Auktionen bei Van Ham Kölner Auktionshaus profitiert von der Sammellust zweier großer Unternehmer

Die Kunstsammlungen des Saturngründers Fritz Waffenschmidt und des Textilunternehmers Lutz Teutloff bescheren Van Ham erfreuliche Umsatzsteigerungen.
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Aus der Sammlung des Saturn-Gründers Waffenschmidt. Quelle: Van Ham
Ernst Barlach „Der singende Mann“

Aus der Sammlung des Saturn-Gründers Waffenschmidt.

(Foto: Van Ham)

KölnPrivatsammlungen zweier wichtiger deutscher Unternehmer pushen das Ergebnis der Frühjahrsauktionen bei Van Ham in Köln nach oben. Fritz Waffenschmidt (1925–2017), der 1961 den Elektronikmarkt Saturn gegründet hatte, setzte wie im Geschäftsleben auch bei seiner Kunstsammlung auf Vielfalt.

Doch anders als im Schallplattengeschäft bezahlte er für die Kunst angemessene Preise, weil er sich da gegen den Massenmarkt entschied. Exquisite Waffen, Uhren und barocke Deckelhumpen in musealer Qualität übertrafen ihre Schätzwerte in der Nachlassauktion allesamt. Allein mit diesen Kunstkammerobjekten nahm Van Ham kürzlich 1,2 Millionen Euro ein.

Vergangene Woche kamen dann Waffenschmidts Kunstwerke der Klassischen Moderne in Köln unter den Hammer. Acht Werke spielten abermals 1,2 Millionen Euro ein. Sehr gefragt war Max Liebermanns Sommerbild „Gartenlokal an der Havel“, für das der siegreiche deutsche Bieter brutto 678.500 Euro einsetzen musste.

Zwei Restitutionsfälle

Emil Noldes Stillleben „Holzplastik und Blumen“ ging für 553.500 Euro weg. Beide Werke hatte Waffenschmidt 1984 beim Versteigerer Lempertz erstanden, als dort die feine Kollektion von Walter Franz, einem Sammler aus der Autobranche, zum Aufruf kam.

Erst Van Hams Experten hatten bei der Provenienzrecherche herausgefunden, dass das „Gartenlokal“ wie auch Lovis Corinths „Herbstblumen“ Restitutionsfälle waren. Durch geschickte Verhandlung erreichte Van-Ham-Eigentümer Markus Eisenbeis, dass die Waffenschmidt-Erben nun die Erlöse mit den Erben der enteigneten jüdischen Vorbesitzer teilen.

Ernst Barlachs ausdrucksstarke Skulptur „Der singende Mann“ stammt gleichfalls aus der Walter-Franz-Versteigerung und der Waffenschmidt-Einlieferung. Der Bronzeguss aus einer Auflage von 38 Exemplaren konnte bei Van Ham nun seinen Preis auf 270.900 Euro vervierfachen.

Der andere Unternehmer, der das Angebot 2018 bei Van Ham bereichert, ist der Bielefelder Textilunternehmer Lutz Teutloff (1938–2017). Als er die Firma 1989 erfolgreich verkauft hatte, wurde der passionierte Sammler für Foto- und Medienkunst auch Galerist. Entflammt war er stets, wenn er Reflexe von Gesellschaft und Politik in der Kunst fand. Als Teutloff Designermode in Asien herstellen ließ, erwarb er traditionelles Porzellan aus China, Seidenmalerei und zwei Möbel, die in der Asiatika-Auktion am 14. Juni zum Aufruf kommen. Bislang haben Kunstwerke aus seiner Sammlung rund 120.000 Euro eingespielt.

Aus einer weiteren deutschen Privatsammlung stammt das Gemälde mit dem höchsten Zuschlag. Paul Gauguins stimmungsvolle französische Küstenlandschaft, noch ganz impressionistisch, wechselte erst nach langem Bietgefecht für 803.500 Euro den Besitzer. Insgesamt nahm Van Ham mit der Klassischen Moderne 5,7 Millionen Euro ein.

In der Versteigerung zeitgenössischer Kunst erfreuten sich wie so oft schon Künstler aus Düsseldorf eifriger Nachfrage. Günther Ueckers dynamisches Nagelbild „Both“ von 1978 kletterte auf 361.200 Euro. Imi Knoebels Monumentalformat „Molain“ aus der Reihe der Milano Paintings fiel für 322.500 Euro an einen Telefonbieter. Zu den Rückgängen zählen unter anderen Raoul Dufys frühe Stadtlandschaft und zwei Mischtechniken von Sigmar Polke. Bei den „Discoveries“ wurde ein unbetiteltes Aquarell von Antonio Calderara von 1.500 auf 9.030 Euro durch italienisches Gebot gehoben. Alle Frühjahrsversteigerungen zusammen belaufen sich bei Van Ham zurzeit auf 18,3 Millionen Euro.

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