Urteil wird für morgen erwartet Hoeneß droht lange Haft

Haftstrafe oder Straffreiheit – das Schicksal von Uli Hoeneß wird sich voraussichtlich am Donnerstag entscheiden. Alles hängt an der Frage, inwieweit das Gericht die Selbstanzeige als lückenhaft einschätzt.
Update: 12.03.2014 - 14:33 Uhr 20 Kommentare
Steuersünder Uli Hoeneß muss mit einem Urteil am Donnerstag rechnen. Quelle: ap

Steuersünder Uli Hoeneß muss mit einem Urteil am Donnerstag rechnen.

(Foto: ap)

MünchenFür Bayern-Boss Uli Hoeneß naht die Stunde der Wahrheit. Die Frage über Haft oder Freiheit liegt in den Händen der Richter. Das Münchner Landgericht fällt mit großer Wahrscheinlichkeit doch schon an diesem Donnerstag das Urteil über den prominenten Steuersünder. Im schlimmsten Fall droht dem Bayern-Boss eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren, sofern das Gericht einen besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung bejahen sollte.

Die Kammer geht dabei von einer Steuerschuld von 27,2 Millionen Euro aus - und nicht von den 3,5 Millionen, welche die Staatsanwaltschaft dem Präsidenten des FC Bayern in der Anklage vorgeworfen hatte. Das sagte Richter Rupert Heindl am Mittwoch.

Auch Hoeneß' Verteidigung erkennt die schwindelerregend hohe Summe widerspruchslos an. „Die Zahlen hält die Verteidigung für sachgerecht, da zweifeln wir nicht dran“, sagte Hoeneß' Anwalt Hanns W. Feigen. Davon, dass die Selbstanzeige des Bayern-Bosses gültig und damit zumindest strafmindernd ist, geht die Verteidigung dennoch aus. Die Zahlen seien keine Überraschung. „Wir sind ja nicht dämlich!“, erklärte Feigen.

„In der Selbstanzeige, die Herr Hoeneß am 17. Januar 2013 eingereicht hat, sind sämtliche Zahlen bereits enthalten“, betonte der prominente Anwalt aus Frankfurt. Noch zum Prozessauftakt am Montag hatte die Verteidigung von 18,5 Millionen gesprochen. Die 27,2 Millionen wurden erst nach der Aussage einer Rosenheimer Steuerfahnderin öffentlich. Die Differenz von knapp neun Millionen Euro erklärte Feigen damit, dass die 18,5 Millionen Euro Schätzungen gewesen seien.

Die Staatsanwaltschaft sieht das völlig anders. Sie fühlt sich nach den spektakulären Summen, die im Prozess auf den Tisch gekommen sind, in ihrer Annahme bestätigt, dass Hoeneß' Selbstanzeige vom 17. Januar 2013 überaus fehlerhaft ist. Wenn die Kammer nach den für Donnerstagmorgen geplanten Plädoyers dieser Ansicht zustimmt, kommt Hoeneß nach Ansicht vieler Experten um eine Gefängnisstrafe wohl nicht mehr herum. Für den Fußball-Funktionär wird es eng.

„Wenn es zu einer Verurteilung kommt, dann wird auch die Summe der hinterzogenen Steuern eine Rolle spielen“, verdeutlichte Gerichtssprecherin Andrea Titz. Hoeneß kann nach dem ungünstigen Verlauf des Prozesses wohl nur noch auf Richter Heindl und ein mildes Urteil hoffen.

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20 Kommentare zu "Urteil wird für morgen erwartet: Hoeneß droht lange Haft"

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  • Ein Knackpunkt ergibt das ändern des Steuersystems: Unser Steuersystem ist so komplex aufgebaut, dass man Berater braucht! Vereinfachen Sie es und wir hätten einen Haufen unnützer Arbeitsloser, die auch noch den Höchsatz des ALG bezieht. Unser Steuersystem ist eine kleine Blase. Abschaffen=weniger BIP (wegen Ausfall Dienstleistung Steuerbeamter und Steuerberater), mehr Sozialkosten und unsere Staatsverschuldung geht auch ein paar Prozentpkt nach oben.

  • "Andere Prominente haben ihren Wohnsitz längst in ein Steuerparadies verlegt, genießen ihre Millionen in Seelenruhe..."
    = Und? Warum hat UH das wohl nicht gemacht? Hätt er doch tun können...

    "Wenn mit dem Berliner Flughafen und dem Nürburgring Unsummen veruntreut werden, muss sich kein Politiker dafür verantworten und wenn ausnahmsweise doch, genießt er einen vergoldeten Ruhestand."
    = Stimmt. Aber Staat, Behörden, Bürokratie usw. verschwenden immer Geld. Ökonomen errechnen einen wirtschaftlichen Schwund des Geldwertes durch Behörden und Bürokratie zw. 20-40%. D.h., im Extremfall nimmt Bürokratie 100 EUR ein und nur 60 EUR bewirken später etwas oder finden die gewünschte Verwendung...

