Der Wirtschaftsbeschleuniger Kann man Energie wenden?

Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien steigt auf ein Rekordhoch. Vince Ebert macht sich Gedanken, wie viel daran eigentlich „öko“ ist.
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Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.
Der Autor

Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.

Deutschland ist bekanntlich extrem umweltbewusst. Mein Nachbar z.B. heizt seine 180 Quadratmeter große Altbauwohnung seit neuestem mit Ökostrom. Also mit Strom, der ganz natürlich von einem Windrad erzeugt wird. Das schreddert zwar öfters mal einen Storch, aber davon kriegt mein Nachbar nichts mit, wenn der Strom aus der Steckdose kommt. Höchstens, wenn die Birne mal kurz flackert.

Bei genauerer Betrachtung sind erneuerbare Energien gar nicht so „öko“, wie wir uns das wünschen. Für Wasserkraftwerke werden Stauseen errichtet, die riesige Ökosysteme zerstören. Windfarmen greifen massiv in die Landschaft ein, und die Produktion von Biodiesel nimmt den Getreidebauern schlicht und einfach die Flächen weg. Wenn also mein Nachbar das nächste Mal seinen großen Geländewagen im Einklang mit der Natur volltankt, bekommt der Begriff „Essen auf Rädern“ eine vollkommen neue Bedeutung.

Selbst Solarenergie ist ökologisch und ökonomisch fragwürdig. Obwohl man sie inzwischen mit dreistelligen Milliardenbeträgen subventioniert hat, macht Photovoltaik nur knapp sechs Prozent des derzeitigen Energiemixes aus. Rein von der Ökobilanz wäre es wahrscheinlich effizienter, Langzeitarbeitslosen 100.000 Euro pro Jahr zu zahlen, damit sie ein, zwei Stündchen am Tag auf Ergometern für den deutschen Energiehaushalt strampeln.

Ob es uns gefällt oder nicht, Photovoltaik ist und bleibt die ineffizienteste Art der Energieerzeugung. Und mit den Hauptsätzen der Thermodynamik kann man nun mal nicht verhandeln. Wenn Sie ein mittleres Kohlekraftwerk durch Sonnenkollektoren ersetzen wollen, brauchen Sie dafür etwa die Fläche von ganz Düsseldorf. Zugegeben, der Kölner würde sagen: „Das ist es mir wert!“

Unser aller Wohlstand beruht darauf, dass seit Jahrhunderten ineffiziente Technologien durch effizientere ausgemerzt wurden. Nun geht man zum ersten Mal her und sagt: Ineffizientere Energien schaffen wettbewerbsfähigere Arbeitsplätze als effizientere. Das Zauberwort heißt „Erneuerbare–Energien-Gesetz“. Betreiber von regenerativen Energien werden subventioniert, indem sie für ihren unrentablen Strom mehr Geld bekommen, als seine Erzeugung gekostet hat.

Pferdemist war einmal Umweltproblem Nummer eins

Ein geniale Idee, die phantastische Möglichkeiten eröffnet. Stellen sie sich zwei Pfeiler von 60 Meter Höhe vor. An einem befindet sich ein Ventilator, der von einem Kohlekraftwerk angetrieben wird. An dem anderen befinden sich die Rotorblätter eines Windkraftrades, das Strom produziert, indem es von dem Ventilator angetrieben wird. Da der Windstrom dreimal so teuer verkauft werden kann, wie der Kohlestrom kostet, ist dieses Projekt ökonomisch sinnvoll. Es amortisiert sich innerhalb von zehn Jahren und wirft dann einen kräftigen Profit ab. Quasi ein Perpetuum Mobile der Ökonomie.

Vor allem wenn der Wind nachts ordentlich weht oder die Sonne vom Himmel knallt, nimmt das Ganze bizarre Formen an. Dann wird deutlich mehr Energie produziert, als benötigt wird. Die Preise stürzen ins Negative. An normalen Tagen wird der Strom für rund 37 Euro pro Megawattstunde gehandelt, doch alleine im letzten Jahr gab es 146 Stunden mit negativem Strompreis. Wer dann seinen Strom verkauft, muss den Abnehmern sogar noch Geld bezahlen. Gerüchten zufolge lassen Industriebetriebe ihre Maschinen auf Hochtoren laufen, ohne irgendetwas zu produzieren – einfach nur weil es lukrativ ist, Strom zu verbrauchen.

