Ausstellung „Add Art“ Hamburger Firmen zeigen ihre Kunstsammlung

Mit Kunstsammlungen können Unternehmen Kultursinn und wirtschaftliche Macht demonstrieren. Was sonst nur Kunden und Mitarbeiter zu sehen bekommen, präsentieren Hamburger Firmen an diesem Wochenende der Öffentlichkeit.
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In der Reederei Bernhard Schulte erwartet die Gäste am Meeting Point ein Gemälde von Christian Frederic Eckardt. Quelle: Carsten Brügmann, Reederei Schulte

In der Reederei Bernhard Schulte erwartet die Gäste am Meeting Point ein Gemälde von Christian Frederic Eckardt.

(Foto: Carsten Brügmann, Reederei Schulte)

HamburgKunst wurde schon immer gesammelt, auch von Unternehmen. Ob es nun die Medicis mit ihrem Familienimperium waren oder es heutzutage die Konzerne und der Mittelstand sind. Mit Kunstsammlungen lässt sich Kultursinn und wirtschaftliche Macht in einer beeindruckenden Allianz gekonnt und elegant demonstrieren. Aber nur, wenn man die Werke auch zeigt. Auch deswegen sind Unternehmen und Unternehmer immer wieder gern bereit, ihre Sammlungen zu präsentieren. Doch meist profitieren davon nur Kunden und Mitarbeiter, oder das private Umfeld.

In Hamburg möchte die „Add Art“ zeigen, dass es auch anders geht. Inspiriert von der Frankfurter Veranstaltungsreihe „Kunst Privat“ hat Hubertus von Barby diese neue Kommunikationsplattform geschaffen. Im Unterschied zu Frankfurt werden in Hamburg auch Unternehmen ihre Tore öffnen, die bislang keine eigene Sammlung haben, aber extra für diesen Anlass zusammen mit jungen Künstlern ihre Flure und Meeting-Räume mit Kunst bereichern. Ein zweiter Unterschied ist, dass genau diese Werke der Nachwuchskünstler, die nur temporär in den Unternehmen zu sehen sind und dann wieder abgehängt werden, auch zum Verkauf stehen. Gemeinsam haben die beiden Städte, dass man nur nach vorheriger Online-Anmeldung und kundig geführt durch die Sammlungen flanieren kann.

Dass die „Add Art“ äußerst attraktiv ist, zeigt ein Blick auf die Teilnehmerliste. Insgesamt sind es zum Start der Reihe 18 Unternehmen, die mitmachen. Sowohl „Dole Fresh Fruit Europe“ ist dabei, als auch die kleine Hamburger Dependance der Honorarberaterbank „Quirin“. Auch smarte Werbeagenturen wie „thjnk“  oder „Jung von Matt“ zeigen sich engagiert. Diese Unternehmen, in Ermangelung einer eigenen Sammlung, präsentieren Nachwuchskünstler in ihren eigenen Räumen. Auf den Unterschied von Kunst und Werbung angesprochen, kommt bei „Jung von Matt“ die unmittelbar einleuchtende Antwort: „Werbung möchte verkaufen. Kunst tut das nicht.“ Deswegen wirkt die Kunst in den Unternehmen möglicherweise so wohltuend, für Besucher und Mitarbeiter. 

Aber auch viele andere Hamburger Unternehmen, die traditionell sammeln, engagieren sich an den zwei Tagen der „Add Art“ im Sinne einer guten öffentliche Wirkung. So zeigt der Großreeder Heinrich Schulte die von seiner Familie über Generationen gesammelten Schiffsbilder, entstanden in den vergangenen vier Jahrhunderten. Ein äußerst sinnfälliges Sammelgebiet für einen Reeder. 

Das noble Hotel „Louis C. Jacob“ beherbergt in seinen gediegenen Räumen unter anderen Werken ein Bild des deutschen Impressionisten Max Liebermann, es ist ein Highlight der Hotelsammlung. Gemalt hat er die berühmte Lindenterrasse, die das Hotel hoch über der Elbe noch immer betreibt. Besser lassen sich Kunst und unternehmerische Imageprofilierung kaum verbinden und jetzt während der „Add Art“ öffentlich machen. 

Kunst wird zum hochsinnlichen Erlebnis

Ein Höhepunkt der „Add Art“ ist sicherlich die Sammlung der Rechtsanwaltskanzlei „Buse Heberer Fromm“. Einer der Partner war mit dem Enfant terrible der Kunstszene, mit dem Aktions- und Objektkünstler Dieter Roth (1930-1998) befreundet, gab ihm Wohnung und kaufte immer wieder Arbeiten an. Entstanden ist so die weltgrößte Sammlung von Dieter-Roth-Arbeiten. In sämtlichen Stockwerken der Kanzlei und in einem großem Pavillon im Garten sind die faszinierenden Arbeiten des Tausendsassas der Künste präsent. Wer wissen will, was passiert, wenn eine Banane durch eine Druckerpresse gedrückt wird oder erfahren möchte, wie sich der berühmte Wursthorizont aus den späten 60er Jahren, eine Wurstscheibe in Kunststoff-Folie eingeschweißt, aktuell entwickelt: Hier hat er die Möglichkeit dazu. Hinter einer Metalltür im Keller sind sogar noch die Reste des berüchtigten Schimmelmuseums von Dieter Roth zu bestaunen – und zu riechen. Kunst wird ganz unerwartet zum hochsinnlichen Erlebnis, in einer sonst doch eher nüchternen Anwalts-Kanzlei. Dass hier auch Kunstrecht zu den Arbeitsgebieten gehört, ist naheliegend.

Nicht nur Banken wie die teilnehmende ortsansässige Sparkasse oder, glanzvoll und umfangreich, die Hamburger HypoVereinsbank haben eben Sammlungen. Die „Add Art“ zeigt, wie viel mehr es an Kunst mit Museumsqualität in der Hansestadt gibt. Und nach den zwei Tagen des Schauens und Entdeckens können sich die Besucher dann selber einen Reim darauf machen, wie segensreich das Verhältnis von Kunst und Unternehmen ist: Eine belle Alliance ohne Waterloo. Wenn sich das neue Format bewährt, soll es auch in weiteren Städten zum Leben erweckt werden. 

Die Teilnahme an den Besichtigungen ist nur nach vorheriger Online-Anmeldungen unter www.addart.de möglich. Die Podiumsdiskussion am 2. November über „Warum Kunst und Wirtschaft zusammengehören“ im Bucerius Kunst-Forum am Rathausplatz kann ebenfalls nur nach einer Online-Anmeldung besucht werden.

Die „Add Art“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Hochschule für Musik und Theater (Fachbereich Kultur- und Medienmanagement), der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg), der Handelskammer Hamburg, des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e.V. und der newskontor GmbH.

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