Buchmesse in Frankfurt 100 Jahre Kommunismus – der rote Messerundgang

Seite 2 von 3:
Von Middelhoff und warum nicht alle wählen dürfen sollten
Diese Wirtschaftsbücher gehören unter den Tannenbaum
Marx, Euro-Krise, aber noch viel mehr
1 von 46

Unter den Wirtschaftsbüchern, die im dritten und vierten Quartal veröffentlich wurden, gibt es keine solchen Ausnahmewerke wie Yuval Noah Hararis „Homo Deus” oder „Wem gehört die Welt” von Hans-Jürgen Jakobs aus dem ersten Halbjahr. Aber die Vielfalt ist außergewöhnlich. Neben spannenden Randthemen gibt es drei große Blöcke: 150 Jahre „Das Kapital” bzw. 100 Jahre Kommunismus, Digitalisierung/KI und die Umgestaltung des Euro. Beginnen wir mit drei handlichen Büchern, die bei so ziemlich jedem wirtschaftsinteressierten Leser für Freude sorgen und jede Geschäftsreise bereichern werden...

Hier geht es zu den besten Wirtschaftsbüchern, die im ersten Halbjahr 2017 erschienen sind.

Das Morning Briefing in Buchform
2 von 46

Für mehr als eine halbe Million Leser beginnt der Tag mit dem Morning Briefing von Gabor Steingart. Jetzt hat der Handelsblatt-Herausgeber ein Best of in Buchform herausgebracht. In „Kopf hoch, Deutschland!“ (Knaus Verlag) erlebt der Leser zeitlose Wahrheiten, Zuversicht oder einfach nur gute Unterhaltung. Um es mit Peter Sloterdijk zu sagen: „Steingart ist ein Außerirdischer vom Stern der klaren Worte.“

Das neue Buch von Rolf Dobelli
3 von 46

Das nützlichste Buch des Jahres - und zwar nicht nur für die, die Rolf Dobelli noch nie gelesen haben. Auch wer seine früheren Bücher kennt, wird mit „Die Kunst des klugen Lebens“ (Piper Verlag) Freude haben. Allein schon deshalb, weil es sich immer wieder lohnt, seine Ratschläge mehrfach zu lesen und darauf gebracht zu werden, welche Denkfehler man vermeiden sollte.

Kleine Bibel gegen Bullshit- und Buzzword-Bingo
4 von 46

„Programmatic Advertising“ ist ein Schlagwort der Marketingbranche. Aber weiß noch jemand, was „programmatisch“ eigentlich heißt? Sprache ist ein ganz wesentlicher Bestandteil von gutem Management. Was trivial klingt, ist im Alltag das Gegenteil von selbstverständlich: Angesichts der Tatsache, dass wir immer mehr auf Anglizismen und unpräzise Sprache zurückgreifen und immer unklarer wird, was hinter zentralen Begriffen steckt, hat sich Fredmund Malik die Mühe gemacht, sein zehn Jahre altes Buch „Gefährliche Management Wörter“ (Campus Verlag) grundlegend zu überarbeiten. Ideal auch für Geschäftsreisen!

Der Mensch und die Digitalisierung
5 von 46

„Digital Human“ (Campus Verlag) lohnt sich für alle Leser, die Gastbeiträge von Top-Entscheidern und Fachleuten mögen. Bettina Volkens, Arbeitsdirektorin bei der Lufthansa, und der renommierte Change-Experte Kai Anderson sind nicht nur Herausgeber, sondern auch Einordner. So mancher Beitrag wirkt wie übertriebene Eigenwerbung, aber man erfährt viele Details über das Wesen der Digitalisierung und welche Rolle der Mensch darin spielt.

Gerechtigkeit im Daten-Kapitalismus
6 von 46

Intensiver geht es da schon bei Viktor Mayer-Schönberger und Thomas Ramge zur Sache. In ihrem Buch „Das Digital“ (Econ Verlag) setzen sich der Harvard-Professor und der renommierte Journalist mit der Frage auseinander, wie man mit Daten den Markt neu erfinden muss. Dem Leser wird klar, wie sich der Kapitalismus gerade wandelt und wohin das führen kann - besser gesagt führen sollte. Nicht frei von Schwächen, aber ein gutes Buch.

Boris Grundl und der Wert des Verstehens
7 von 46

Der Management-Trainer und Bestseller-Autor ist ein sehr besonderer Mensch mit einer besonderen Vita: Boris Grundl ist querschnittsgelähmt. Sein neues Werk „Verstehen heißt nicht einverstanden sein“ (Econ Verlag) hebt sich spürbar von anderen Büchern dieses Genres ab. Der selbst ernannte „Menschenentwickler“ erklärt, wie Konflikte vermieden werden können. Ein toller Ratgeber für Manager, der aber auch im Privatleben weiterhilft.