    Aber das ist eine andere Baustelle. Dieses Argument im Fall Hoeneß zu bringen ist so, als ob man einem Kinderschänder zugute hält, dass er dafür ja nicht, wie andere, Frauen vergewaltigt hat...

    Mir persönlich gehts nicht um das persönliche Schicksal dieses kleinen Lumpen. Mir geht es um Sauberkeit im Sport! Und Sauberkeit in den Vereinen und seinen Gremien. Die Zustände beim FC Bayern stinken doch offensichtlich zum Himmel. Schlimmer ist es bei der UEFA, der FIFA oder dem IOC wohl auch nicht (wo Korruption, Bestechung, persönliche Bereicherung, erkaufte Wahlentscheidungen, schmierigste Arroganz und Überheblichkeit usw. offen gezeigt bzw. praktiziert werden...).

    Im übrigen: Die USA machen es vor, wie man Sport vor dem Einfluss von Geld und fetten Geldsäcken, die sich nur selbst darstellen wollen, schützt: Im American Football werden die besten Nachwuchs-Spieler in einer Ranking-Liste geführt. Am Ende einer Saison dürfen sich die schlechtest plazierten Vereine als erstes die besten Spieler aussuchen, beginnend mit dem Tabellen-Letzten hoch bis zum Super-Bowl-Gewinner. D.h., der Meister bekommt die schlechtesten Spieler. Bedeutet: Wenn ein Verein immer wieder unter den Bestplatzierten am Ende der Saison steht, ist das KÖNNEN! Übermacht eines Clubs und Langeweile wird verhindert!

  • Andere Prominente haben ihren Wohnsitz längst in ein Steuerparadies verlegt, genießen ihre Millionen in Seelenruhe und mit gutem Gewissen ohne jemals dafür belangt zu werden. Wenn mit dem Berliner Flughafen und dem Nürburgring Unsummen veruntreut werden, muss sich kein Politiker dafür verantworten und wenn ausnahmsweise doch, genießt er einen vergoldeten Ruhestand.

  • Bzgl. Fazit:
    Ad 1) Die Ankäufe der durch Datendiebstahl gewonnen Informationen und die Verwendung in einem Strafprozess halte ich für bedenklich: Der Staat als Hehler...
    Ad 2) Richtig, eine Vereinfachung ist dringend geboten. Zusätzlich sollten Ausnahmen konsequent beseitigt werden (Verbreiterung der Steuerbasis) und die Steuersätze runter (Tarifabsenkung). Wer Subventionen einführen will, sollte diese zeitlich befristen und für eine Verlängerung eine 2/3-Mehrheit im Bundestag benötigen.
    Ad 3) Veto: Der Staat benötigt Steuern zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben. Wer Rechtsnormen verletzt wird sanktioniert. Unbestreitbar aber gibt es ein Ausgaben- und kein Einnahmeproblem. Der Vergleich mit der zentral gelenkten Planwirtschaft im Sozialismus aber ist völlig deplatziert. Gut gefällt mir allerdings Ihre Unterscheidung zwischen Recht und Moral. So etwas ist leider selten geworden.

  • Nun ja: Zu prüfende Punkte
    Ad 1) Er hat seine damaligen Gewinne nicht in seiner Steuererklärung angegeben, daher kommt eine Verrechnung mit späteren Verlusten nicht in Betracht.
    Ad 2) Als Eigner seiner Firma haftet der Gesellschafter für die Steuerschulden seines Betriebes. Die telefonische Erteilung der Order-Aufträge durch ihn deutet auf seine individuelle Verantwortung hin.
    Ad 3) Wer handelt, der schuldet die Steuer auf seine Gewinne. Bei seiner Steuererklärung dann nicht mehr wissen zu wollen, durchschnittlich zwei Geschäfte täglich mit bis zu 71 Mio Jahresplus abgewickelt zu haben, ist unglaubwürdig.
    Ad 4) Zustimmung, und dafür gibt es ja den Prozess.

  • da muss man doch kein profet sein,wa bei einem Grossverbrecher und einem korruptionsverbrecher-richter fuer ein urteil rauskommt.gleich und gleich gesellt sich gerne!!!! -schon vergessen?-

  • 1.) Hoeneß hat Geld von Geschäftspartnern (Sponsoren und heute Beteiligungen inkl. Aufsichtsratsmitglieder) zur privaten Verwendung entgegengenommen (Dryfuss/Adidas 20 Mio. und sicherlich auch einiges als "Provisionen" von den anderen Großsponsoren). Dieses Geld hat er im Ausland versteckt, damit spekuliert (Insider-Geschäfte) und letztlich Steuern in zweistelligem Mio-Umfang hinterzogen.

