Der Wirtschaftsbeschleuniger So hat Kooperation unsere Welt besser gemacht

Wir sind in der Lage zu kommunizieren, im Team zu arbeiten und weltweit Waren auszutauschen. Vince Ebert macht sich Gedanken über Kooperation.
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Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.
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Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.

Es wird ja immer gesagt, der Mensch sei schlecht. Manche behaupten sogar, wir Menschen seien die grausamsten Lebewesen auf diesem Planeten, weil wir die einzigen seien, die nur zum Spaß töteten. Pah! Da kennen Sie Katzen schlecht.

Als ich vor Jahren mit meinen zwei Katzen umzog, hat es genau einen Sommer gedauert, dann gab es in meinem neuen Garten kein einziges Lebewesen unter zehn Zentimetern mehr. Und zwar nicht, weil meine Katzen hungrig waren. Nein, nein! Die haben sich erst die Bäuche mit Whiskas vollgehauen, und dann ging‘s raus zur ethnischen Säuberung.

Wir Menschen sind nicht ganz so schlecht. Im Laufe der Evolutionsgeschichte sind wir sogar immer friedfertiger, freundlicher und sympathischer geworden. Das kann man sich bei einem Berliner Taxifahrer zwar nicht vorstellen, aber es stimmt.

Der Harvard-Professor Steven Pinker legt in seinem Buch „Gewalt“ detailliert dar, dass die Welt noch nie so friedlich und human war wie heute, auch wenn uns die Fernsehbilder etwas ganz anderes suggerieren. Knochenfunde zeigen, dass sich etwa 20 Prozent aller Steinzeitmenschen gegenseitig niedergemetzelt haben. Wenn Sie da als frühzeitlicher Fliesenleger die Höhle falsch durchgekachelt haben – zack – sind Sie erschlagen worden.

Offensichtlich ist auf dem Weg der menschlichen Geschichte etwas Erstaunliches geschehen: Wir haben irgendwann begonnen, Sympathien für Personen zu entwickeln, die weder zu unserem eigenen Stamm oder zu unserer eigenen Kultur, noch zu unserer Religion gehörten.

Der Grund liegt auf der Hand: Wir Menschen müssen kooperieren, um zu überleben. Das unterscheidet uns von Katzen, von Kakerlaken oder Immobilienmaklern. Anfänglich beschränkte sich unsere Kooperation nur auf die eigene Horde, einem Rudel von 30 bis 100 Individuen, die mehr oder weniger eng miteinander verwandt waren.

So ähnlich wie heute noch im Odenwald. Doch vor zirka 50.000 Jahren begann der Homo sapiens zum ersten Mal, Vorformen von Handel zu betreiben. Plötzlich war es von Vorteil, die Nachbarhorde nicht einfach totzuschlagen, sondern mit ihnen Waren und Nahrung zu tauschen. Es ist also keinesfalls übertrieben, wenn man behauptet: Durch Handel und Dienstleistung kam die Freundlichkeit in die Welt.

Warum zum Beispiel bombardieren wir nicht Holland? Dafür gäbe es ein paar gute Argumente: Die Holländer nerven beim Fußball, moderieren langweilige Game-Shows und sorgen in der Urlaubszeit für Thrombose auf der A3.

Der Grund, weshalb wir Holland nicht plattmachen (schönes Wortspiel), ist: weil wir sonst keine Blumen zum Muttertag hätten! Auch Japan ist kein kluges Angriffsziel, denn die haben meinen Minivan gebaut. Österreich scheidet ebenfalls aus, da kommt meine Frau her. Wobei … Nein. Scherz!

Wir haben wie kein anderes Lebewesen den Drang nach Zusammenarbeit und Austausch: bei der Erziehung, bei der Jagd, bei fast allem, was wir zum Überleben brauchen. Wir schwatzen und tuscheln, wir bewerten andere, schätzen ihre Vertrauenswürdigkeit ein und spekulieren über ihre Absichten.

Verkäufer erspüren Verlangen und nutzen es geschickt, um Deals einzufädeln und uns Gebrauchtwagen, Versicherungen oder das 37. Paar Schuhe aufzuschwatzen. Wir sind schon von Kindesbeinen an fähig, zu kommunizieren und zu kooperieren. Wir können gar nicht anders.

Nur durch Kooperation, Handel, Arbeitsteilung und Wissenstransfer war die Entwicklung von Hochkulturen möglich. Die Sumerer erfanden das Rad, die Babylonier die Metallverarbeitung, der Baden-Württemberger den Bausparvertrag. Unorthodoxe Ideen, die unsere Welt innerhalb kürzester Zeit komplett verändert haben.

Verkürzt man die Geschichte der Erde auf einen Tag, so taucht der Homo sapiens erst 77 Sekunden vor Mitternacht auf. Aber in diesen lächerlichen 77 Sekunden haben wir den Planeten komplett umgekrempelt. Wir fliegen in Luftschiffen durch die Gegend, kommunizieren über elektromagnetische Wellen, spalten Atome und blicken mit Teleskopen bis in die hintersten Bereiches des Weltalls.

Durch komplizierte Messinstrumente können wir einen Zuckerwürfel im Bodensee nachweisen, Krebstumore identifizieren und Signale empfangen, die 13,8 Milliarden Jahre alt sind. Wir bauen Hängebrücken, iPhones und künstliche Hüftgelenke. Und das alles innerhalb von nur 77 Sekunden. Was erst mag in den nächsten 77 Sekunden passieren?

Vince Ebert ist Diplom-Physiker und Kabarettist. In seinen Bühnenprogrammen, Vorträgen und Büchern vermittelt er naturwissenschaftliche Themen mit den Gesetzen des Humors in deutscher und seit Neuestem auch in englischer Sprache. Mehr Infos und alle Termine unter www.vince-ebert.de

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