergiften. „Es handelt sich um einen herausragenden Erpressungsfall. Wir müssen davon ausgehen, dass wir einen sehr skrupellosen Täter verfolgen, der den Tod von Menschen in Kauf nimmt“, sagte der stellvertretende Konstanzer Polizeipräsident Uwe Stürmer am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Der Täter habe bereits vor zwei Wochen fünf Produkte mit einer womöglich tödlichen Menge Gift in Lebensmittelgeschäften in Friedrichshafen am Bodensee ausgelegt und die Polizei informiert. Bei der Tat wurde er wahrscheinlich gefilmt.

Die Polizei fahndet jetzt mit bis zu 220 Beamten nach dem Täter, der bundes- und europaweit gegen deutsche Ketten vorzugehen droht. Dabei ist unklar, wo der Täter zuschlagen will und welche Produkte betroffen sein könnten. „Ich bitte darum, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher auf manipulierte Packungen achten“, sagte eine Vertreterin des baden-württembergischen Verbraucherschutzministeriums. Bei Glasverpackungen sollten Käufer darauf achten, dass sie beim Öffnen Klacken. Inzwischen warnen die Behörden sogar bundesweit über Katastrophenschutz-Plattformen wie warnung.bund.de und Kattwarn vor möglicherweise manipulierten Lebensmitteln.

Laut „Bild“ handelt es sich bei den ersten Fällen, auf die der Täter hingewiesen hatte um Babynahrung. Aldi, Rossmann, Lidl, dm, Müller, Edeka, Norma und Rewe sollen der Zeitung zufolge betroffen sein. Der Täter fordert demnach zehn Millionen Euro.

In einem Schreiben, das er den Konzernen und auch der Polizei zukommen ließ, hatte der Täter zuvor angekündigt, Produkte in Lebensmittel- und Drogeriemärkten im In- und Ausland zu manipulieren. Diese wolle er mit einer Substanz vergiften. Laut Polizei hat er ein detailliertes Szenario samt Geldübergabe außerhalb des Bodenseeraums vorgeschrieben. Der Täter fordere eine Summe im „niedrigen zweistelligen Millionenbereich“. Spuren reichten nach Süddeutschland und Österreich, es seien jedoch europaweit Vergiftungen möglich.

Die Polizei hat Fotos von einem noch unbekannten Mann, der in einem der genannten Märkte Ware ablegt. Die Kriminalpolizeidirektion Konstanz ermittelt. Hinweise soll die Bevölkerung an die Telefonnummer 075319953434 weitergeben. „Wir sind auf diese Hinweise angewiesen, um diese schweren Verbrechen aufklären zu können", sagte Stürmer. Der Täter sei um 50 Jahre alt, mittelgroß und sportlich sowie mit Hemd und grauer Hose eher unauffällig gekleidet gewesen sein.

Zu Erpressungen von Supermärkten kommt es immer wieder. Vor zwei Jahren etwa verurteilte ein Kölner Gericht einen Mann zu zweieinhalb Jahren Haft, der Rewe um 15 Millionen Euro erpressen wollte. Gefasst wurde der 38-jährige Sachse bei der Geldübergabe. 2016 verfolgte die Polizei einen Fall, in dem Täter Nutella vergifteten. Um der riskanten Geldübergabe zu entgehen, forderten sie Bitcoins - was die Polizei einfach ignorierte. Zu weiteren Vergiftungen kam es dennoch nicht, bis die Fahnder Tatverdächtige ermitteln konnten.
Häufig erfährt die Öffentlichkeit erst etwas von den Drohungen, wenn Täter vor Gericht stehen. Fahnder und erpresste Unternehmen wollen so unter anderem Nachahmungstaten verhindern und Panik vermeiden. Schließlich kommt es meist nicht zu echten Vergiftungen.
Dass es diesmal anders ist, hat zwei Hauptgründe: Zum einen wollen die Fahnder über die Veröffentlichung des Bildes Hinweise erhalten, zum anderen nehmen sie den aktuellen Fall besonders ernst, weil bereits mit Glykol vergiftete Lebensmittel aufgetaucht sind.

Bislang äußerte sich lediglich die Drogeriekette Rossmann zu dem Fall. Die Kette sei von den bisherigen Funden nicht betroffen, Kunden sollten aber vorsichtig sein. Sie sollten vor allem die Unversehrtheit von Umverpackungen und den Unterdruck von Glasbehältern prüfen.

  • cuk
  • dpa
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1 Kommentar zu "Tödliche Menge Gift: Vergiftete Lebensmittel gefunden – Täter erpresst Supermärkte"

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  • ist das Harald Schmidt, oder wie der Komiker heist??

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