Wintereinbruch Kalt, kälter, minus 30 Grad – Europa friert

Der Winter zeigt seine eisigen Seiten – nicht nur in Deutschland. Im Süden Europas legen Sturm und Schnee den Verkehr lahm. Selbst die kälteerprobten Moskauer bekommen Behörden-Ratschläge zum Umgang mit den Temperaturen.
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Minusgrade verwandeln Bayern in eine Winterlandschaft

BerlinEine Kältewelle lässt weite Teile Europas bibbern. In Deutschland sanken die Temperaturen in der Nacht zu Freitag vor allem im Süden auf die bisher tiefsten Werte des Winters. Zwischen Fränkischer Schweiz und Oberpfalz seien vielfach Minusrekorde gemessen worden, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. In Schorndorf-Knöbling in Bayern gingen die Temperaturen zwei Meter über dem Boden auf bis zu minus 22,6 Grad runter, auf der Zugspitze waren es minus 26,6 Grad. Auch in vielen anderen Ländern fielen die Temperaturen drastisch:

Woran merkt man, dass es wirklich kalt ist? Wenn selbst die Moskauer Behörden von „ungewöhnlich kaltem Wetter“ sprechen. Die Temperaturen lägen bei bis zu minus 30 Grad und damit im Mittel bis zu zwölf Grad niedriger als üblich, teilte die Stadt mit. Auch einen Rat für die Bevölkerung gab es: nicht länger als notwendig draußen aufhalten, „lange Aufenthalte auf der Straße dringlichst vermeiden“. Am Samstag, wenn die Russen das orthodoxe Weihnachtsfest feiern, sollten die Temperaturen noch einmal fallen: auf knapp minus 40 Grad, noch dazu bei eisigem Wind.

Aus Ungarn wurde eine erste Bilanz der Kältetoten gemeldet: Demnach erfroren in diesem Winter bereits mindestens 80 Menschen in dem Land - doppelt so viele wie im Jahr zuvor, die aktuelle Kältewelle noch nicht eingerechnet. Betroffen waren den Daten des Ungarischen Sozialforums zufolge viele Obdachlose. Rund 30 Menschen seien in ihren Häusern und Wohnungen erfroren, weil sie sich wegen ihrer Armut keine Heizung mehr leisten konnten.

Geschlossene Autobahnen, Stromausfälle und verlängerte Winterferien: In Bulgarien legten Sturm und Schneefall vielerorts das öffentliche Leben lahm. Am schwersten betroffen war der Nordosten des Balkanlandes. Im Raum Blagoewgrad im Südwesten des Balkanlandes erfror ein Mann im Freien, berichtete das Staatsradio. Teile der beiden West-Ost-Autobahnen seien geschlossen, sagte Regionalministerin Liljana Pawlowa. Die Regierung appellierte an die Menschen, auf Autofahrten zu verzichten. Die Winterferien an den Schulen wurden verlängert. Der Seehafen und der Flughafen der Schwarzmeerstadt Warna wurden wegen Sturm und schlechter Sicht geschlossen. In Hunderten Orten im Nordosten mussten die Menschen ohne Strom auskommen, weil viele Leitungen beschädigt wurden. Vielerorts gab es auch kein Leitungswasser - ohne Strom waren die Pumpen funktionsunfähig.

Zerstörte Häuser, überflutete Straßen
Nach der Sturmflut an der Ostseeküste
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Straßen überschwemmt, Autos unter Wasser, Dämme überspült: Die stärkste Ostsee-Sturmflut seit mehr als zehn Jahren hat an der deutschen Küste deutliche Spuren hinterlassen. Nach einem Höhepunkt in der Nacht zum Donnerstag sanken die Pegelstände entlang der Ostsee aber überall wieder. Menschen wurden nach Angaben der Polizei durch die Wassermassen nicht verletzt. Während im Norden die Wellen peitschten, herrschten anderenorts Schnee- und Eisglätte.

Städte unter Wasser
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In Lübeck und Flensburg wurden zahlreiche Autos aus den Fluten gezogen. Mehrere Keller in Lübeck und Neustadt in Holstein liefen voll. In Kiel mussten mehrere Straßen für den Verkehr gesperrt werden. Zugänge zur Lübecker Altstadt waren für Fußgänger nicht mehr passierbar.

Städte unter Wasser
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Wider Erwarten sei das Hochwasser in der Nacht nicht so schnell abgelaufen wie erwartet, teilte die Feuerwehr mit. Besonders betroffen war nach Angaben der Polizei die Lübecker Altstadt. Glück...

Holstentor in Lübeck
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...hatte das Wahrzeichen der Stadt, das Holstentor (Archivbild). Es blieb gerade noch einmal verschont von dem Wassereinbruch.

Strände und Ufer abgetragen
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Auf Rügen und Usedom verursachte die Sturmflut größere Schäden. Am Strand von Binz und Prora brach die Düne streckenweise in einer Tiefe von drei bis acht Metern ab. Auch zwischen Koserow und Zempin nahmen Steilufer Schaden. Auf beiden Inseln hatten die Wellen schon vor dem Höhepunkt an Stränden genagt.

Pegel extrem hoch
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An der Ostsee lagen vielerorts die Pegelstände am späten Mittwochabend zwischen 150 und 170 Zentimeter höher als üblich - in Lübeck wurden sogar 1,79 Meter und in Wismar 1,83 Meter mehr las gewöhnlich gemessen, wie auf „Pegel Online“ registriert wurde. Am frühen Donnerstagmorgen war ein Teil des Wassers wieder abgelaufen.

So schlimm wie zuletzt 2006
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„Es war die stärkste Sturmflut seit 2006“, sagte Jürgen Holfert, Leiter des Wasserstanddienstes Ostsee des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH). „Die Gefahren der Sturmflut sind aber gebannt.“

In Italien lag Schnee in sonst selten von Flocken berührten Regionen - selbst in Neapel schneite es. In den kürzlich von Erdbeben heimgesuchten Gebieten in Mittelitalien machten Schnee und klirrende Kälte den Menschen besonders zu schaffen. In weiten Teilen des Landes kam der Verkehr zum Erliegen - auch in südlichen Regionen wie Apulien, Kampanien und Sizilien. An der Adria-Küste wurde eine Bahnstrecke auf der Strecke Bologna-Ancona vorübergehend gesperrt. Der Fährverkehr zu den Mittelmeerinseln Capri und Ischia wurde wegen heftigen Windes zeitweise eingestellt.

Auch in Griechenland sorgten Sturm und Schnee für Verkehrschaos: Der Fährverkehr wurde lahmgelegt, erst am Freitagvormittag konnten zumindest die größeren Fähren aus Piräus auslaufen, wie das Staatsradio (ERT) berichtete. Zahlreiche Landstraßen in den Provinzen Epirus und Mazedonien waren am Freitag nur mit Schneeketten befahrbar. In den nördlichen Regionen herrschte Dauerfrost. Die Städte öffneten beheizte Hallen für Obdachlose, auch die wichtigsten U-Bahn-Stationen im Zentrum Athens sollten offen bleiben, wie die Behörden weiter mitteilten. Für Samstag wurde mit Schneefall sogar in den Niederungen der Insel Kreta gerechnet. Das Wetter werde wohl bis Mitte kommender Woche ungewöhnlich kalt bleiben, teilte das Wetteramt in Athen mit.

  • dpa
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