Jeff Koons in Paris Falsche Freunde

Die Kunstszene in Paris möchte keine Tulpen-Skulptur von Jeff Koons geschenkt bekommen. Ohne einen Bezug zum Terrorangriff vom November 2015 sehen die Franzosen die Gabe nur als Werbung für den Amerikaner.
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Susanne Schreiber

DüsseldorfGeschenke können vergiftet sein. Troja hat einst seine traumatischen Erfahrungen mit der Pferde-Skulptur der Griechen gemacht. Paris könnte heutzutage wenn nicht in sein Verderben, dann doch in eine Kostenfalle geraten, wenn es ein auf den zweiten Blick vergiftetes Geschenk von Jeff Koons tatsächlich annähme. Der Amerikaner, bzw. die Jeff-Koons-Stiftung hatte 2016 der Stadt Paris eine monumentale Tulpen-Skulptur angeboten, ein Jahr nach der islamistischen Attacke auf das Stade de France, den Musikclub Bataclan und einen Laden, bei der 130 Menschen brutal getötet und über 600 verletzt wurden. Sie symbolisiere den Optimismus, ließ der Künstler verbreiten. Mit der Bürgermeisterin wurden die Kolonades des Palais de Tokyo zu Füßen des Eiffelturms als Standort ausersehen.

Der Künstler wirbt für seine Tulpen-Skulptur, die er der Stadt Paris schenken möchte. Dagegen formiert sich gut begründeter Widerstand. Quelle: Jeff Koons PR
Jeff Koons

Der Künstler wirbt für seine Tulpen-Skulptur, die er der Stadt Paris schenken möchte. Dagegen formiert sich gut begründeter Widerstand.

(Foto: Jeff Koons PR)

Diese Woche hat die französische Tageszeitung Liberation einen Aufruf veröffentlicht, in dem sich zwei Dutzend Künstler und Politiker für ein „Nein zum Geschenk von Jeff Koons“ aussprechen. Zu den Unterzeichnern zählen auch die Kunstsammler Marin Karmitz und Antoine de Galbert, der Künstler Christian Boltanski, der Architekt Dominique Perrault und der Filmemacher Olivier Assayas. In fünf Argumenten begründen sie ihre Ablehnung des angeblichen Mahnmals stichhaltig.

  1. Für die Gegner des Geschenks ist die 35 Tonnen schwere Stahlskulptur - eine Hand, die einen Rosenstrauß hält wie die Freiheitsstatue die Fackel - zynisch und opportunistisch, weil ihr der Bezug zum Ort und zu den schrecklichen Ereignissen fehle.
  2. Statt eine am falschen Ort fallen gelassene, sogenannte „Drop Sculpture“ brauche man eine Ausschreibung, an der sich auch französische Künstler beteiligen könnten.
  3. Die Monumentalität des 12 mal 8 mal 10 Meter großen Blumenstraußes zerstöre das Architekturensemble am Palais de Tokyo. Auch seine Statik werde dadurch gefährdet.
  4. Jeff Koons sei in den 1980er-Jahren ein brillanter Künstler gewesen. Doch seitdem stehe er „für spektakuläre und spekulative industrielle Kunst“.
  5. Die Koons-Stiftung beabsichtigt, nur das Konzept der bunten Skulptur zu stiften. Konstruktion und Installation des Kolosses aber hätte Paris zu bezahlen. Das wären mindestens 3,5 Millionen Euro. Falls Stifter dafür gefunden würden, würde es doch wieder die Allgemeinheit bezahlen, denn die großen Mäzene in Frankreich genießen Steuererleichterungen von bis zu 66 Prozent.

Die Gegner des Geschenks haben damit der Bürgermeisterin von Paris eine Steilvorlage für die dankende Ablehnung geliefert. Zu den genannten Argumenten kommen ferner noch die Kosten für den Unterhalt der extrem empfindlichen, spiegelnden Oberflächen hinzu. Es ist noch nicht so lange her, da trennte sich eine große deutsche Corporate Collection von einer liegenden Tulpen-Skulptur, weil sich ihre Makellosigkeit im Außenraum nicht aufrecht erhalten ließ.

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