Treibstofflager-Brand Lastwagenfahrer könnte schuld an Großfeuer sein

Es war das gewaltigste Feuer in Europa seit dem zweiten Weltkrieg, das in einem Treibstofflager bei London ausgebrochen war und dessen Rauch den Himmel über der britischen Hauptstadt verdunkelte. Die Ursache scheint eine kleine gewesen zu sein.
Eine gigantische Rauchsäule stieg beim Brand in den Himmel. Foto: dpa Quelle: dpa

Eine gigantische Rauchsäule stieg beim Brand in den Himmel. Foto: dpa

(Foto: dpa)

HB HEMEL HEMPSTEAD. Der Treibstoff seines Wagens könnte den Brand im Öl-Depot Buncefield in Hemel Hempstead am Sonntag entfacht haben, bestätigte Polizeisprecher Simon Parr am Mittwoch. Die Zeitung „Sun“ hatte berichtet, der Lastwagenfahrer habe sich einem Kollegen anvertraut. Demnach stellte er sein Fahrzeug am Sonntag auf dem Gelände des Lagers ab. Er habe dann einen verdächtigen Geruch wahrgenommen, sei daraufhin zu seinem Wagen zurückgerannt und habe etwas ausgeschaltet. „Sein Motor ging aus - und dann hat es 'boom' gemacht“, zitierte die Zeitung den Kollegen des Fahrers. Möglicherweise habe ein Funke aus dem Motor seines Tankwagens die erste große Explosion ausgelöst, mutmaßte die „Sun“. Der Fahrer mache sich schwere Vorwürfe.

Bob Woodward von der Behörde für Gesundheit und Sicherheit sagte, die Ursache des Feuers sei noch nicht eindeutig festgestellt. „Aber es scheint klar, dass Treibstoff abgelassen worden sei. Es gab eine Quelle für die Entzündung.“ Es sei nun die Aufgabe, diese Quelle zu finden.

Drei Tage nach Ausbruch des verheerenden Brandes haben Spezialisten von Polizei und Feuerwehr am Mittwoch weiter nach den Ursachen geforscht. Das Buncefield-Treibstofflager sei erst zwei Wochen vor dem Unglück inspiziert worden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Es habe jedoch keinerlei Hinweise auf Sicherheitsmängel gegeben.

Die Explosion könne statt durch den Lastwagen ebenso gut im Inneren eines der mit Öl, Benzin und Kerosin gefüllten Tanks entstanden sein, sagte ein Feuerwehr-Sprecher. Obwohl der Tankwagen-Fahrer das Unglück aus nächster Nähe miterlebte, kam er den Berichten zufolge mit Quetschungen und einem gerissenen Trommelfell davon.

Nach fast 60 Stunden war es den Einsatzkräften am Dienstagabend gelungen, den durch mehrere Explosionen ausgelösten Großbrand in Hemel Hempstead zu löschen. In der Nacht zum Mittwoch war ein neues kleineres Feuer in einem der Tanks ausgebrochen. Die Feuerwehr konnte die Flammen jedoch schnell unter Kontrolle bringen. Die Explosionsgefahr sei gebannt, sagte ein Sprecher. Es könne aber bis zu zwei Tage dauern, bis das Feuer komplett ausgebrannt sei. „Würden wir das Feuer löschen, entstünde eine Wolke aus Öldampf. Und wir glauben, dass die Explosion ursprünglich von einer solchen Wolke ausgelöst wurde“, sagte der Sprecher.

Mittlerweile konnten die meisten Menschen aus den umliegenden Ortschaften wieder in ihre Häuser zurückkehren. Auch die meisten Schulen nahmen am Mittwoch ihren Unterricht wieder auf. Bei Tests seien in der Luft keinerlei gesundheitsschädliche Stoffe mehr festgestellt worden, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Dennoch rieten sie den Anwohnern, Türen und Fenster weiter geschlossen zu halten.

Bei dem nach Meinung von Experten größten Industriebrand Europas seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges war wie durch ein Wunder niemand getötet worden. 43 Menschen erlitten zumeist leichte Verletzungen und konnten die Krankenhäuser bis Mittwoch bis auf wenige Ausnahmen wieder verlassen. Der Schaden liegt nach ersten Schätzungen bei umgerechnet mindestens 100 Mill. Euro.

Neben der Rauchwolke kann nach Expertenmeinung auch mit Chemikalien versetztes Löschwasser die Umwelt gefährden, falls es nicht aufgefangen wird und im Boden versickert. Kritisch wäre vor allem die Verwendung von Perfluor-Tensiden (PTF) als Löschzusatz, teilte das Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (GSF) in Neuherberg bei München mit. Studien deuteten zumindest bei einer PTF-Verbindung auf eine Krebs erregende Wirkung hin. Zudem machten Perfluor-Tenside andere Schadstoffe wie die ebenfalls Krebs erzeugenden Kohlenwasserstoffe löslicher, so dass diese in tiefere Bodenregionen transportiert würden und das Grundwasser gefährdeten.

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