Als im Herbst letzten Jahres Sturm „Herwart“ über Deutschland tobte, rutschte der Strompreis bis auf -83 Euro/MWh. Erst als der Wind nach Stunden wieder nachließ, beruhigte sich auch der Preis. Und Strom kann man im Gegensatz zu Butter nicht vernichten. Wenn er da ist, ist er da und irgendjemand muss ihn verbrauchen. Und das tun dann liebend gerne unsere Nachbarländer. Die füllen mit dem Umsonst-Strom aus Deutschland ihre Stauseen und verkaufen uns den Strom zu hohen Preisen in Spitzenlastzeiten einfach wieder zurück.

Es gibt sicherlich viele Gründe, warum wir von fossilen Energieträgern wegkommen sollten. Und genau das werden wir in den nächsten Jahrzehnten auch tun. Allerdings ohne starre Regulierungen, finanzielle Anreize oder staatliche Zwangsprogramme. Wissen Sie, was vor 150 Jahren von den führenden Fachleuten der Welt als das größte Zukunftsproblem angesehen wurde? Der Pferdemist in den Großstädten. Halten Sie mich für verrückt, aber Pferdemist ist derzeit nicht unser größtes Problem. Möglicherweise werden unsere Urenkel ähnlich belustigt reagieren, wenn sie erfahren, dass wir uns Anfang des 21. Jahrhunderts Sorgen über unsere Erdölvorräte gemacht haben. Der Mensch ist innovativ und erfindungsreich. Die Steinzeit ist auch nicht zu Ende gegangen, weil es plötzlich keine Steine mehr gab.

Mehr Infos über den Wissenschaftskabarettisten und Bestsellerautor finden Sie unter www.vince-ebert.de.

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10 Kommentare zu "Der Wirtschaftsbeschleuniger: Kann man Energie wenden?"

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  • "Herr Carlos Santos
    14.03.2018, 08:52 Uhr
    FRAU MERKEL GEHT, HERR HORST SEEHOFER WIRD NEUER BUNDESKANZLER !!!

    Dann erst beginnt für ganz Deutschland wieder Normalität !!!!!"

    ..................................................................................

    MIT SEEHOFER ALS KANZLER.....dann beginnt die NORMALITÄT!!!!!!!!!
    ...laut unserem.......CARLOS( der Herr der Punkte und GROSSBUCHSTABEN)


    BITTE,BITTE CARLOS

    WELCHEN TEE TRINKST DU MORGENS?????????????????


    ...................................................................

    PUNKTE UND GROSSBUCHSTABEN FÜR CARLOS!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!


    ........................:::::::::::::::::::::::::::::::::::..................................





  • Sorry, beim letzten Kommentar hat mir die Tastatur einen Streich gespielt.
    Der letzte Absatz sollte folgendermaßen lauten:
    Effizienz (worunter man viel verstehen kann) ist nur einer der Faktoren, aber nicht der entscheidende. Weitere Faktoren sind Praktikabilität, Komfort und Wartbarkeit (soweit nicht unter Effizienz subsumiert) sowie Ästhetik. Große Straßenkreuzer hätten sich unter den Gesichtspunkten der reinen Effizienz nie durchgesetzt, wenn es nicht um Ästhetik gegangen wäre. Umgekehrt ist es schwierig, ein Fahrzeug mit hocheffizientem Verbrennungsmotor zu verkaufen, wenn die nächste Vertragswerkstatt hunderte von Kilometern entfernt ist.

  • Bei diesem Artikel zeigt sich, daß es nur schiefgehen kann, wenn man versucht, gesellschaftliche Fragestellungen mit den Methoden der Naturwissenschaften zu untersuchen. Solches kann nur dann funktionieren, wenn man unterstellt, daß Menschen keinen freien Willen hätten, oder wenn man die Modellbildung auf einen freien Parameter reduziert; beides ist unangemessen.
    Ob beispielsweise die Photovoltaik die ineffzienteste Art der Elektrizitätsgewinnung ist ("Energieerzeugung" verkneife ich mir, da die Energie nicht erzeugt, sondern umgewandelt wird), hängt nicht nur von der Thermodynamik ab, sondern auch von Faktoren wie der Verfügbarkeit anderer Primärenergieträger oder der Frage nach der Erweiterbarkeit - je nachdem, welche Prioritäten individuell gesetzt werden. Einen Berg in den Alpen oder Pyrenäen, auf dem drei Familien wohnen, kann man prinzipiell auch ans Stromnetz anschließen, man kann den Häusern auch Dieselaggregate gönnen und regelmäßig Treibstoff über die Schotterpisten nach oben schaffen; in die Antwort auf die Frage, ob das eine oder das andere sinnvoller ist oder ob Solarpanels und Batterien effizienter sind, geht eben nicht nur die Physik ein, sondern auch die Wirtschaftlichkeit.
    Der gleiche Denkfehler herrscht vor bei der Behauptung, ineffiziente Technologien würden durch effizientere ersetzt. Effizienz (wor) ist nur einer der Faktoren, aber nicht zwingend der entscheidende. Der zweite Faktor ist

