„Wie ein Waschzwang“ Warum in England keiner über „Dinner for One“ lacht

Der Butler ist beschwipst und stolpert - jedes Jahr, immer wieder. Seit Jahrzehnten lachen die Deutschen an Silvester über den englischsprachigen Sketch „Dinner for one“. Was das mit Freud und Hitler zu tun hat.
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Freddie Frinton als Diener James und May Warden als alleinspeisende alte Dame Miss Sophie im beliebten TV-Sketch „Dinner for One“. Quelle: dpa

Freddie Frinton als Diener James und May Warden als alleinspeisende alte Dame Miss Sophie im beliebten TV-Sketch „Dinner for One“.

(Foto: dpa)

BerlinEinfach nur ein mittelmäßig-witziger Sketch? Wer das über den alljährlichen Silvester-Klamauk „Dinner for one“ denkt, mag richtig liegen - und zugleich grundfalsch. Denn „Dinner for one“ verrät mehr über die Deutschen als ihnen beim Lachen darüber bewusst ist - wenn sie überhaupt noch darüber lachen. Nach Ansicht des Bremer Lachforschers Professor Rainer Stollmann sterben dem Sketch nämlich die Zuschauer weg. Im Interview erklärt der Kulturwissenschaftler, wieso das so ist und außerdem, was der britische Sketch mit Hitler zu tun hat und wieso in England keiner über das 20-Minuten-Stück lacht.

Warum lachen wir Deutsche jedes Jahr über dasselbe?

Stollmann: „Lachen über „Dinner for one“ ist wie Waschzwang. Es ist ein Symptom für eine Art Krankheit, denn wir lachen über was anderes, als wir denken. Um das zu verstehen, muss man Freud und die Psychoanalyse bemühen: Das Unbewusste weiß nichts vom Bewusstsein, also was ich nachts träume, kann ich wach auf keinen Fall denken. Es gibt nur gewisse Löcher hin zum Bewusstsein, das sind der Traum - und der Witz. Und bei „Dinner for one“ geht es um die Grenze von Gegenwart und Vergangenheit

Die Deutschen lachen bei dem Sketch unbewusst über ihre eigene Vergangenheit - nämlich das Dritte Reich.“ Was hat denn das Dritte Reich mit „Dinner for one“ zu tun?

„Es hat damit zu tun, weil man nicht erklären kann, wieso „Dinner for one“ die Deutschen seit mehr als 30 Jahren zum Lachen bringt. Der Sketch ist mittelmäßig und außerdem auf englisch, und eigentlich übersetzen die Deutschen immer alles. Warum also lachen sie darüber? Wieso wurden nicht Loriots „Hoppenstedts“ zum Silvester-Klassiker? Oder Heinz Erhardt? Es muss also etwas mit dem Innersten unserer bundesrepublikanischen Seele zu tun haben. Das Alleinstellungsmerkmal von „Dinner for one“ ist, dass es die prekäre Grenze von Tod und Leben, von Vergangenheit und Gegenwart zeigt. Das macht der Sketch unter einer englischen, privaten Fassade - die natürlich nichts mit dem Dritten Reich zu tun hat. Aber weil man als Deutscher nicht über die Nazi-Zeit lachen kann, wird diese Fassade benutzt, um darüber unbewusst lachen zu können. Denn als der Sketch herauskam und populär wurde in den sechziger Jahren, wurde die deutsche Vergangenheit noch völlig verdrängt.“

Aber gerade für manche junge Leute spielt das Dritte Reich doch gar keine zentrale Rolle mehr im historischen Bewusstsein.

„Ich würde deshalb auch sagen, dass die Zuschauer von „Dinner for one“ aussterben. Das könnte bald der Fall sein, denn der Höhepunkt des Sketches ist schon überschritten. Ich glaube der Sketch verschwindet bald, denn die Generation, die darüber lachen konnte, gibt es bald nicht mehr, und die Jungen brauchen „Dinner for one“ nicht mehr.“

Und was ist mit den Briten - immerhin ist der Sketch ja aus England?

„“Dinner for one“ hat in England noch nie eine Rolle gespielt. Die Engländer sehen es, wie es ist - nämlich als mittelmäßigen Sketch. Wir nehmen den Sketch als britischen Humor wahr, die Engländer aber sehen ihn ganz anders. Denn in dem Sketch sind zum Beispiel aktuelle Anspielungen versteckt. Aber wer will denn einen Scheibenwischer von 1978 jedes Silvester wiedersehen?“

  • dpa
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11 Kommentare zu "„Wie ein Waschzwang“: Warum in England keiner über „Dinner for One“ lacht"

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  • Naja, wenn schon einer nichts Sinnvolleres im Leben geworden ist als Lachforscher(und das auch noch an Deutschlands Top-Uni in Bremen!), dann darf man ja auch keinen anspruchsvollen Beitrag erwarten. Dies ist bestenfalls von der Meinungsfreiheit gedeckt, wonach es jedem freisteht, auch derartigen Unsinn abzusondern. Warum lachen in Deutschland geborene Migrantenkinder über den Sketch (mittelmäßig oder nicht)? Haben die etwa auch was mit dem Dritten Reich zu tun? Oder ich, meine Großväter haben im Krieg noch auf verschiedenen Seiten gekämpft? Oder auch mein 18jähriger Sohn: hat mit seinem Kumpels vor der Silvester-Party (natürlich) Dinner for one geschaut …. Ich bin sicher, sie haben alle das Dritte Reich verdrängt.

    Vielleicht sollte der Lachforscher auch mal professionalen Rat suchen ….

  • Da wollte sich wohl jemand mit einem völlig sinnfreien Artikel wichtig machen. Ziemlich misslungen!

  • Ich habe selten eine solchen Unsinn gelesen!

  • Ziemlich gewagte Thesen die der Herr da auftischt. Leider konnte ich in dem Artikel keinen Hinweis darauf finden was nun so typisch Nazimäßiges an dem Sketch sein soll.

  • Sorry, wer ist England

    Tony, it is Time to go home
    Nobody needs you

  • Das ist der sinnloseste und an den Haaren herbeigezogenste Artikel, den ich je gelesen habe.
    Hauptsache überall NS-Vergangenheit hineinintpretieren, dann wirkt man ein bisschen en vogue und kann absolute Inhaltslosigkeit und journalistischen Flachgang übertünchen.

  • max50

    Schon wieder ein Bremer "Wissenschaftler" der zum "Weltruhm" der Bremer Uni beiträgt!

  • Ein Schreiberling verzichtbarer Güte. Kein Wort über die Gestik, die einfach nur lustig ist und Freude macht und über die fast jeder auch mehrfach lachen kann. Wird der Schreiber auch aus dem Staatstopf bezahlt und hat nichts Wichtigeres zu tun?

  • Der Artikel ist total daneben. Der Sketch ist einfach eine wundervolle Mischung aus - für einen Sketch - teilweise nicht ganz einfachen Stimmungen: Melancholie, Einsamkeit, Kauzigkeit, Freundschaft, Alkohol

  • Entschuldigung, aber was für ein Blödsinn! Diese These ist dermaßen weit an den Haaren hergeholt das sie an die Chaostheorie grenzt.Zu behaupten wer bei "Dinner for one" die deutsche Nazizeit verarbeite, könne auch behaupten Franzosen essen Baguette um die Niederlage Napoleons bei Waterloo zu verkraften. Nebenbei erwähnt kenne ich genug Menschen in meinem Umfeld die gerne Dinner for one schauen, diese Personen sind um die 30 Jahre alt...

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