Buchtipp: „Economic Science Fictions“ Was die Volkswirtschaftslehre von Science- Fiction lernen kann – und umgekehrt

William Davis stellt eine ungewöhnliche Verbindung zwischen Blade Runner, Mad Max, Star Trek und volkswirtschaftlichen Fragestellungen auf.
Kommentieren
Szene aus der ersten Star-Wars-Generation. Quelle: AP
Star Trek

Szene aus der ersten Star-Wars-Generation.

(Foto: AP)

FrankfurtVolkswirte gelten als eher fantasiearme Menschen. Weit weg von dem, was man mit Science-Fiction-Romanen und -Filmen verbindet. Doch was, wenn Ökonomen tatsächlich mehr als Jules Verne oder der verrückte Professor aus „Zurück in die Zukunft“ wären?

Dieser durchaus ernst gemeinten Frage ist William Davies nachgegangen, politischer Ökonom am Goldsmiths College in London. Für sein Werk „Economic Science Fictions“ hat er Werke des SciFi-Genres aus dem Blickwinkel eines Ökonomen betrachtet und Wirtschaftstheorie aus der Warte eines Science-Fiction-Fans.

Herausgekommen ist ein inspirierendes, aber auch anstrengendes Kompendium mit Beiträgen von Wissenschaftlern, Autoren und Künstlern aus dem linksliberalen bis marxistischen politischen Spektrum.

William Davies: Economic Science Fictions
Goldsmiths Press
London 2018
400 Seiten
ca. 26 Euro
ISBN: 978-1906897680

Für Davies hat „die Wirtschaft“ schon per se etwas Fiktives, weil Wachstum an sich von uns verlangt, „in Dimensionen zu denken oder zu glauben, die materiell nicht existieren“, wie er schreibt.

Umgekehrt gibt es auch eine Klasse von Science-Fiction, die ökonomische Welten aufmalt, in denen jede Knappheit überwunden ist. Die Crew des „Raumschiffs Enterprise“, die von einer unerschöpflichen und ökologisch problemlosen Energiequelle zehrt, ist so ein Beispiel.

Der Gegenpol dazu sind Endzeitvisionen à la „Mad Max“, in denen die Umwelt zerstört ist und mit ihr die gesellschaftlichen Institutionen. Das liefert zwar ein leer gefegtes Reißbrett, auf dem sich eine beliebige Gesellschafts- und Wirtschaftsform entwerfen ließe. Häufig belassen es solche Visionen aber bei jenem Hobbes’schen Weltbild, in dem jeder Mensch dem anderen ein Wolf ist.

Düstere Utopien, ambivalente Werke

Bei Publikum und Kritikern beliebt sind düstere Utopien, die problematische Entwicklungen der Gegenwart extrapolieren, verfremden und übersteigern. Egal ob die „Schöne Neue Welt“ des Aldous Huxley, George Orwells „1984“ oder die Filme „Matrix“ oder „Blade Runner 2029“:

Es sind zumeist sehr ambivalente Werke, die einerseits durch Übersteigerung warnen, die eingetretenen Pfade weiterzugehen. Andererseits tragen sie gerade durch ihre Übertreibung dazu bei, unseren Empörungsimpuls abzunutzen. Spätestens der Erfolg des Fernsehrealität gewordenen Orwell-Formats „Big Brother“ lieferte einen Beweis dieses Effekts.

In jüngeren Dystopien gehört die Zukunft meist nicht mehr dem autoritären Staat, sondern übermächtigen Großkonzernen wie der Tyrell Corporation aus „Blade Runner“. Das spiegelt wider, dass wir uns eine Wirtschaft ohne Großkonzerne gar nicht mehr vorstellen können, wie die Sozialwissenschaftlerin Laura Horn in dem Sammelband beklagt.

Ist der Manager der jeweiligen Mega-Corporation besiegt, bleibt jedoch offen, wie es weitergeht. Auch wie es innerhalb der bösen Konzernzentralen aussieht und was die Mitarbeiter dort bewegt, ist selten Thema für Science-Fiction-Autoren.

Man kann aus Davies’ Band die Schlussfolgerung ziehen, dass Science-Fiction uns durch Verfremdung helfen kann, die Wirkungsweise des Geldes oder anderer gesellschaftlicher Institutionen besser zu verstehen und zu hinterfragen. Auch wären Seminare zu ökonomischer Science-Fiction für VWL-Studenten sicher beliebt, anregend und lehrreich. Viel mehr aber auch nicht.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Buchtipp: „Economic Science Fictions“ - Was die Volkswirtschaftslehre von Science- Fiction lernen kann – und umgekehrt

0 Kommentare zu "Buchtipp: „Economic Science Fictions“: Was die Volkswirtschaftslehre von Science- Fiction lernen kann – und umgekehrt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%