Weihnachten mit Hartz IV Ohne Bescherung

2,5 Millionen Kinder in Deutschland leben in Armut. Weihnachten ist für ihre Familien eine schwere Zeit, Geschenke können sie sich kaum leisten. Ein Professor fordert Hilfe aus der Politik: mit einer Kindergrundsicherung
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Weihnachten ist für viele arme Familien in Deutschland eine schwere Zeit. Vor allem, weil sie sich keine Geschenke für ihre Kinder leisten können. Quelle: dpa

Weihnachten ist für viele arme Familien in Deutschland eine schwere Zeit. Vor allem, weil sie sich keine Geschenke für ihre Kinder leisten können.

(Foto: dpa)

KoblenzMit ihrer Tochter in der Vorweihnachtszeit durch die Innenstadt zu gehen, fällt Soheila Alikhani schwer. Das Lieblingsziel der Siebenjährigen ist ein Spielzeuggeschäft, aber ihrer Mutter fehlt das Geld an allen Ecken und Enden. „Ich möchte gerne Weihnachten feiern wegen meiner Tochter“, sagt die arbeitslose Iranerin, die vor acht Jahren nach Deutschland gekommen ist. Die Wünsche sprudeln aus dem Mädchen nur so heraus: Eine Puppe, ein Nintendo-Spiel, eine Shrek-Figur, zwei CDs.

Den Puppenwunsch hat ihre Mutter an die Caritas, von der sie betreut wird, weitergegeben. Es war einer von mehr als 500 Wünschen von Bedürftigen, die am Weihnachtswunschbaum im Koblenzer Kundenzentrum der Energieversorgung Mittelrhein hingen. Damit Menschen mit mehr Geld sie erfüllen konnten. Seit elf Jahren organisiert die Caritas laut Sprecher Marco Wagner die Aktion, „um bedürftigen Menschen zu Weihnachten eine besondere Freude zu bereiten.“

Auch in anderen Städten stehen solche Bäume. „Jeder 'gepflückte' Wunschstern ist auch ein Zeichen der Mitmenschlichkeit“, meint Caritasdirektorin Martina Best-Liesenfeld. Auch Christian Zainhofer, Vorsitzender des Kinderschutzbundes Rheinland-Pfalz ruft dazu auf, solche Wünsche zu erfüllen – und sich auch im direkten Umfeld umzuschauen, ob man eine Familie zu Weihnachten unterstützen kann. „Wenn man sieht, dass die nichts haben, kann man so Solidarität in unserer Gesellschaft zeigen.“

Professor Ronald Lutz von der Fachhochschule Erfurt, der zu „Menschen in besonderen Lebenslagen“ forscht, hält Weihnachtswunschbäume indes für „symbolische Politik“. Das helfe zwar den wenigen Menschen, die zufällig davon profitierten. Eigentlich sei es aber nur gut für die, die damit ihr schlechtes Gewissen beruhigten.

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10 Kommentare zu "Weihnachten mit Hartz IV: Ohne Bescherung"

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  • Wäre schön, wenn sich der BDI-Präsident und Gas-Gerd auch mal hierzu äußern, anstatt Pegida als Hirngespinnst abzutun.
    Flüchtende Menschen sollten nämlich nicht nur aufgenommen, sondern auch versorgt werden. Und das es daran hapert, merken eben nur die Menschen, die in der Umgebung wohnen, dort wo die Asylsuchenden geparkt werden, damit sie unsere Weltpolitiker nicht beim Regieren stören. Gas-Gerd, Grillo, Merkel, und wie sie alle heißen, bekommen davon in ihren gepanzerten Limousinen und hinter ihren hohen Zäunen nichts mit.

  • Wenn ich das hier und in anderen Medien so lese, weiß ich auch, warum ich in diesem Jahr nur für Tiere spende. Wohlüberlegte Geschenke gibt es nur für die beiden Patenkinder mit Familien tausende Kilometer von hier, die ich besucht habe und genau weiß, dass sie mit ihren fleißigen Eltern nur den Anspruch stellen, ihre schlecht bezahlte Arbeit nicht zu verlieren und weiter zur Schule gehen zu dürfen. Sie sind wirklich arm, aber viel zu stolz, sich selbst arm zu nennen. Ich will niemanden zu nah treten, aber wer hier klagt, nicht genug schenken zu können, sollte sich vielleicht fragen, ob man mit Kindern wirklich Weihnachten oder das Coca Cola Weihnachten feiern möchte. Weihnachten hat mit vielen Geschenken und unerfüllbaren Wünschen wenig zu tun. Wir haben mit unseren Kindern in den 70er, 80er Jahren in der Weihnachtszeit viel gebastelt, gesungen und gespielt. Heiligabend gab es für jeden ein Buch und Musiknoten, nicht weil es nicht machbar gewesen wäre, mehr zu schenken, sondern aus tiefster Überzeugung. Niemand war traurig darüber. Fröhliche Weihnachten!

