Benefizauktion Herzog Franz von Bayern lässt Kunst für Bedürftige versteigern

Kunst und Wohltätigkeit liegen für Herzog Franz von Bayern nah beieinander. Er versteigerte hunderte Gemälde zugunsten von Hilfsprojekten – zu seinem 85. Geburtstag.
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Der Kunstliebhaber versteigerte an seinem Geburtstag 500 Kunstwerke. Quelle: dpa
Herzog Franz von Bayern

Der Kunstliebhaber versteigerte an seinem Geburtstag 500 Kunstwerke.

(Foto: dpa)

MünchenHerzog Franz von Bayern ist in München eine Institution. Ein Gentleman, Kunstkenner und Gönner. Seine Sammlung zeitgenössischer Kunst mit Werken von Georg Baselitz, Jörg Immendorff oder Blinky Palermo hat er schon vor Jahren der Pinakothek der Moderne übereignet. Vor einigen Wochen hat er seine Kollektion zeitgenössischer afrikanischer Keramik der Neuen Sammlung München geschenkt. Kunst und Wohltätigkeit liegen beim heutigen Chef des Hauses Wittelsbach dicht nebeneinander.

Anlässlich seines 85. Geburtstages Mitte Juli hat er diese scheinbar unterschiedlichen Stränge wieder einmal miteinander verknüpft. Etwa 500 Kunstwerke vom Barock bis zur Gegenwart wurden im Münchener Auktionshaus Neumeister in der Benefizauktion „Helfen ohne Limit“ (19.7.) zugunsten des Hilfsvereins Nymphenburg und seiner Projekte in Afrika versteigert.

Aus der Oetker-Sammlung

Es war ein großes Geben und Nehmen, Spenden und Erwerben. Die Galerie Jahn, Galerie Van de Loo, Kunkel Fine Art, die Galeristin Sabine Knust oder die Galerie Arnoldi-Livie bestückten diese Auktion ebenso wie Münchener Unternehmer und der bayerische Adel.

Es ging ein Raunen durch den Saal, als die von dem Künstler Anselm Kiefer und seinem Galeristen Thaddäus Ropac gestiftete Assemblage „Aurora“ von 2011 einem Telefonbieter für 100.000 Euro zugeschlagen wurde. Laut Katalog kam das Blei-Objekt direkt vom Atelier des Künstlers auf die Auktion. Spitzenlos wurde Andreas Gurskys C-Print „Leipzig“ von 1995, eingebracht von Arend und Brigitte Oetker.

Der Erlös von 140.000 Euro liegt weit über den Auktionsresultaten ähnlicher Motive. Am Abend hatte Auktionatorin Katrin Stoll, Geschäftsführerin von Neumeister, fast 800.000 Euro für das Hilfsprojekt „Value Village“ in Kenia und Südsudan eingenommen. Ohne Aufgeld und Steuern, versteht sich.

Die Skulptur aus Blei, Acryl und getrockneten Blumen war einem Sammler 100.000 Euro wert. Quelle: Neumeister
Anselm Kiefer "Aurora"

Die Skulptur aus Blei, Acryl und getrockneten Blumen war einem Sammler 100.000 Euro wert.

(Foto: Neumeister)

In Deutschland haben Charity-Aktionen weniger Tradition als in den USA beispielsweise. Aber der voll besetzte Saal ließ keinen Zweifel aufkommen, dass hier ein gesellschaftliches Ereignis stattfindet. Wenn auch ohne Frack und Abendkleid. Banker, Schauspieler, Unternehmer sowie höherer und niederer Adel agierten weniger aus der Motivation des Artinvestments heraus, sondern gefühlsbetont. Emotionen können ein guter Motor sein. Rein nominell hatten die Klassische Moderne und die Gegenwartskunst mehr Gewicht als die Alte Kunst.

Aber beboten wurden die Schmuckstücke, Silberarbeiten und Porzellane, die unter anderen der Kunsthandel Röbbig gestiftet hatte, heftiger als die Zeitgenossen. Internationaler Handel hatte sich bei einem 36-teiligen Besteck in einem Rochenhaut-Kasten engagiert. „Dieses Stück ist charmant und authentisch“, sagte Kunstkammerspezialist Georg Laue am Rande der Auktion zum Handelsblatt. Er war Unterbieter des reizvollen Objekts, das sich für 5.500 Euro Herzog Franz von Bayern selbst spendierte.

Von einer Absatzquote von 100 Prozent, wie sie die Alte Kunst auf der Benefizauktion erreichte, war die reguläre Neumeister-Auktion „Alte Kunst“ (4. Juli) weit entfernt. Nicht ganz 50 Prozent der 360 Lose konnten zugeschlagen werden.

Von 5.000 auf 12.000 Euro (inkl. Aufgeld) wurde dieser russsiche Prunksessel aus der Zeit um 1830. Quelle: Neumeister
Neogotischer Stuhl

Von 5.000 auf 12.000 Euro (inkl. Aufgeld) wurde dieser russsiche Prunksessel aus der Zeit um 1830.

(Foto: Neumeister)

Für Erstaunen sorgte ein Augsburger Silberbecher aus der Zeit um 1700. Der Schätzpreis lag bei 4.000 Euro. Veräußert wurde er letztlich bei 81.000 Euro (alle Preise inklusive Aufgeld). Die Silberarbeit wurde das teuerste Los der Auktion, gefolgt von Johann Jacob Freys Gemälde „Blick auf Tivoli und die Wasserfälle“ von 1860. Mit 63.000 Euro blieb es gut zehn Prozent unter dem Preis, den dieselbe opulente Landschaft vor zwei Jahren im Dorotheum Wien eingebracht hatte. Bei den Möbeln konnte ein russischer, neugotischer Prunkstuhl von 1830 seine Taxe auf 12.000 Euro verdoppeln.

Neumeisters Auktion ist ein Lehrstück über die Unberechenbarkeit des Marktes für Kunst vor 1900. Denn bemerkenswert in dieser Auktion ist nicht, was verkauft wurde, sondern was zurückging. Vor acht Jahren versteigerte Neumeister den subtilen Akt „Andromeda“ des britischen Präraffaeliten John Roddam Spencer Stanhope aus dem Jahr 1870 für 300.000 Euro, nun ließ sich zum Schätzpreis von 180.000 Euro im Saal keiner überzeugen.

Globalisierung führt zur Neubewertung

Die Agostino Caracci zugeschriebene, große Leinwand „Amor besiegt Pan“ aus dem 16. Jahrhundert mit einer Taxe von 50.000 Euro verschmähte der Markt. Friedrich von Amerlings Porträt „Rosa Dirsch“, 2005 im selben Haus in der Auktion „Sammlung Georg Schäfer“ für etwas mehr als 10.000 Euro veräußert, war nun zu diesem Preis nicht mehr von Interesse. „Durch die Globalisierung erleben wir bedauerlicherweise eine Neubewertung der Kultur, die sich auch in der Wertschätzung von bedeutsamen Werken der Kunstgeschichte niederschlägt“, kommentiert Katrin Stoll den Ausgang der Auktion.

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