Urteil Dänischer U-Boot-Erfinder Madsen zu lebenslanger Haft verurteilt

Der Richterin fehlte eine plausible Erklärung des 47-Jährigen für den Tod der Journalistin Kim Wall. Sie verhängt die Höchststrafe gegen Peter Madsen.
Update: 25.04.2018 - 13:59 Uhr Kommentieren
Kim Wall: Peter Madsen zu lebenslanger Haft verurteilt Quelle: Reuters
Peter Madsen

Der Ingenieur wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

(Foto: Reuters)

StockholmEiner der aufsehenerregendsten Prozesse in Dänemark ist am Mittwoch mit einem Schuldspruch zu Ende gegangen: Der dänische U-Boot-Bauer und Raketenkonstrukteur Peter Madsen hat nach Ansicht des Kopenhagener Amtsgerichts die 30-jährige schwedische Journalistin Kim Wall an Bord seines U-Boots Nautilus 3 vorsätzlich ermordet. Er wird zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Der Richter und die zwei Schöffen sahen es als erwiesen an, dass der in seinem Land sehr bekannte Tüftler Madsen die junge Journalistin am 10. August vergangenen Jahres an Bord seines selbstkonstruierten U-Boots eingeladen und später ermordet hat. Madsens Verteidigerin Betina Hald Engmark kündigte direkt nach Verkündung des Urteils an, in Berufung zu gehen.

Madsen, der das Urteil gefasst aufnahm, hat die Ermordung von Kim Wall bis zuletzt bestritten. Vor Gericht behauptete er, die Journalistin sei durch einen technischen Defekt in seinem U-Boot ums Leben gekommen. Sie sei an ausgetretenem Kohlenmonoxid erstickt, sagte er. Allerdings habe er die Leiche der toten Kim Wall zerstückelt und mit Eisenteilen in der Køge-Bucht vor Kopenhagen versenkt, gestand Madsen.

Mord auf dem U-Boot – Lebenslang für Peter Madsen

Mit der lebenslangen Haftstrafe folgte das Gericht damit in weiten Teilen der Anklage, die „lebenslang“ oder Sicherheitsverwahrung für den 47-Jährigen gefordert hatte. Seine Verteidigerin Hald Engmark hatte dagegen auf nur sechs Monate Gefängnis wegen Leichenschändung und Seerechts-Verstößen plädiert.

Das Gericht sah es jedoch als erwiesen an, dass Madsen die junge Journalistin vorsätzlich getötet und sexuell missbraucht hat. Er habe mehrere Werkzeuge an Bord seines U-Bootes gebracht, um später die Leiche von Wall zerstückeln zu können. Deshalb bestehe der Verdacht, dass die Tat geplant war, erklärte Richterin Anette Burkø. Belastend sei außerdem gewesen, dass Madsen seine Aussagen über das, was sich an Bord der Nautilus abgespielt hat, mehrfach geändert hat.

Während der elf Verhandlungstage vor Københavns Byret, dem Kopenhagener Amtsgericht, zeichnete Oberstaatsanwalt Jakob Buch-Jepsen das Bild eines kalten, unempathischen Mannes, der von brutalen Fetischen getrieben die Journalistin getötet hat. Madsen hat sexuelle Motive zurückgewiesen, aber zugegeben, an sexuellen Experimenten interessiert gewesen zu sein.

Die Polizei fand auf seinem Mobiltelefon und seinem Computer zudem Foltervideos. Warum er die Leiche zerstückelt habe, wurde Madsen im Prozess gefragt. „Was tut man, wenn man ein großes Problem hat? Man teilt es es in mehrere kleine“, lautete seine kurze und schockierend gefühlslose Antwort.

Seine Verteidigerin hatte während des Prozesses immer wieder darauf hingewiesen, dass es allenfalls Indizien, aber keine Beweise gegen ihren Mandanten gebe. Madsen habe „vollkommen irrational, absurd und widerlich“ gehandelt. Aber für einen Mord gebe es keine Beweise, betonte sie.

Der Fall der getöteten Kim Wall hatte im vergangenen Sommer für weltweite Schlagzeilen gesorgt. Kim Wall war am 10. August an Bord von Madsens U-Boot gegangen. Die junge Journalistin wollte eine Reportage über den Mann schreiben, der mit seiner 18 Meter langen und 40 Tonnen schweren Nautilus und seinen Entwicklungen einer kostengünstigen Rakete auch weltweit für Aufsehen gesorgt hatte.

Als Wall in der Nacht nicht von dem Ausflug zurückkam, meldete sie ihr Freund bei der Polizei als vermisst. Kurz darauf nahm Madsen selbst Kontakt mit der Polizei auf und berichtete von technischen Problemen mit seinem U-Boot. Er wurde von einem Motorboot gerettet, die Nautilus sank.

Schon früh zweifelte die dänische Polizei an der Aussage von Madsen, er habe Kim Wall noch am Abend wieder an Land abgesetzt, und nahm ihn fest. Der Verdacht gegen den Erfinder erhärtete sich, als er vor Gericht seine ursprüngliche Aussage mehrfach änderte und zuletzt von einem tödlichen Unfall an Bord der Nautilus sprach.

Nach Madsens letzter Version der Hergänge an Bord der „Nautilus“ starb Wall an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung. Er stritt aber ab, die Journalistin ermordet zu haben, obwohl sich nach Angaben der Polizei mindestens 15 Messerstiche im Torso der Schwedin befanden. Obwohl die dänische Polizei alle Leichenteile gefunden hat, ergab die Obduktion keine eindeutigen Aufschlüsse über die Todesursache.

In Dänemark nannte man den eigenwilligen Ingenieur lange Zeit „Raketen-Madsen“. Denn neben seinen U-Boot-Konstruktionen entwickelte der studierte Marine-Ingenieur bereits als Jugendlicher kleine Flugkörper. Später kamen größere Raketen hinzu. Sein Traum war es bis zuletzt, eine preisgünstige Rakete zu entwickeln, die Menschen ins All befördern kann.

„Ich bin nicht wie normale Menschen, die normale Sachen machen“, erklärte Madsen vor einigen Jahren, als er wieder einmal einen Preis für seine Erfindungen verliehen bekam. Diese Aussage, für die er damals noch Beifall erhielt, erscheint mittlerweile in einem völlig neuen Licht.

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