Artnet Artnets schwache Zahlen

Die Schadensersatzforderung eines Fotografen macht Kunstmarktdienstleister Artnet zu schaffen und beeinflusst die Bilanz der Berliner erheblich. Der Fall stellt gängige Praxis von Verwertungsgesellschaften in Frage.
Kommentieren
Jacob Pabst, CEO des börsennotierten Internetdienstleisters Artnet. Ein  Urheberrechtsstreit trübt die Bilanz des Berliner Unternehmens. Quelle: Artnet
Streit mit Fotografen

Jacob Pabst, CEO des börsennotierten Internetdienstleisters Artnet. Ein Urheberrechtsstreit trübt die Bilanz des Berliner Unternehmens.

(Foto: Artnet)

BerlinDie Artnet AG (www.artnet.de) rutscht tief in die Verlustzone. In einer ad hoc-Meldung musste der Berliner Kunstmarktdienstleister am Montagabend ankündigen, dass das Geschäftsjahr 2014 voraussichtlich mit einem Verlust von 3,1 Millionen Euro enden wird. Dabei hatte das Unternehmen schon die Rückkehr in die Gewinnzone angekündigt. Bereits im Oktober 2014 musste es jedoch sein Vorhaben auf einen voraussichtlichen Fehlbetrag von einer halben Million Euro revidieren. 2013 hatte bei einem Umsatz von knapp 13 Millionen Euro noch eine schwarze Null gestanden. Die geänderte Prognose beruhe „im Wesentlichen auf Wertberichtigungen der aktivierten Entwicklungskosten und der latenten Steuern“, die offensichtlich so nicht in die Bilanz hätten einfließen dürfen. Die Veröffentlichung des Geschäftsberichts wurde von 31. März auf den 30. April verschoben.

Streit um Fotorechte

Bereits drei Tage zuvor hatte das Unternehmen auf die Schnelle eine Mitteilung herausgegeben, deren Inhalt langfristig noch brisanter sein dürfte: Die Artnet AG ist von einem französischen Gericht zur Schadenersatzzahlung in Höhe von 764.000 Euro verurteilt worden. Das Berufungsgericht Paris sieht es als erwiesen an, dass Artnet die Urheberrechte von Stéphane Briolant in mehreren tausend Fällen verletzt habe. Um den Streit zu verstehen, ist folgendes wichtig: Briolant lichtet Auktionslose für einen kleinen französischen Kunstversteigerer ab. Artnet betreibt eine Kunstpreisdatenbank, die sich aus den Inhalten von Auktionskatalogen zusammensetzt. Die Nutzung dieser Datenbank ist kostenpflichtig und Artnets größter Gewinnbringer.

Das Berliner Unternehmen hat, wie in der Branche üblich, mit Verwertungsgesellschaften Nutzungsvereinbarungen getroffen. Sie vertreten die Urheberrechtsinteressen der Künstler, deren Werke publiziert werden. Für Fotografen, die diese Kunstwerke wiederum für die Kataloge ablichten, besteht eine solche Vereinbarung nicht. Wegen mangelnder Schöpfungshöhe galten diese fotografischen Arbeiten bisher noch nicht gerichtsfest als eigenständige Kunstwerke. Ein französisches Gesicht hatte das erstinstanzlich weitgehend auch so gesehen und Briolant nur für zwei Fotos Schadenersatz zugesprochen. Die Berufungsinstanz hingegen bejahte den Kunstcharakter für 6.758 Fotos von Auktionslosen aus der Hand Briolants, die Artnet für seine Datenbank nutzte. Die so entstandene Summe ist sofort vollstreckbar.

Einspruch ist möglich

Artnet ist somit gezwungen, in die Bilanz für 2014 eine entsprechende Rückstellung einzustellen. Das war bis dahin nicht geschehen, wie ein Pressesprecher von Artnet auf Nachfrage des Handelsblatts bestätigte. Man sei von dem Urteil vollkommen überrascht: „Das Urteil der Erstinstanz hat die Notwendigkeit einer Rückstellung nicht nahegelegt.“

Warhol wird wie wild gekauft
huGO-BildID: 4645470 A visitor stands in front of U.S. artist Jean-Michel Basquiat's (1960-88) painting "Molasses" (1983) during a press preview at M
1 von 10

10. Platz: Jean-Michel Basquiat

Das Gemälde „Molasses“ von Jean-Marie Basquiat während einer Pressevorschau im Museum of Modern Art im schweizerischen Lugano: Der französische Maler belegt im Ranking der gefragtesten Sammlerstücke 2014 den zehnten Rang mit einem Gesamtumsatz von 172,2 Millionen Dollar. Vor allem im November haben die Kunstinvestoren zugeschlagen. Innerhalb von zwei Auktionswochen sind in New York Kunstwerke für 2,3 Milliarden Dollar versteigert worden.

