Colnaghi Modegeschäft vertreibt Alte Meister

Londons berühmte Altmeisterhandlung Colnaghi übergibt ihre Straßenfront an die Kleidermode und zieht ins Obergeschoss. Veränderte Handelsgewohnheiten machen den Verkauf in Erdgeschoss-Lage unrentabel.
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Der Altmeisterhändler Konrad Bernheimer ist in München und London vertreten. Quelle: Konrad Bernheimer, München, London

Der Altmeisterhändler Konrad Bernheimer ist in München und London vertreten.

(Foto: Konrad Bernheimer, München, London)

LondonDie Altmeisterhandlung Colnaghi, seit langem in deutscher Hand, muss sich nach dem Verkauf des Geschäftshauses in der Bond Street an eine Modekette in die oberen Stockwerke zurückziehen. Damit gibt die berühmteste Londoner Kunsthandelsgalerie, der sog. „Red Room“ auf.

Colnaghi ereilt kein unbekanntes Schicksal. Traditionsgalerien von Agnew’s bis Partridge’s und Mallet mussten bereits den Weg aus der einst renommiertesten Kunsthandelsstraße Europas in Obergeschosse und Nebenstraßen antreten. Neben den Auktionshäusern Bonhams und Sotheby’s sind nur noch Richard Green, die Fine Art Society und der Silberhändler S. J. Phillips in der Bond Street mit Straßenfronten vertreten. Mallet hat seinen Pachtvertrag im Sommer an die Modegruppe Fendi für 1,7 Millionen Pfund verkauft.

Handelsgewohnheiten ändern sich

„Zuerst war es ein Schock“, so Colnaghi-Besitzer Konrad Bernheimer über die Nachricht, dass sein Hausbesitzer, die Oetkergruppe, das Geschäft mit der Mode suchte. Aber nun sind er und Mitgesellschafterin Katrin Bellinger, Händlerin für Handzeichnungen, mit ihrem Schicksal versöhnt. Sie überlassen Erdgeschoss und ersten Stock der Modemarke Max Mara, wie es scheint, und übernehmen die verbleibenden drei Obergeschosse.

 „Die Zahl der Bilder, die wir von den Wänden des Red Room herab verkauft haben, ist gering“, gesteht Bernheimer. Eine Senkung der Betriebskosten ist immer willkommen. Auch in München hat Bernheimer die Ladenfront in der Briennerstraße abgegeben, weil es sich weder für ihn noch für Tochter Blanca und ihren Fotografiehandel gelohnt habe.

„Wir haben Colnaghi auf die nächste Stufe gehoben und fit für die Zukunft gemacht“, denkt er über sich ändernde Handelsgewohnheiten nach. Dabei zitiert er Giuseppe Tomaso di Lampedusa mit dem Spruch: „Es muss sich vieles ändern, damit alles so bleibt wie es ist“. Die neuen Räume seien heller, elegant und zeitgemäßer, sie böten praktisch so viel Platz wie bisher, auch für die berühmte Colnaghi-Bibliothek. Im Dezember gibt es die Weihnachtsparty noch in den alten Räumen, ab Januar wird oben gehandelt.

  • Matthias Thibaut
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