Berkshire Hathaway

Die Investmentfirma von Warren Buffett feiert ständig Erfolge.

(Foto: Bloomberg)

Buchreihe Die Ideenquellen der Börsenlegenden

Wegen seiner klaren Anlagestrategie wird Warren Buffett verehrt. Seine Ideen stammen jedoch von jemand anderem, wie eine neue Buchreihe zeigt.
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DüsseldorfBörse? Nein, danke! So urteilen die meisten deutschen Sparer. Auf 83 Millionen Einwohner verteilen sich ganze 2,9 Millionen Aktionäre – so wenige wie in keinem anderen westlichen Industrieland. Frustriert von der geplatzten Internetblase, dem Aktiencrash nach der Jahrtausendwende und der Finanzkrise ein knappes Jahrzehnt später genießen risikoarme, dafür leider aber auch renditefreie Anlageformen wie das Sparbuch großen Zuspruch.

An mangelnden Informationen kann es kaum liegen, denn Bücher rund um das Thema Börse gibt es genug. Doch viele Autoren schreiben am Aktionär vorbei und vergällen ihm das eigentlich spannende Abenteuer.

Zu detailliert und unverständlich, weil mit vielen Anglizismen wie Cost Average, Retracement und Support gespickt, lesen sich die vielen Neuerscheinungen. Weniger fachliche Selbstbeweihräucherung wäre hier mehr, ohne dabei aber auf Theorien, Kennzahlen und vor allem Qualität zu verzichten.

Rolf Morrien, Heinz Vinkelau: Alles, was Sie über Warren Buffet wissen müssen
Finanzbuch Verlag
München 2018
128 Seiten
14,99 Euro
ISBN: 978-3959720915

An diesen kunstvollen Spagat wagen sich die beiden Wirtschaftshistoriker Rolf Morrien und Heinz Vinkelau mit ihrer Buchreihe über große Börsenlegenden heran. Die ersten drei Bände über Warren Buffett mit seiner Finanzholding Berkshire Hathaway, seinen in der Öffentlichkeit wenig bekannten kongenialen Kompagnon Charles Munger und ihren gemeinsamen Mentor Benjamin Graham sind jetzt erschienen.

Wer wissenschaftliche Formeln und einen wirtschaftstheoretischen Überbau erwartet, wird glücklicherweise enttäuscht. Stattdessen gibt es pro Börsenstar straffe 100 Seiten Biografie und Strategie, erfreulich schnörkellos und unprätentiös geschrieben.

Kauf, was Du verstehst

Buffets und Mungers Motto lautet: „Wir kaufen nur, was wir verstehen. Wenn etwas zu schwierig ist, wenden wir uns etwas anderem zu. Was könnte einfacher sein als das?“

Rolf Morrien, Heinz Vinkelau: Alles, was Sie über Charlie Munger wissen müssen
Finanzbuch Verlag
München 2018
112 Seiten
14,99 Euro
ISBN: 978-3959721189

Genau diese Sichtweise machen sich auch die Autoren zu eigen: Erfolgreiche Geldanlage ist keine Geheimwissenschaft. Darüber zu schreiben schon gar nicht. Ihr zentrales Motiv lautet: Warum soll der gemeine Anleger eine eigene Anlagestrategie erfinden und dabei Gefahr laufen, teure und bekannte Fehler zu wiederholen, wenn es doch ein Dutzend Spitzenkönner gibt, die erfolgreiche Wege bereits gefunden haben?

In den vergangenen 53 Jahren stieg die Aktie von Berkshire Hathaway, in der Buffett und Munger ihre Beteiligungen zusammengefasst haben, von 19 auf 288.000 Dollar. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 20 Prozent. Dieser rasante Kursanstieg machte Buffett zum Milliardär und viele frühe Aktionäre zu Millionären.

So viel Erfolg über einen so langen Zeitraum ist einmalig und verschafft weltweite Anerkennung. Kult ist der 87-jährige Börsenaltmeister aber vor allem auch aufgrund seiner Ideen und Strategien. Sie überzeugen nicht durch Komplexität, sondern durch Klarheit. Nur Aktien von Unternehmen mit exzellenten Kennzahlen kommen für Buffett infrage. Dabei geht es um Kriterien wie eine niedrige Verschuldung, einen geringen Aktienkurs gemessen am Nettogewinn, eine hohe Dividendenrendite und einen guten Substanzwert, der sich in einem soliden Vermögen gemessen an der Börsenbewertung ausdrückt.

So einfach diese Börsen- und Bilanzkennzahlen jedem Aktionär zugänglich sind, so schwierig ist es doch, Aktien zu finden, die all diese Bewertungskriterien erfüllen. Das sieht Buffett nicht anders. Deshalb zählt es für ihn zur häufigsten und zugleich wichtigsten Tugend, einfach nichts zu tun. „Ich habe mein meistes Geld verdient, indem ich auf meinem Arsch gesessen habe“, soll Buffett einmal gesagt haben.

