Der Wirtschaftsbeschleuniger Warum Konsens die besten Ideen killt

Entscheidungen am runden Tisch sind nicht immer die besten. Manchmal braucht es eine narzisstische Persönlichkeit um Großes zu bewirken.
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Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.
Der Autor

Der studierte Physiker Vince Ebert ist Kabarettist, Vortragsredner und Bestsellerautor. Mit seinem Bühnenprogramm „Zukunft is the Future“ ist er deutschlandweit auf Tournee.

Ich kann mir nicht helfen, aber wenn in letzter Zeit eine bedeutende Führungskraft ein Interview gibt, dann hört sich das so an, als hätte er sich auf dem Kirchentag verirrt. Meistens geht’s nicht um harte Sachen wie Shareholder-Value, Kostensenkungen oder Expansions-Strategien sondern um eher „weiche“ Themen á la „Wir müssen in Zukunft mehr an unserer Work-Life-Balance arbeiten“ oder auch „Nachhaltigkeit wird in unserer Firmenphilosophie ganz groß geschrieben“ und natürlich der Klassiker: „Selbstverständlich sind unsere MitarbeiterInnen unser höchstes Gut“.

Seit 25 Jahren wird in praktisch allen Management-Büchern gebetsmühlenartig wiederholt, wie unerlässlich Empathie, Mitgefühl oder soziale Kompetenzen für moderne Führungskräfte sind. Mit Freundlichkeit und Verständnis soll der zeitgemäße Manager behutsam eine Atmosphäre des gegenseitigen Respekts im Unternehmen aufbauen.

Auffallend selten wird dagegen geschrieben, wie ungeheuer erfolgreich Firmengründer und Top-Manager agieren, die ihre Angestellten in Angst und Schrecken versetzen. Ferdinand Piëch oder Jack Welch waren sich stets bewusst: Nicht Geld regiert die Welt, sondern nackte Angst! Sie bauten Weltkonzerne mit einem autokratischen, egozentrischen und unerbittlichen Führungsstil auf. Vom Schraubenkönig Reinhold Würth sind legendäre Geschichten bekannt, wie er seine unterdurchschnittlichen Vertriebsleute demütigt. Angeblich mit Negativ-Incentives. Der umsatzschwächste Mitarbeiter bekommt eine Woche Aufenthalt in Hannover. Aber nur bei schlechtem Wetter. Bei gutem wird abgesagt.

Eine durchaus wirkungsvolle Methode, der sich schon Al Capone bewusst war, als er sagte: „Mit einem freundlichen Wort und einem Gewehr kommt man wesentlich weiter als mit einem freundlichen Wort alleine.“

Insgeheim weiß jeder von uns: Unter objektiven Gesichtspunkten sind viele erfolgreiche Manager oftmals gefährliche Irre. In den Führungsetagen der Top-Konzerne finden sich dreimal mehr Soziopathen als in der Durchschnittsbevölkerung. Richard Branson oder Elon Musk sind große, pubertierende Kinder. Steve Jobs war ein cholerischer Egomane, der Onkologen für Idioten hielt und seine Krebserkrankung lieber mit esoterischer Naturheilkunde bezwingen wollte. Hinter den Erfolgsgeschichten von großen Unternehmer-Persönlichkeiten stecken nicht selten psychologische Krankheitsgeschichten.

Andererseits sind genau diese Charakterzüge von Vorteil, um wirklich einschneidende Veränderungen in die Wege leiten zu können. Eine narzisstische Persönlichkeit hilft, wenn man von allen Seiten wegen einer unpopulären Maßnahme angefeindet wird. Ingvar Kamprad, Winston Churchill oder J.P. Morgen trafen zahllose Entscheidungen, die andere aus Furcht, Zweifel oder dem Gefühl der allgemeinen Ablehnung niemals getroffen hätten.

An runden Tischen können vielleicht Friedensgespräche ausgehandelt werden, bei unternehmerischen Entscheidungen führen sie dagegen oft zu feigem Durchschnitt. Der Glaube, dass bei wichtigen Weichenstellungen jeder im Unternehmen gefragt werden sollte, dass Veränderungen am besten in der Gruppe entschieden werden müssen, führt nicht selten zu belanglosem Bullshit. Konsensglaube und Gefallsucht töten kühne Ideen. Er ist eine ängstliche, charakterlose Form, eine Entscheidung herbeizuführen. Der mutlose Wunsch, niemanden zu verletzen.

Narzisstische Führungskräfte mögen ab und an Unternehmen in den Abgrund führen. Doch andererseits haben sie auch phänomenale Dinge geschafft zu denen andere nie fähig gewesen wären.
Christoph Kolumbus war ein selbstgerechter Spinner, der auf seinen Fahrten meist keinen blassen Schimmer hatte, was er tat. Würde er heute leben, würde er wahrscheinlich eine Dschungelexpedition zu den Nebenhöhlen organisieren. Als er am 3. August 1492 in See stach, hat er, entgegen den zuhause gebliebenen Gelehrten, die Distanz auf dem Meer völlig unterschätzt. Aber im Gegensatz zu den Besserwissern auf dem Festland erinnern wir uns an ihn. Weil er nicht herumgelabert, sondern weil er etwas gemacht hat.

Mehr Infos über Vince Ebert finden Sie auf seiner Homepage www.vince-ebert.de

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