Buchtipp „Wenn das Volk sich erhebt“ Revolution!

Arabischer Frühling, Proteste in Gezi-Park und auf dem Maidan - ein revolutionärer Furor entlädt sich seit einigen Jahren in vielen Weltregionen. Aber was ist das eigentlich, eine Revolution. Gero von Randow hat ein kluges Buch darüber geschrieben.
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Revolutionen drohen derzeit überall auf der Welt. Quelle: AFP
Demonstration in der Ukraine

Revolutionen drohen derzeit überall auf der Welt.

(Foto: AFP)

DüsseldorfSozialkritisch-historische Einordnungen in Buchform haben mitunter drei entscheidende Merkmale: Sie kommen mit einer plakativen Überschrift daher, sind fast unerträglich moralisierend und entfalten schon nach wenigen Seiten den Charme eines Geschichtsbuchs der gymnasialen Oberstufe.

Schlussendlich landen sie auf dem „Was ich noch lesen muss“-Stapel, der das eigene Gewissen beruhigt und auf einen Sommerurlaub voll Muße wartet, der doch niemals kommen wird.

Gero von Randows Buch „Wenn das Volk sich erhebt“ könnte auch so ein Buch sein. Der Titel passt ganz wunderbar in das eingangs skizzierte Schema der moralisierenden Sozialkundebücher mit aufmerksamkeitserheischender Überschrift. Das allerdings ist auch die einzige Gemeinsamkeit. Für dieses Buch braucht es keine Stapel oder Sommerurlaube.

Der „Zeit“-Redakteur widmet sich auf knapp 290 Seiten der Revolution – mehr noch: Er nimmt seine Leser mit auf eine Forschungsreise auf der Suche nach einer Begrifflichkeit von Revolution – in ihre Vergangenheit, ihre Gegenwart und ihre Zukunft. Von Randow seziert sie und lässt nichts aus: Er begibt sich in die Tiefen ihrer Ursachen, Auswirkungen und Bedeutungen, untersucht ihre Sprache und Slogans, ihre Ziele und Phasen. Und er erstellt feine Typologien ihrer Protagonisten.

Ohne Mühe springt er dabei zwischen Jahrhunderten und Kontinenten hin und her. Das historische Aufarbeiten hat hier nichts mit Geschichtsunterricht zu tun – es ist detailreich, hintergründig und manchmal sogar amüsant. Der Unterhaltungsaspekt hängt auch an von Randows Sprache. Der Journalist versteht es, seinem Buch die Kurzweil eines Artikels zu geben.

Und er hat erkannt: Selbst Satzzeichen können dem Leser Freude machen, wenn sie die besondere Stimmungslage eines Textes markieren. So schreibt von Randow: „Was fällt noch auf? Zunächst, dass das Wort Revolution sich ganz gut mit einem Ausrufezeichen macht: Revolution!"

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