Tefaf Report 2018 Die Kunst zu finanzieren

Der neue Tefaf-Art-Market-Report widmet sich nicht mehr dem Gesamtmarkt. 2018 stellt er Kunst als Objekt von Finanztransaktionen vor. Ein Trend, der in den USA erstarkt, aber in Europa noch nicht angekommen ist.
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Susanne Schreiber

DüsseldorfAm heutigen Freitagvormittag veröffentlicht die Tefaf ihren gemeinsam mit Anders Petterson erstellten Art Market Report 2018 auf dem zweiten New Yorker Contemporary-Ableger der Maastrichter Muttermesse (noch bis 8.5. in der Armory). Petterson ist Gründer und Geschäftsführer der Beratungsfirma ArtTactic. Er ist ein Experte auf dem Gebiet der Kreditfinanzierung und Beleihung von Kunst, er kennt die gesetzlichen Rahmenbedingungen in den USA und Europa wie kaum ein zweiter.

Der Gründer und Geschäftsführer der Beratungsfirma ArtTactic verfasste den Art Market Report 2018. Quelle: Tefaf; Sharp Communications, Inc.
Anders Petterson

Der Gründer und Geschäftsführer der Beratungsfirma ArtTactic verfasste den Art Market Report 2018.

(Foto: Tefaf; Sharp Communications, Inc. )

Die „Art Finance Industry“ ist ein Randthema, über das hierzulande bislang zu selten gesprochen, bzw. geschrieben wurde. Pettersons frisch erhobene Datensammlung unter 142 Tefaf-Ausstellern und die multiperspektivische Übersicht verschiedener Experten soll der Aufklärung und Entscheidungsfindung von High-End-Galeristen für alternative Finanzierungsmöglichkeiten dienen. Der Fokus des Reports liegt somit auf Finanzierungsoptionen im Kontext von Kunst und Spekulation, so nennt das Petterson freilich nicht. Damit geht die Aufgabe einer breit angelegten Markt Durchdringung einher, wie sie jahrelang Clare McAndrew praktiziert hatte, bevor sie 2017 zur Art Basel und UBS wechselte, um deren Global Art Market Report zu verfassen.

Auch McAndrews Nachfolgerin Rachel Pownall hatte noch die Auktionshäuser und den Handel für den Tefaf-Report 2017 im Blick. Freilich kam Pownall zu einem Gesamtvolumen des weltweiten Kunstmarktes, das sich so gravierend von dem McAndrews unterschied, dass man an beider Grundlagen zweifeln mochte. Ein Schelm, wer denkt, Pownalls Demission stünde damit in Zusammenhang. Neben eigenen Erhebungen beruht der Tefaf-Report 2018 auf den Zahlen des kürzlich veröffentlichten „Art Basel and UBS Global Art Market Reports 2018“ und dem „Art & Finance Report von Deloitte and ArtTactic“ 2017.

Mit dem Art-Finance-Industry-Bericht von 74 Seiten entfernt sich The European Fine Art Foundation, wie sich der beauftragende Messeveranstalter in voller Schönheit nennt, eindeutig vom ursprünglichen Zielpublikum. Das waren neben Museumsvertretern die Connaisseur-Sammler, die mit Kennerblick das Bessere vom Guten zu unterscheiden wissen. Mit der Hinwendung der Tefaf zum renditegetriebenen Kunst-Investor – verantwortlich für angeblich 50 Prozent alle Kunstkäufe – bleiben nicht nur die Auktionshäuser außen vor, sondern auch jene Galerien, die die Alten Künste hegen und pflegen.

Skalierung heißt das Zauberwort aller Kunst-Industrien. Und skalierbar im Sinne der elektronischen Datenauswertung ist vorrangig die zeitgenössische Kunst. Vor allem, wenn sie von Künstlern stammt, die ihr Werk und ihren Atelierbetrieb mit Markenbewusstsein sehen, als Brand wie Gucci oder Mercedes. Aktuelle Kunst strömt in großen Mengen aus den Studios in die Galerien und auf die Messen. In diesem beliebtesten aller Sammelgebiete gibt es nur selten Nachschubprobleme. Hier werden inzwischen für einzelne Künstler astronomische Summen bewilligt. Hier tummelt sich das Geld der neuen Reichen und Superreichen. Hier macht Anders Petterson „wachsende Nachfrage im eher spekulativen und liquiden Bereich der Gegenwartskunst aus.“ Liquid meint hier das Flippen, die Beteiligung am Hype durch Ankauf und superschnellen Weiterverkauf. Geschuldet sei dieses Phänomen der neuen Motivation Kunst zu kaufen – um „return on investment“ zu sichern und um das Portfolio zu diversifizieren.

Tools für Investoren

Anders als Sammler, die schon mal einzelne Kunstwerke einsetzen, um einen Kredit abzusichern, nutzen Händler diese Möglichkeit vergleichsweise wenig. Petterson schätzt den globalen kunstgestützten Kreditmarkt auf 17 bis 20 Milliarden Dollar. Händler tragen dazu nur „8 bis 10 Prozent bei, ein Wert zwischen 1,4 Milliarden und 2,1 Milliarden Dollar“. 90 Prozent dieser Finanzierungen werden in den USA abgewickelt. Warum? Weil in den Staaten operierende Händler von den Vorteilen des Uniform Commercial Code (UCC) profitierten. In Europa seien die gesetzlichen Grundlagen hingegen noch fragmentiert.

Anders Petterson führt einen weiteren Aspekt an, den er für entwicklungsfähig hält. Nur 5 bis 8 Prozent der Händler-Lager seien kreditfinanziert. Ein Wert, der weit unter dem Einzelhandel liege, dessen Verschuldungsgrad bei 46 bis 70 Prozent ausmacht.
Wie finanzieren Händler ihre Geschäftstätigkeit?

Petterson fand heraus, dass bislang 90 Prozent der High-End-Händler ihr Lager ganz klassisch durch ihre Einkünfte finanzieren. 63 Prozent der Befragten ziehen bei einer sich bietenden Gelegenheit einen privaten Co-Investor hinzu. Auf eine Bankfinanzierung für Ankäufe greifen 11 Prozent der Händler zurück. Nur 4 Prozent der Befragten beleihen regelmäßig ihren Kunstbestand. Die Argumente der Händler gegen kunstabgesicherte Kredite sind gewichtig: die Unvorhersehbarkeit eines Verkaufs, die bürokratischen Hürden und zu hohe Kosten.

Da ist also noch viel zu tun. Aber Anders Petterson hat die große Perspektive im Blick. Deloitte schätzt das Kunstwachstum der Ultrareichen weltweit von aktuell 1,6 Milliarden Dollar auf 2,7Milliarden im Jahr 2026. Musik in den Ohren der Skalierer.

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