  • Typisch ineffizienter Staatsbetrieb: die Müllabfuhr verlangt 8 Euro für die Leerung meiner Tonne. Neulich stellte ich fest, dass es viel günstiger ist meinen Müll in den Wald zu werfen, als ihn dieser völlig unwirtschaftlich arbeitenden Müllabfuhr zu geben. Die Fahrt in den Wald kostet mich (5 km * 0,30 Euro =) 1,50 Euro. Meine Methode ist 533% effektiver als das was die öffentliche Hand hier anbietet.

    Ein geniale Idee, die phantastische Möglichkeiten eröffnet. Stellen sie sich einen Trichter von 2 Meter Breite vor. In diesen können meine Nachbaren ihren 8 Euro teuren Müll einwerfen. Am anderen Ende befindet sich die Ladefläche meines Pritschwagens. Diese wird gefüllt mit dem Müll meiner Nachbaren. Da fachgerechte Müllentsorgung mehr als dreimal so teuer verkauft werden kann, wie meine Fahrt in den Wald, ist dieses Projekt ökonomisch sinnvoll. Es amortisiert sich innerhalb von zehn Wochen und wirft dann einen kräftigen Profit ab. Quasi ein Perpetuum Mobile der Ökonomie.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Nach 18 Jahren EEG und rund 15 Jahren "Energiewende" sind solche Artikel weder hilfreich, noch werden sie dem Anspruch des handelsblattes gerecht. Dem Autor sei zu empfehlen, wirklich mal die Kosten der Energiewende zu erörtern. Ich empfehle hierzu die Nettokosten, die die vermiedenen externen Kosten als Nutzenwirkung miteinbeziehen Mehr unter: https://www.energie-experten.org/erneuerbare-energien/ So könnte man auch mal sachlich argumentieren.

  • Die Frage ist nicht nur ob erneuerbare Energien Öko sind, sondern ob man die vielen Milliarden Euro nicht besser in die Forschung von echten Alternativen stecken sollte. Der jetzige Weg erweist sich immer mehr als Sackgasse, weil man die Probleme der Unzuverlässigkeit und das Ausmaß der erfordelichen Wind-und Solaranlagen unterschätzt hat.

  • Naja, weder amüsant noch inhaltlich erleuchtend.
    Sorry, Redaktion, Handelsblatt-Leser stehen gerade nicht auf Zeitverschwendung...

  • "Betreiber von regenerativen Energien werden subventioniert"

    hautpsächlich belastet sind dann Rentner und Geringverdiener. Das nennt sich soziale Gerechtigkeit. Aber irgendwer muß ja das Abschalten der tsunamiegefährdeten AKW's zahlen. Schilda, pardon Berlin, lässt grüßen.

  • Ich bin erstaunt dass man einen derart kritischen Artikel zu "Erneuerbaren Energien" in den Qualitätsmedien findet.

    Energie kann man weder "wenden", noch "erneuern" (1 HS Thermodynamik). Ich nehme an, dass man den Begriff "Erneuerbare Energien" gewählt hat um zu zeigen, dass man sich abseits der Limitationen von Naturwissenschaft, Technik und Ökonomie zu bewegen gedenkt.

    Windenergie, Solarenergie und Biomasse sind gewiss sehr ökologisch. Der Strom der Ersteren ist als Zufallsstrom in einem Netz in dem in jedem Augenblick Einspeisung und Verbrauch im Gleichgewicht sein müssen wertlos und damit umweltschädlich. Die Verbrennung von Lebensmitteln zur Stromerzeugung ist menschenfeindlich bzw. hat bereits viele Menschenleben gekostet.

    Abseits ökologischer Visionen würde sich eine Stromversorgung basierend auf umweltfreundlichen Kernkraftwerken, Braunkohle/Steinkohle und etwas Erdgas (teuer, für Lastspitzen) anbieten.

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