  • Es reicht vor allem mit ihren dämlichen Kommentaren!

  • Es wird immer Armut geben, und es wird immer Kinderarmut geben. Waere jedoch die Spendenbereitschaft hierzuland genauso gross wie z.B. in den USA oder Kanada, dann waere das Problem hier viel weniger graviered. Doch im Vergleich zu den spendenfreudigen Landern sind wir im Schnitt viel egoistischer und asozialer zu unseren Mitmenschen. Und wir schreien immer gleich nach dem Staat, der freudig nickt und uns dann unser Geld aus den Taschen zieht. Es ist halt hier einfach in Deutschland so.

    Erst wenn sich die Denke aendern wuerde, wuerden wir mehr eigenverantwortlich handeln - sprich z.B. armen Kindern in der Nachbarschaft was schenken - und den Staat Raffzahn draussen lassen. Mein Wunsch fuer Weihnachten! :)

  • Wer soll das finanzieren? Es reicht jetzt mit dämlichen Vorschlägen!!

  • "Wahrlich ich sage euch,eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr,als dass ein Reicher in den Himmel kommt!"
    Zitat eines wütenden Mannes

  • Ich bin in einer Familie aufgewachsen die in meinen frühen Jahren auch nicht mit viel Geld gesegnet war. Aber meine Erinnerung an das schönste Weihnachten fällt genau in diese Zeit. Meine Mutter hatte mir einen neuen Pullover gestrickt und für meine Puppe noch einmal genau den gleichen. Ich bekomm heute noch feuchte Augen wenn ich daran denke - es war für mich einfach das Schönste, ich konnte mit meiner Puppe im gleichen Look herum laufen.

    Kinder denken nicht in Euros - Kinder fühlen nicht in Euros - Kinder messen die Wichtigkeit des Lebens, der Dinge nicht in Euros.

    und - Liebe - kann man nicht kaufen und auch nicht mit vielen Euros bezeugen - sondern nur dadurch, dass man sich in den Anderen hereinfühlt.

    und wenn sich das Kind ein Nintendo-Spiel wünscht, dann hat es ein Nintendo
    Damit hat es mit 7 Jahren mehr als Millionen anderer Kinder!

  • Als Nachkriegskind bekam ich von meiner Mutter einen Mantel aus einer Wolldecke genäht. Stolz lief ich von Tür zu Tür, um dieses "tolle" Geschenk herumzuzeigen. Als mich eine Nachbarin fragte, was denn meine Freundin dazu sagen wird, sagte ich spontan: "Die fällt in Ohnmacht"
    ....
    Wir waren damals zufrieden mit dem wenigen, was wir hatten. Ähnliche Zufriedenheit findet man auch immer noch in anderen sehr armen Ländern,z.B. in Asien. Die Menschen sind dort offenbar trotz der Entbehrungen viel glücklicher als wir hier im reichen Deutschland.
    .....
    Neben der Bescheidenheit haben die Kinder hier übrigens auch oftmals an Respekt, nicht nur vor den ihnen gewährten Kleinigkeiten, sondern auch vor dem Alter verloren.
    ....
    Was die sog. "Armut" angeht, erwarten die Kinder hier mindestens ein iPhone; ansonsten sind Weihnachten "Terror" und Tränen angesagt.
    ....
    Sehr traurig, was hier abgeht!

  • Die Sozialindustrie drückt wieder auf die Tränendrüsen.

    Wir hatten als Kinder damals materiell nur sehr wenig, aber wir empfanden keinen Mangel.

    Was heute für Vorstellungen herrschen, da kann ich nur den Kopf schütteln.

  • Der zweite Artikel zu dem Thema in wenigen Tagen. Schade, dass das nur so kurz vor Weihnachten für diese neoliberale Zeitung von Interesse ist.

    Wieviel Prozent der Bankenboni oder Hilfen für europäische Pleitebanken bräuchte es, um dieses Problem zu beheben?

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