    2.) Hoeneß hat 9.000 Börsentransaktionen in den letzten Jahren durchgeführt. Jede Transaktion erfordert Zeit für Marktbeobachtung, Überlegungen bzgl. Strategien und Festlegung des Kauf-Verkauf-Zeitpunkts usw. Das alles hat er im Rahmen seiner Tätigkeit als Präsident des FC Bayern getan. Er hat ganz sicher einen erheblichen Anteil seiner "Arbeitszeit" dazu verwendet, um sich persönlich zu bereichern (und Straftaten auszuführen!). Es ist schon ein Hohn, dass die "Kumpels" im Aufsichtsrat immer noch an ihm festhalten. Und ebenso sollten sich die "Hoeneß-Jünger" mal fragen, wen sie da eigentlich unterstützen...

    3.) Hoeneß hat selbst zugegeben, dass er immer wieder mit und gegen die Aktien des Mitkonkurrenten Borussia Dortmund "gewettet" hat. Es ist ganz sicher davon auszugehen, dass er auch eigen oder allgemeine Entscheidungen des Vereins dazu nutzte, um sich mit "Insider-Wissen" dann per Spekulationen auf fallenden Kurse persönlich zu bereichern. Auffällig in diesem Zusammenhang die Art und Weise und der Zeitpunkt der Bekanntgabe des Wechsels von Mario Götze wenige Stunden vor dem Madrid-Spiel in Dortmund, was viel Unruhe auslöste und sicherlich auch unter dem Gesichtspunkt geschah, um die Dortmunder möglichst umfänglich zu schädigen. Gleiches gilt für den Transfer von Robert Lewandowski, bei dem im Vorfeld in Dortmund gezielt Unruhe verbreitet wurde. Hoeneß ist arglistig und hintertrieben und moralisch verkommen genug, um solche Dinge nicht für "Zockereien" auszunutzen, davon kann man sicher ausgehen.

    Es fehlt Platz und Zeit. Fazit: Hoeneß ist ein Lump und schadet dem Sport!!!

  • Wenn Hoeness bestraft wird, dann müssen verschiedene unserer Politiker mindestens auch so bestraft werden. Das ist nich mehr als logisch. Der Steuerzahler wird auch durch das Verplempern (Griechenlandhilfen ohne die Bürger zu befragen usw.) von Steuergelder betrogen, wie Hoeness eben den Fiskus betrogen hat. Der Staat, das sind wir. Wir haben das Recht zu bestimmen, wo das Geld herkommt und wo es hin soll und nicht die Politiker. Volksbefragungen bitte!

  • Wenn jemand 1 Mio. aus der Bank klaut, wandert der 10 Jahre in den Knast. Wenn jemand 1 Mio. vom Staat klaut und sich dann selbst anzeigt, geht er straffrei aus und zahlt weniger nach als wenn er gleich gezahlt hätte. Solche Gesetze gibt es, weil die Reichen eine Lobby haben, die das durchsetzen können. Otto Normalverbraucher wird niemals von diesen Gesetzen profitieren.
    Schafft die Subventionen für reiche Bürger ab und fordert das Grundgesetz an, wo alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, dann wird klar, dass U.H. wie auch viele andere Steuerhinterzieher, die sich selbst angezeigt haben, in den Knast müssen.

    Unverständlich, dass man bei Menschen, die so klug sind, dass sie wissen, was sie tun, so nachsichtig ist.......

  • Fazit:

    1. Für mich ist der Hauptverbrecher eigentlich unser Finanzminister Schäuble. Geldkoffer annehmen, Ehrenwörter vom Steuerhinterzieher Kohl decken, Hehlerware = Steuer-CDs kaufen. Wenn das unser oberster Fiskus ist, dann frage ich mich, wer hier eigentlich auf welcher Seite des Rechts steht.

    2. Das Steuerrecht gehört reformiert. Derzeit ist es auch für Steuerrechtler nicht beherrschbar. Mit jeder Steuererklärung steht man mit einem Bein im Gefängnis. Das Bundesverfassungsgericht muss in Serie Steuergesetze aufheben, weil unsere Regierung und unser Parlament ständig die Grenze der Verfassung überschreiten und noch mehr Steuern erheben, Lobby-Ausnahemn schaffen und Grauzonen belassen. In so einem Chaos kann man niemanden für eine falsche Steuererklärung bestrafen.

    3. Warum ist Steuerhinterziehung eigentlich strafbar? Wenn jemand seine Miete nicht zahlt, ein Anwaltshonorar nicht zahlt oder sonstwie Forderungen nicht begleicht, kann man ihn auf dem Zivilrechtsweg verklagen. Der Staat aber, der viel mehr Informationen hat und bekommt, der direkt vollstrecken kann und sowieso die Regeln macht - der "gönnt" sich auch noch die Pönalisierung der Steuersünder mit härtesten Strafen. Ich meine: auch das ist nicht gerechtfertigt. Wir haben uns daran gewöhnt - aber man sollte das überdenken. Die Enteignungen im Unrechtssystem DDR fanden auch nicht direkt, sondern über Inventurpflichten, Zwangsabgaben und Besteuerung statt, sogn. schwarze Enteignung. So weit sind wir davon nicht mehr entfernt. Man muss es nur sachlich mit etwas Abstand betrachten und vergleichen.

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