Überschwemmung Neue Flutwelle rollt auf den Balkan zu

Keine Entwarnung in Serbien und Bosnien: Obwohl der Regen aufgehört hat, steigt der Fluss Sava weiter. Bisher forderte das Hochwasser 38 Tote, allein in Bosnien wurden rund 500.000 Menschen in Sicherheit gebracht.
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Kein Strom, kein Haus – nur Wasser
State of emergency declared due to flooding in Serbia
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Ein Mann betrachtet eine geflutete Straße von seinem Dach aus in Pozega, 200km süd-westlich von Belgrad, Serbien: Ein Ende der Hochwasserkatastrophe auf dem Balkan ist nicht in Sicht. Bislang kamen mehr als 20 Menschen ums Leben. Weit über eine Million Einwohner der armen Länder in Südosteuropa sind von den Überschwemmungen betroffen. 95.000 Haushalte müssen ohne Strom auskommen. Die Schäden allein in Serbien werden auf eine Milliarde Euro geschätzt. In Bosnien-Herzegowina bestätigten die Behörden am Samstag wenigstens 16 Tote, in Serbien fünf.

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Männer evakuieren eine Familie aus Obrevonac: In dem serbischen Ort nahe Belgrad haben Helfer zwölf Leichen geborgen. Die Stadt liegt direkt an der Sava und ist mit am Schlimmsten von der Flut betroffen.

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Die Einwohner von Obrenovac mussten in eine Turnhalle umziehen, denn 90 Prozent der Stadt wurden überflutet. Deutschland hat Serbien und auch Bosnien-Herzegowina Unterstützung angeboten. Experten des Technischen Hilfswerks (THW) seien bereits in Serbien eingetroffen, weitere Hilfsmaßnahmen würden koordiniert. „Noch ist das ganze Ausmaß der Katastrophe nicht erkennbar“, erklärte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). „Den Familien, die ihre Angehörigen infolge der Flut verloren haben, sprechen wir unser tiefes Mitgefühl aus.“

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Helfer arbeiten an einem Deich am Sava-Fluss in Belgrad, Serbien: In den Städten Sabac, Mitrovica und Kostolac sei die Hochwasserlage unter Kontrolle, teilten die Einsatzkräfte mit. Ein weitere Welle wurde bis zur Wochenmitte erwartet.

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Parkende Autos in Obrenovac, Serbien: Serbiens Regierungschef Aleksandar Vucic bestätigte die Verhaftung von Geschäftsleuten, die die Notlage der Menschen ausgenutzt und die Preise für Mineralwasser und Lebensmittel um ein Vielfaches angehoben hätten. Zeitungen in Serbien kritisierten, dass die Meteorologen nicht rechtzeitig vor den Unwettern gewarnt hätten.

Belgrad
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Die Flutwelle der Sava erreichte am Sonntagabend die Hauptstadt Belgrad: Freiwillige, die von der Regierung in Belgrad an die Brennpunkte geschickt worden waren, klagten über die schlechte Organisation ihres Einsatzes.

Doboj highway 150 km from Sarajevo closed to traffic due to lands
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Der ramponierte Doboj Highway ist bis auf Weiteres geschlossen: In Doboj, Bosnien-Herzegowina, stand das Wasser stellenweise noch bis zu vier Meter hoch. „Höchste Priorität hat jetzt das Auffinden der Toten“, sagte Bürgermeister Petrovic. Man müsse herausfinden, wie viele Menschen in den Fluten umkamen: „Es werden viele Tote sein.“ Einsatzkräfte brachten bis Sonntag 20 Opfer in die städtische Leichenhalle.

ObrenovacAuch nach dem Ende der tagelangen Regenfälle ist noch kein Ende der Überschwemmungskatastrophe auf dem Balkan in Sicht. Aus Kroatien rollte am Montag eine neue Flutwelle des Flusses Sava auf Nord-Bosnien und den Westen Serbiens zu. Soldaten und Freiwillige versuchten, mit Sandsack-Dämmen Ortschaften und das größte serbische Kraftwerk abzusichern. Die Zahl der Toten des schwersten Hochwassers auf dem Balkan seit mehr als 100 Jahren stieg auf 38. Allein in Bosnien mussten über 500.000 Menschen ihre Häuser und Wohnungen wegen der Fluten verlassen. Das sind mehr als ein Achtel der Einwohner von Bosnien-Herzegowina. Schlamm, Trümmer, Müll und Tierkadaver bedeckten weite Landstriche in den Gebieten, wo das Hochwasser zurückging.

Am Sonntag hatten die Regenfälle aufgehört, durch deren Wassermassen ganze Landstriche in den ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken überflutet wurden. Allerdings stiegen die Pegelstände der Sava weiter an. Dadurch drohten in Bosnien und Serbien weitere Überschwemmungen.

Am Sonntagabend hatten die Fluten einen weiteren Hochwasserschutz durchbrochen und Teile der Stadt Orasje im Norden Bosniens überflutet. Im nordbosnischen Tuzla versuchten Freiwillige und Arbeiter des Katastrophenschutzes Gräben zu ziehen, um die Wassermassen von Häusern fernzuhalten. Durch den Abfluss des Wassers sollte auch vermieden werden, dass Böschungen aufweichen und abrutschen. Durch Hunderte Bergrutsche und Schlammlawinen entlang der Sava wurden in Bosnien bereits große Teile des Ackerlandes verwüstet. Landwirtschaft ist das Rückgrat der bosnischen Wirtschaft.

An der serbisch-bosnischen Grenze war die Stadt Mali Zvornik vom Hochwasser bedroht. Dort rutschte ein Berg in den Fluss Drina ab, wodurch dieser aufgestaut und die Wassermassen des Flusse Richtung Stadt umgeleitet wurden.

Im serbischen Obrenovac versuchten Soldaten und Arbeiter, mit einem Damm aus 60.000 Sandsäcken das größte Kraftwerk des Landes vor Überschwemmungen zu schützen und am Netz zu halten. Eine Gewerkschaftssprecherin sagte, einige Arbeiter hätten drei Tage nahezu ohne Pause Sandsäcke gefüllt, da Hilfsmannschaften nicht zu dem von Wassermassen eingeschlossenen Kraftwerk Nikola Tesla durchdringen konnten. Das Kraftwerk produziert etwa die Hälfte des serbischen Stroms. Als Vorsichtsmaßnahme wurden schon Teile der Anlage stillgelegt. Auch in der rund 30 Kilometer entfernten Hauptstadt Belgrad füllten Hunderte Freiwillige pausenlos Sandsäcke, um die Ufer der Sava zu befestigen.

  • rtr
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