Anscheinend leiden die Menschen – auch wenn sie kürzer arbeiten denn je – spürbar unter der neuen Technik. So braucht es Ratgeber wie „Digitale Erschöpfung“ von Markus Albers oder „Mail halten“ von Anitra Eggers. Cathy O’Neil beschreibt in „Angriff der Algorithmen“, wie uns Codes manipulieren.

Lenin gibt zwar zu, dass es den Menschen im Jahr 2017 besser geht als vor 100 Jahren. Aber er zweifelt, ob sie wirklich so frei sind wie sie sein könnten. Womöglich dramatisieren einige Buchautoren aber auch, damit ihre Werke besser verkauft werden. Wer mit all der Technik und dem Stress so gut klarkommt, dass er ewig leben möchte, sollte zu „Unsterblich sein“ von Mark O’Connell greifen. Der hat Kryonik-Forscher in aller Welt besucht und eine gewisse Distanz bewahrt, was sein Buch lesenswert macht..

Was für einige nach unfassbar großen Chancen klingt, macht einen der Stars der Buchmesse große Sorgen: Yuval Noah Harari hat mit „Homo Deus“ nicht zuletzt den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis gewonnen und fürchtet eine „Entseelung der Menschheit“ durch die neue Technik.

Der Geschichtsprofessor aus Jerusalem sieht den homo sapiens abdanken und argumentiert so klar, dass ihm auch die Mächtigsten der Welt dankend beglückwünschen. Auch wenn Hunger und Epidemien zukünftig im Griff sind: Auf der Suche nach Glücksgefühlen und Unsterblichkeit laufen wir Gefahr, uns an den Computer zu verlieren.

Zu diesem sich wandelnden Menschenbild passt auch das Buch „Gegen Demokratie“ von Jason Brennan. Wo Lenin sagt: Lasst sie alle wählen – ich sage ihnen vorher nur was, hält es Brennan mit der These: Nicht jeder sollte wählen dürfen. Das Buch des renommierten Politologen ist streitbar, aber eine Reihe von Argumenten kann man nicht so einfach wegargumentieren.

Tatsächlich bekommt Lenin das Gefühl, dass über Demokratie und Kapitalismus kritischer denn je diskutiert wird. Rekord-Verschuldung, mangelndes Vertrauen in Institutionen, die Zerstörung der Umwelt: Der Kapitalismus steckt in der Krise. Nicht frei von Schadenfreude liest der Bolschewik zum Beispiel bei Uwe Jean Heuser („Kapitalismus inklusive“), was alles schief läuft. Genauso bei Philipp Bloms „Was auf dem Spiel steht“. Und in „Football Leaks“ erkennt Lenin, dass nicht mal der Fußball sauber ist.

Die handelnden Personen scheinen keinen Heldenstatus zu genießen: Thomas Middelhoff zum Beispiel, der im Knast landete und in seiner Autobiografie „A 115 – Der Sturz“ die deutsche Justiz massiv angreift. Gleichzeitig hat der Handelsblatt-Journalist Massimo Bognanni eine lesenswerte Biografie über Middelhoff veröffentlicht, die der objektiven Wahrheit wohl noch näher kommt.

Der Zeitgeist erregt sich über die wachsende Ungleichheit zwischen Managern wie Middelhoff und dem arbeitenden Volk. Da kommt das Buch von Per Molander gerade recht: Der Mathematiker berät zahlreiche Mächtige und weiß, dass Ungleichheit im Wesen des Menschen steckt, wir aber auch Mittel und Wege kennen, um sie möglichst zu minimieren. Lenin erkennt: Nicht Gleichheit ist der Normalzustand, sondern Ungleichheit. Und es bedarf auch 2017 noch gewaltiger Anstrengung, um sie zu beseitigen.

Ungerecht ist zudem immer noch, dass Frauen schlechter gestellt sind als Männer. Warum das so ist und wie es besser gehen könnte – das erfahren Leser zum Beispiel bei Iris Bohnet in ihrem Buch „What Works“. Kurz gesagt beweist die Verhaltensökonomin, dass Gleichstellung oft an unbewussten Vorurteilen scheitert.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Von Trump und unserer Konsumsucht
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Buchmesse in Frankfurt - 100 Jahre Kommunismus – der rote Messerundgang

0 Kommentare zu "Buchmesse in Frankfurt: 100 Jahre Kommunismus – der rote Messerundgang"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%