Noch immer folgt er dieser Strategie. Berkshire sitzt schon seit einem Jahr auf über 100 Milliarden Dollar Bargeld, das ihre Macher lieber heute als morgen anlegen würden. Doch die Nullzinspolitik der Notenbanken hat die Preise für Aktien, Unternehmen und Immobilien verdorben.

Schön herausgearbeitet ist Buffetts frühkindlicher Drang zum Handeln, als der kleine Warren das Sixpack Cola für 25 Cent kaufte und die Einzelflasche für fünf Cent verkaufte. Die daraus erzielte stolze Gewinnmarge von 20 Prozent prägt Buffett bis heute.

Seine ersten Geschäfte mit der dunklen Brause, dessen größter Einzelaktionär und kostenloser Werbeträger Buffett heute ist, erweiterte er rasch mit dem Verkauf von Golfbällen, Popcorn, Erdnüssen und Zeitungen. Sein fotografisches Gedächtnis erleichterte ihm das Betriebswirtschaftsstudium und verschaffte genügend Freiraum, immer mehr Geld zu verdienen: zunehmend mit Aktien und dem Kauf ganzer Unternehmen.

Ginge es bei Berkshire allein nach Buffett, dem Chef, Macher und Schnäppchenjäger der Holding, dann säßen die Anteilseigner im Moment wohl noch auf ein paar Hundert Milliarden Dollar mehr. Doch hier kommt Buffetts Partner Munger ins Spiel: Der 94-jährige Jurist überzeugt als Vice-Chairman nicht nur als Ratgeber für schwierige Fälle.

Während seiner Militärzeit im Zweiten Weltkrieg lernte der ausgebildete Meteorologe in der Einsamkeit Alaskas, weit entfernt von allen Kampfhandlungen, das Pokerspiel. Es prägt ihn bis heute mit der Maxime: Du musst lernen, rechtzeitig zu passen, wenn die Gewinnchancen schlecht sind, oder – wenn du gute Karten hast – hoch zu bieten.

Seinen späteren Freund und Partner traf Munger das erste Mal 1959 bei einem Dinner. Beide verstanden sich auf Anhieb und verloren nicht mehr den Kontakt. Fortan lernte Buffett von dem gern auf großem Fuß lebenden Munger, für Qualität auch höhere Preise zu zahlen. Diese Erweiterung des Horizonts trägt seit Jahren maßgeblich zu den Erfolgen von Berkshire bei, wie die Autoren gut herausarbeiten.

Buffetts und Mungers Lehrmeister und Idol ist Benjamin Graham. 1894 als Benjamin Großbaum in London geboren, änderte die nach Amerika ausgewanderte Familie aufgrund der antideutschen Stimmung während des ersten Weltkrieges ihren Namen.

Der Geisteswissenschaftler mit den Studienfächern Mathematik, Philosophie, Englisch, Griechisch und Musik orientierte sich in seiner Geldanlage am inneren Wert eines Unternehmens und entwickelte daraus die Theorie des wertorientierten Investments – das Value Investing.

Seine Philosophie machte den Aktienkauf populär, weil dieser sich nicht mehr, wie bislang an der Wall Street üblich, aus hoch spekulativen Insider-Informationen, sondern aus jedermann zugänglichen objektiven Kennzahlen ableitete – ein revolutionärer Ansatz so kurz nach dem Crash 1929 und der daraus resultierenden Krise der Weltwirtschaft.

Autor der Börsianer-bibel

So lange das her ist, Grahams Grundlagen haben bis heute Gültigkeit. 1934 veröffentlichte der Professor seine „Geheimnisse der Wertpapieranalyse“ – für viele Börsianer noch immer die Bibel des richtigen Investierens. Und auch Grahams zweites großes Lehrbuch, der „Intelligent Investor“ von 1949 ist für Warren Buffett nach fast 70 Jahren immer noch aktueller Leitfaden.

Rolf Morrien, Heinz Vinkelau: Alles, was Sie über Benjamin Graham wissen müssen
Finanzbuch Verlag
München 2018
112 Seiten
14,99 Euro
ISBN: 978-3492307468

Nachdem er das Buch das erste Mal gelesen hatte, wollte Buffett unbedingt seinen Meister Graham treffen und von ihm lernen. Im Sommer 1951 hatte der junge Warren Buffett dann das Glück an der Columbia Business School in einer von Grahams Vorlesungen zu sitzen.

Grundregel Nummer eins: gegen den Strom schwimmen, nicht vom Markt verrückt machen lassen. Jeder der mit Aktien handelt weiß, wie schwer diese scheinbar banale Weisheit umzusetzen ist.

Lange Zeit nichts zu tun, wenn Aktien teuer sind, so wie Buffett und Munger es praktizieren, um dann im Crash, wie in einem Pokerspiel inmitten der düstersten Stimmung zuzuschlagen und viel Geld anzulegen, das ist wahrlich kein einfacher Handel. Aber eben auch keine Wissenschaft, wie einige deutsche Sparbuchbesitzer vermuten.

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