Urlaub Reiselust der Deutschen bleibt hoch

Spanien statt Türkei: Bilder von Anschlägen auf Reiseziele wie Istanbul wirken auch auf Touristenströme. Während das Land am Bosporus Einbußen hinnehmen musste, stieg das iberische Land in der Gunst deutscher Urlauber.
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Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen. Die meisten Urlauber zieht es jedoch vermehrt nach Spanien. Ziele in der Türkei werden aufgrund der Terrorgefahr immer mehr gemieden. Quelle: dpa
Urlaub unter Palmen

Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen. Die meisten Urlauber zieht es jedoch vermehrt nach Spanien. Ziele in der Türkei werden aufgrund der Terrorgefahr immer mehr gemieden.

(Foto: dpa)

StuttgartDie Deutschen sind einer Studie zufolge weiter sehr reisefreudig, suchen sich wegen Terrorgefahr in Ländern wie der Türkei aber neue Urlaubsziele. „2017 verspricht ebenfalls ein starkes Reisejahr zu werden, die Urlaubslust ist ausgeprägt“, sagte der Tourismusexperte Martin Lohmann am Freitag zum Auftakt der Stuttgarter Messe „Caravan Motor Touristik“ (CMT).

Der Professor stellte eine Studie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen vor, derzufolge die Menschen in Deutschland 2016 etwa gleich oft gereist sind wie 2015. Allerdings gab es aufgrund der Terroranschläge Verschiebungen bei der Urlauberströmen - anstatt in die Türkei oder nach Ägypten reisten viele Deutsche nach Spanien oder Griechenland.

Als einen Grund für die insgesamt positiven Aussichten für die Tourismusbranche nannte Lohmann die gute Konjunktur, wodurch die Menschen im Schnitt mehr Geld haben. 2016 hatten die Menschen in Deutschland nach Lohmanns Einschätzung wie schon im Vorjahr etwa 69 Millionen Urlaubsreisen gemacht und dabei wieder etwa 66 Milliarden Euro ausgegeben. Das sei ein hohes Niveau, betonte der Professor. Etwa zwei von drei Deutschen verreisen jedes Jahr mindestens einmal, zur Jahrtausendwende war es nur jeder Zweite und in den 1980ern nur jeder Dritte. Im Vergleich zu anderen Staaten seien die Deutschen also sehr urlaubsfreudig, sagte Lohmann. „Reisen ist für Deutsche wie Tannenbaumkaufen - das macht man jedes Jahr.“

Wie wäre es mit Kroatiens Ibiza oder Tunesiens St. Tropez?
Neue Strandziele
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Überall in Deutschland sind gerade Sommerferien - und wenn in dieser Zeit von legendären Urlaubsorten oder Promi-Destinationen die Rede ist, fallen meist dieselben Namen, etwa St. Tropez, Ibiza oder Mallorca. Doch wer im Trend sein will, sucht auch neue, außergewöhnliche Ziele.

„Ibiza Kroatiens“
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Manche davon bekommen dann sogar Beinamen, die einen Bezug zu berühmteren Orten haben: So gilt Zrce als das „Ibiza Kroatiens“ oder Hammamet als das „St. Tropez Tunesiens“. Auch wegen ihrer Schönheit oder anderer Besonderheiten werden Orte zu In-Zielen. Eine Auswahl alternativer Sommerziele 2016:

Kotor
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Auch in diesem Jahr steht Kotor in internationalen Rankings wieder ganz vorn auf der Liste angesagter Mittelmeer-Destinationen - die Reisebuchmarke „Lonely Planet“ zum Beispiel kürte die montenegrinische Hafenstadt in ihrem Trend-Buch „Best in Travel 2016“ zur Stadt des Jahres. Das nach einem großen Erdbeben 1979 originalgetreu wiederaufgebaute mittelalterliche venezianische Städtchen steht auf der Unesco-Liste des Welt- und auch des Naturerbes

Die montenegrinische Hafenstadt
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Der Ort mit nur ein paar Tausend Einwohnern liegt malerisch am Ende einer tiefen Bucht, die von bis zu 1800 Meter hohen Bergen begrenzt wird. Krönung eines jeden Besuchs ist die Festung über Kotor, die einen einzigartigen Blick auf die atemberaubende Landschaft gewährt. Doch ist der Aufstieg beschwerlich. Kotor droht – wie auch das benachbarte bekanntere Dubrovnik in Kroatien – Opfer seines touristischen Erfolgs zu werden. Große Kreuzfahrtschiffe bringen das Städtchen im Hochsommer an Aufnahmefähigkeitsgrenzen.

