Wilde Tiere in Städten Wenn Wildschweine in der Sparkasse auftauchen

Wütende Wildschweine, knospenfressende Rehe und Marderschäden an Autos: Wilde Tiere in der Stadt lösen Verärgerung aus. Manchen Menschen machen sie gar Angst. Andere sehen sie als Bereicherung.
Kommentieren
Ein weibliches Wildschwein sucht in einem Mülleimer im Stadtbezirk Tegel in Berlin nach Futter. Quelle: dpa
Wildtiere in der Stadt

Ein weibliches Wildschwein sucht in einem Mülleimer im Stadtbezirk Tegel in Berlin nach Futter.

(Foto: dpa)

Berlin/StuttgartSchock in der Sparkasse: Ein wütender Keiler kommt krachend durch die Tür und dreht Runden im Kassenraum. Der Filialleiter wird am Bein verletzt. Verängstigte Kunden werden über Drehleitern in Sicherheit gebracht. Das dramatische Geschehen in der holsteinischen Kreisstadt Heide macht weithin Schlagzeilen. Nur wenige Wochen später toben am ersten Arbeitstag des Jahres 2018 zwei Keiler durch einen Supermarkt bei Karlsruhe – ehe sie mit ihrer Rotte im Wald verschwinden. „Was war das denn?“, fragen sich dort verblüffte Kunden, die mit dem Schrecken davongekommen sind.

Immer wieder sorgen Auftritte anscheinend furchtloser Wildtiere in Domänen der Menschen für Aufregung. Füchse auf Spielplätzen in Berlin beäugen Kinder statt davonzulaufen. Waschbären an Müllsäcken in Kassel sind selbst mit dem Besenstiel kaum zu vertreiben. Rehe in Stuttgarter Vororten beißen seelenruhig Rosenknospen ab.

„Wildtiere besetzen Metropolen“, titelten kürzlich mehrere Zeitungen der Funke-Mediengruppe – und verglichen das Auftauchen von Löwen in Kenias Hauptstadt Nairobi und eine Schlangenplage im thailändischen Bangkok mit dem Schwarzkittel-Wüten in der Sparkasse von Heide. Dort griff im Oktober 2017 ein Jäger zum Gewehr. „Schon der erste Schuss hat gesessen“, freute sich Bürgermeister Ulf Stecher (CDU). Erlaubt war das nur, weil Menschenleben unmittelbar in Gefahr waren.

Das grundsätzliche Jagdverbot in unseren Städten sei – neben der Verdrängung durch Folgen der industriellen Landwirtschaft – ein Grund dafür, dass die Zahl wilder Tiere in Siedlungsgebieten wächst, sagt Baden-Württembergs Landesforstmeister Max Reger. Wildschweine, Füchse oder Waschbären fänden dort nicht nur ein großes Nahrungsangebot. „Sie merken auch, dass da kein Feuer von Jägern zu befürchten ist.“

Die forcierte Bejagung von Schwarzwild, mit der ein Übergreifen der Afrikanischen Schweinepest auf Deutschland verhindert werden soll, dürfte kaum Einfluss haben auf die Lage in den Städten, meinen Experten. Dort sei der Abschuss keine Option. „Geschosse, wie Jäger sie verwenden, reißen schwere Löcher, weil sie möglichst rasch töten sollen“, sagt Reger. „In Städten wäre die Gefahr für Menschen viel zu groß, kein Jäger will das.“

Doch was tun, wenn – wie Wissenschaftler prognostizieren – immer mehr wilde Tiere die Städte bevölkern? Wenn das Unbehagen darüber wächst – angeheizt möglicherweise auch durch Horror-Szenarien wie in der populären US-Serie „Zoo“, in der Tiere sich gegen die Menschheit verschwören.

Ängste müssten immer ernst genommen werden, sagt Derk Ehlert. Er ist Wildtierexperte in der Senatsverwaltung von Berlin. „Selbst wenn Anrufer nachts auf dem Ku'damm partout einen Wolf gesehen haben, der in Wirklichkeit ein Collie ist.“ Geduldige Aufklärung sei wichtig, damit ein Nebeneinander von Stadtmenschen und Wildtieren gelingt.

„Nicht tollwütig, sondern liebestoll“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Wilde Tiere in Städten - Wenn Wildschweine in der Sparkasse auftauchen

0 Kommentare zu "Wilde Tiere in Städten: Wenn Wildschweine in der Sparkasse auftauchen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%