Wann wurde was bekannt? Die Salami-Taktik des Wurstfabrikanten

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„Ich habe verdammt viel Steuern gezahlt“

Hoeneß vor der Steueraffäre: „Ich brauche keine Berater“

Hoeneß über sein Geld: "Ich brauche keine Berater"

Im November 2013 wird die Klage gegen Uli Hoeneß zugelassen – zu dessen Verwunderung: Er sei überrascht, dass die Behörden seine Selbstanzeige nicht akzeptierten. Schließlich, so verlauten seine Anwälte auch Monate später am dritten Prozesstag, soll die Selbstanzeige den gesamten hinterzogenen Betrag von 27,2 Millionen Euro abgedeckt haben. Es habe lediglich eine Beurteilung von Hoeneß‘ Steuerberater gefehlt, ob zwischen 2006 und 2009 Gewinne angefallen seien. Die Staatsanwaltschaft bestreitet das.

Sollte sich allerdings bewahrheiten, dass der Ex-Fußballer bereits im Januar 2013 die tatsächliche Gesamtsteuerlast gekannt und in seiner Selbstanzeige angegeben hat, dürfte die Strategie seiner Verteidigung einige Fragen aufwerfen.

Schließlich erklärt Hoeneß am ersten Prozesstag, „reinen Tisch“ machen zu wollen und bekennt sich dazu, 18,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen zu haben – das beinahe Sechsfache des zu Beginn der Steuer-Affäre kursierenden Betrags. Nur einen Tag später legt aber die zuständige Steuerfahnderin eine weitere, besonders großzügig geschnittene Salamischeibe auf den reinen Tisch. Und die nun genannte Gesamt-Steuerlast von 27,2 Millionen Euro scheint Hoeneß und seine Verteidiger nicht zu erschrecken.

Einen Teil der Steuerlast hat Hoeneß mittlerweile nachträglich gezahlt – aber wohl bisher nur rund 10 Millionen Euro. Dazu kommen die fünf Millionen Euro Kaution, für die der Haftbefehl gegen den Manager außer Kraft gesetzt wurde. Die Summenjonglage in schwindelerregenden Höhen, kombiniert mit einer scheibchenweise Vergrößerung der Steuerlast und diversen öffentlichen Aussagen des Bayern-Präsidenten, dürfte noch einige bizarre Wendungen bereithalten.

Hoeneß, der gierige Banker schalt und von der Uefa Financial Fairplay forderte, sagte vor drei Jahren in einem Interview mit dem Handelsblatt, dass er wahrlich kein Zocker sei. Dabei tat er genau das: Zocken – auf Devisenkurse und mit astronomischen Summen, die für ihn „Spielgeld“ waren.

Die Tränen, die der Präsident bei der Bayern-Hauptversammlung vergoss und die seelischen Qualen, die er in einem Zeit-Interview beschrieb, rühren von einem Unrechtsverständnis, das angesichts der hinterzogenen Steuersumme bemerkenswert ist: „Ich habe verdammt viel Steuern gezahlt. 50 Millionen Euro Steuern mindestens“, sagte er der Zeit.

Stets werden sein soziales Engagement und die zahlreichen Begebenheiten betont, in denen er klammen Vereinen mit Geldspritzen und Benefiz-Aktionen aus der Klemme half. Doch im Verlauf der Affäre stellt sich immer wieder die gleiche Frage: Wenn die Reue des Angeklagten wirklich ehrlich ist, wenn er es mit der lückenlosen Aufklärung wirklich ernst meint – wieso machte er nicht von Anfang an „reinen Tisch“? Und was für eine Bedeutung hat diese Formulierung überhaupt für Uli Hoeneß, wenn nach seinem „umfassenden Geständnis“ nur einen Tag später weitere neun Millionen Euro auf die Steuerlast aufgestockt werden?

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3 Kommentare zu "Wann wurde was bekannt?: Die Salami-Taktik des Wurstfabrikanten"

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  • Vermutlich 1 Jahr und 11 Monate...
    .
    Also Bewährung
    .
    Oder ist der Richter Heindl doch ein "harter Hund"?
    .
    Der Wildmoser Junior musste für deutlich "weniger einfahren"... das war doch Gerechtigkeit - oder?
    .

  • Hat er eigentlich als Manager das Vermögen des FC Bayer korrekt versteuert?

  • Schon mit seiner offenherzigen Behauptung vor Gericht und vor der deutschen Presse endlich reinen Tisch machen zu wollen hatte er sich selbst als Würstchen geouted.
    Und dafür gibts ein Gerichtsurteil, gleich wie das aussehen mag.

    Halt eben derb der deutsche Fußball: derb bis zur Idiotie.

    Mein Problem?
    Warum?

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