Zrce
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Der Partystrand Zrce in der Nähe der kroatischen Stadt Novalija auf der Insel Pag ist seit Jahren ein angesagter Szenetreff - er gilt als „Ibiza Kroatiens“. Nicht unbescheiden sieht man sich in den Clubs dort oft als besserer Nachfolger spanischer Ziele wie eben Ibiza oder Lloret de Mar. Zehntausende bevölkern zurzeit die Region. Den Anfang machen traditionell Abiturienten aus Deutschland und Österreich. Das Publikum ist international. Nur nicht viel älter als 30 sollte man sein.

Der Partystrand
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Ab nachmittags um drei geht es los mit freien Wodka-Drinks. Braungebrannte und gut gebaute Go-go-Tänzerinnen und -Tänzer heizen den Gästen ein. Animateure leiern Spiele und Schaumpartys an. Bekannte DJs und Rapper treten auf und sorgen für Euphorie auf den Tanzflächen. Erst um sechs Uhr in der Früh ist Schluss. Zum Nüchternwerden und für Sonnenbrand bleiben dann noch ein paar Stunden. Während es in Zrce den ganzen Sommer hoch hergeht, gab es bereits im Juli Partyleben-Konkurrenz bei Festivals in Split („Ultra Europe“) oder am weitläufigen Strand Jaz bei der Urlauberhochburg Budva in Montenegro („Sea Dance“).

Hammamet
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Seit Tunesien von mehreren Terroranschlägen heimgesucht wurde, meiden viele Touristen das kleine nordafrikanische Land am Mittelmeer. Von Party bis Kultur und Natur hat es aber einiges zu bieten. Hammamet, das „tunesische St. Tropez“ - mit seinen Stränden und lebendigem Nachtleben - ist besonders beliebt, auch bei Tunesiern, die am Wochenende aus der Hauptstadt Tunis in den knapp eine Stunde entfernten Ort strömen. In der Küstenstadt trifft mediterranes Feeling auf arabische Kultur.

Lohmann betonte, man dürfe die Folgen des Terrors auf das Urlaubsverhalten der Deutschen nicht überbewerten. „Die Urlauber denken durchaus bei der Wahl ihres Reiseortes an die Terrorgefahr - die Reiselust an sich wird dadurch aber nicht gebremst“, sagte er. Wenn es im Reiseziel Terror gebe, habe das zwar eine „heftige Wirkung auf die touristische Nachfrage aus Deutschland“. Aber: „Diese Wirkung ist in der Regel räumlich und zeitlich begrenzt.“

Trotz Einbußen bleibe die Türkei ein wichtiges Reiseziel der Deutschen - vom Frühjahr bis Herbst 2016 flogen 4,8 Millionen Passagiere von deutschen Airports in das Mittelmeerland. Das sei zwar ein Minus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gewesen, aber immer noch etwa die Hälfte der Passagiere nach Spanien und das Doppelte der Passagiere nach Griechenland, sagte Lohmann.

Spanien wurde noch beliebter - die Zahl der Passagiere in das iberische Land stieg um 10 Prozent auf rund 9,8 Millionen. Das kräftigste Plus unter den Reisezielen der Deutschen verzeichnete der Studie zufolge die Karibik mit 29 Prozent mehr Passagieren in Maschinen ab einem deutschen Airport. Allerdings ist die Gesamtzahl von knapp 300 000 Fluggästen relativ gering.

Auch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) vermeldete am Freitag positive Zahlen: Im Dezember stiegen die Buchungen für Reisen in der aktuellen Wintersaison im Vergleich zum Vorjahresmonat um 11 Prozent an, Buchungen von Reisen in der Sommersaison gingen 13 Prozent hoch.

Nach ihrem Pressetag am Freitag öffnet die Tourismusmesse CMT am Samstag ihre Tore für das Publikum, 220 000 Besucher werden bis zum 22. Januar erwartet. Hinter der Berliner Fachmesse ITB gilt die CMT als wichtigster Treff der Tourismusbranche in Deutschland.

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