Auktionen Phillips überzeugt mit frischem Blick

Das Auktionshaus Phillips setzt 98 Millionen Pfund mit zeitgenössischer Kunst um. Das beste Ergebnis in seiner Geschichte. Starlos wurde ein skizzenhaftes Bild von Pablo Picasso für 41,9 Millionen Pfund.
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Pablo Picassos duftiges Bild La Dormeuse von 1932 wurde mit 41,9 Mio. Pfund richtig teuer (Foto: Phillips/VG Bild Kunst)
Blue Chip der Kunst

Pablo Picassos duftiges Bild La Dormeuse von 1932 wurde mit 41,9 Mio. Pfund richtig teuer (Foto: Phillips/VG Bild Kunst)

LondonMit dem besten Auktionsergebnis der Firmengeschichte beschloss das Auktionshaus Phillips die Londoner Frühjahrsauktionen und überraschte damit einige Sammler, Konkurrenten und Marktbeobachter. Das 1796 gegründete Haus gehört seit 2008 zur russischen Mercury Group. Sein Blatt fing an sich zu wandeln, als 2014 Edward Dolman, Ex-Christie’s Veteran, zum CEO ernannt wurde. Seit genau einem Jahr hält nun die Deutsche Cheyenne Westphal, die von Sotheby’s als Worldwide Head of Contemporary Art zu Phillips als Chairman wechselte, das Zepter fest in der Hand. Ihre Strategie wurde in der jetzigen Auktion deutlich sichtbar. Ausgewählte Arbeiten, entstanden zwischen 1905 und heute, wurden in einer Versteigerung mit nur 50 Losen vorgestellt. Das Gesamtergebnis von 98 Millionen Pfund für die Abendauktion ging weit über die geschätzten 50 bis 70 Millionen Pfund hinaus und lag nur knapp unter dem Ergebnis von Sotheby’s, das in der gleichen Woche bei 109 Millionen Pfund lag.

Gekonnt setzt Phillips die Kategorien von Impressionisten, Moderne, Nachkriegskunst und Zeitgenossen außer Kraft und konzentriert sich nach Auskunft von Westphal auf die „Moderne“. Pablo Picassos „La Dormeuse“ von 1932 wurde bei geschätzten 12 bis 18 Millionen Pfund vom jungen Auktionator Henry Highley souverän versteigert. Versteigert wurde „Die Schlafende“ für 41,9 Millionen Pfund an einen „etablierten Sammler, der genau wusste, was er kauft und schon lange aktiv im Markt ist“, sagte Cheyenne Westphal. Nach der Furore um die Picassos, die Christie’s und Sotheby’s zum Großteil an den Berater Gurr Johns verkauften, gelang es hier einem Sammler, die Arbeit zu ersteigern.

Weniger dramatisch aber dennoch sehr erfolgreich fand das Haus auch einen neuen Liebhaber für die kleinformatige Skulptur „Nu allongé I (Aurore)“ von 1907/08 des eher als Maler bekannten Franzosen Henri Matisse. War die Arbeit im Vorfeld der Auktion aufgrund der Marktfrische auf großes Interesse gestoßen, überraschte es, dass sie erst recht stotternd Gebote hervorlockte; aber beharrlich stiegen diese bei einer Schätzung von 5 bis 7 Millionen Pfund auf 14,9 Millionen Pfund an. Beide Toplose waren übrigens nicht mit einer Garantie versehen.

Mark Bradfords Großformat Helter Skelter I (2007) markiert mit 8,7 Millionen Pfund den neuen Auktionsrekord für den Amerikaner (Foto: Phillips).
Sehr gesucht

Mark Bradfords Großformat Helter Skelter I (2007) markiert mit 8,7 Millionen Pfund den neuen Auktionsrekord für den Amerikaner (Foto: Phillips).

Neuer Weltrekordpreis

Auf der zeitgenössischen Seite – und fast genau 100 Jahr später - brach Phillips wie erwartet den Auktionsweltrekord für den US-Amerikaner Mark Bradford, den Christie’s erst zwei Tage zuvor aufgestellt hatte. Die zehn Meter lange überdimensional große Leinwand „Helter Skelter I“ von 2007, auf 6 bis 8 Millionen Pfund geschätzt, spielte 8,7 Millionen Pfund ein. Ein guter Profit für den Einlieferer, die Tennislegende John McEnroe.

Auch die deutschsprachigen Künstler konnten bei Phillips Erfolge verbuchen. Rudolf Stingels „Untitled“ von 2012 fand für 5,7 Millionen Pfund einen neuen Eigentümer (Schätzung 4 bis 6 Millionen Pfund) und war damit erfolgreicher als vergleichbare Arbeiten bei Sotheby’s oder Christie’s. Auch Georg Baselitz „P.D. Idol“ von 1964 verkaufte sich mit 1,8 Millionen Pfund ansehnlich in der Mitte der Schätzung von 1,5 bis 2 Millionen Pfund. Weiterhin erwähnenswert ist, dass Phillips als einziges Auktionshaus der Woche Online-Gebote und -Gewinne in der Abendauktion verzeichnen konnte. Mit „Digital First“ können Kunden Gebote vom Mobiltelefon aus abgeben, in der einfachen Handhabung unterscheidet sich Digital First deutlich von den Konkurrenten. Damien Hirsts „Apparition“ von 2008 ging für 600.000 Pfund in der Mitte der Schätzung an einen nordamerikanischen Online-Bieter.

Anselm Kiefers Mischtechnik Die Meistersinger aus den Jahren1981/82, spielte 1,8 Millionen Pfund ein (Foto: Phillips).
Deutsche Kunst begehrt

Anselm Kiefers Mischtechnik Die Meistersinger aus den Jahren1981/82, spielte 1,8 Millionen Pfund ein (Foto: Phillips).

Alles in allem war es auch für Phillips eine gute Woche, die einem erfolgreichen Jahr folgt, in dem die Umsätze um 25 Prozent auf 708,8 Millionen US-Dollar gestiegen waren. Mit dem Schwerpunkt auf Kunst, Objekte, Design und Photographie im Bereich des 20. und 21. Jahrhunderts kann der ewige Dritte Akzente setzen. Damit lässt sich die Konkurrenz zwar nicht unbedingt einholen, aber Aufmerksamkeit erzeugt Phillips schon. Die jüngste Zeitgenossen-Auktion ist eindeutig geeignet, bei möglichen Einlieferern und Käufern Vertrauen zu wecken. Der „frische Blick auf die Moderne“, den Cheyenne Westphal im Handelsblatt-Gespräch betont, scheint bei den Kunden gut anzukommen. Frischer Wind belebt schließlich das Geschäft – und hält die Konkurrenz wach.

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