Quelle: Bloomberg

Zhang Daqian: The Drunken Dance
2 von 10

9. Platz: Zhang Daqian

Das traditionelle Gemälde „The Drunken Dance“ des chinesischen Künstlers Zhang Daqian: Das Kunstwerk erzielte 2013 umgerechnet 3 Millionen Dollar. Daqian ist eigentlich berühmt für seine atemberaubenden Landschaftsbilder.

huGO-BildID: 40124482 "Chariot" by Alberto Giacometti is displayed at Sotheby's Autumn evening sale of Impressionist & Modern Art
3 von 10

8. Platz: Alberto Giacometti

Das teuerste Kunstwerk 2014 war die Bronze-Skulptur „Chariot“ von Alberto Giacometti, die im November für 101 Millionen Dollar bei „Christie's“ zugeschlagen wurde. Insgesamt kam der 1966 verstorbene Künstler nach dem Umsatz auf Platz acht mit 235,2 Millionen Dollar und 140 verkauften Werken.

huGO-BildID: 37728390 (Files) In this file picture taken on June 18, 2014, A Sotheby's employee poses with a painting by late French impressioni
4 von 10

7. Platz: Claude Monet

Ein Mitarbeiter von „Sotheby's“ hängt das Gemälde „Nympheas“ von Jean Monet in den Londoner Auktionsräumen auf. Das Gemälde ging für 54 Millionen Dollar über den Tresen. Im Gesamtjahr 2014 erzielte Monet einen Auktionsumsatz von 252,1 Millionen Dollar.

General view of the Sotheby's building in New York
5 von 10

6. Platz: Qi Baishi

Eine chinesische Flagge weht mit anderen vor dem Eingang des Auktionshauses „Sotheby's“ in New York: Qi Baishi, bekannt für Bilder von Shrimps, Fischen und Fröschen, besetzt den sechsten Platz. Eine Tuschezeichnung von Qi Bashi mit der Darstellung eines Adlers auf einem Kiefernstamm wurde im Jahre 2011 bei einer Auktion in Peking zum Preis von 425,5 Millionen Yuan von einem Unbekannten ersteigert.

The art piece No. 21 (Red, Brown, Black and Orange)" by Mark Rothko stands during a media preview at Sotheby's auction house in New York,
6 von 10

5. Platz: Mark Rothko
Das Kunstwerk „No. 21 (Red, Brown, Black and Orange)“ von Mark Rothko während eines Vorrundgangs im Aktionshaus von „Sotheby's“ in New York. Bereits vor der Versteigerung schätzten Experten den Kaufpreis für das Kunstwerk auf rund 50 Millionen Dollar.

-
7 von 10

4. Platz: Gerhard Richter

Hat gut lachen: Der deutsche Maler, Bildhauer und Fotograf Gerhard Richter (82) erzielte mit seinen Werken im vergangenen Jahr Spitzenwerte. Er ist der einzige unter den zehn meistgefragten Künstlern 2014, der noch lebt.

Ein anderer Fall hätte Arnet warnen können. Der französische Wettbewerber Artprice war bereits 2013 in zu einer Zahlung von 900.000 Euro an Briolant in einem gleich gelagerten Fall in zweiter Instanz verurteilt worden.

Gegen beide Urteile ist Einspruch beim Kassationsgerichtshof möglich. Artprice lehnte eine Stellungnahme zum Stand der Sache oder eines eventuellen Berufungsverfahrens ab. In der Pressemitteilung von Artnet heißt es: „Die Gesellschaft wird nach eingehender Prüfung der schriftlichen Urteilsbegründung über das weitere Vorgehen entscheiden.“

Startseite

0 Kommentare zu "Artnet: Artnets schwache Zahlen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%