Deutsch-iranischer Schriftsteller Navid Kermani erhält Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

Navid Kermani ist Essayist, Publizist und großer Romancier – und kämpft als Orientalist und Muslim für den Dialog der Religionen. Nach vielen anderen Preisen kommt jetzt eine besonders renommierte Auszeichnung hinzu.
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Der 47-Jährige kommt aus einer Siegener Arztfamilie und wohnt aktuell in Köln. Quelle: dpa
Navid Kermani

Der 47-Jährige kommt aus einer Siegener Arztfamilie und wohnt aktuell in Köln.

(Foto: dpa)

Frankfurt/MainDer deutsch-iranische Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2015. Dies teilte der Stiftungsrat am Donnerstag in Frankfurt mit. Kermani sei eine der wichtigsten Stimmen in der heutigen Gesellschaft, in der Menschen mit unterschiedlichster nationaler und religiöser Herkunft ein friedliches Miteinander finden müssten, hieß es in der Begründung für die renommierte Auszeichnung.

Der 47-jährige Kermani, Sohn einer iranischen Arztfamilie aus Siegen, lebt seit langem in Köln. In seinen Sachbüchern hat sich der habilitierte Islamwissenschaftler und Muslim unter anderem mit dem Koran und der islamischen Mystik beschäftigt. In seinen Romanen wie zuletzt „Große Liebe“ (2014) geht es um Grundfragen der menschlichen Existenz wie Liebe und Sexualität, Verzückung und Tod.

Kermani hat auch jüngst in Reportagen aus den Kriegsgebieten des Nahen und Mittleren Ostens berichtet. Im vergangenen Jahr rief er in seiner Festrede vor dem Bundestag zum 65. Geburtstag des Grundgesetzes zu einer großzügigeren Flüchtlingspolitik auf.

Kermanis Werke zeigten, „wie sehr er sich der Würde des einzelnen Menschen und dem Respekt für die verschiedenen Kulturen und Religionen verpflichtet weiß“, heißt es in der Begründung weiter. „Und wie sehr er sich für eine offene europäische Gesellschaft einsetzt, die Flüchtlingen Schutz bietet und der Menschlichkeit Raum gibt.“

Kermani, der mit einer Islamwissenschaftlerin verheiratet und Vater zweier Töchter ist, wird die Auszeichnung am 18. Oktober zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse entgegennehmen. Der seit 1950 vergebene Preis, mit 25 000 Euro dotiert, ist einer der bedeutendsten in Deutschland. Geehrt wird damit eine Persönlichkeit aus dem In- oder Ausland, die vor allem auf den Gebieten Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat.

Die Literatur-Nobelpreisträger
Patrick Modiano
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Den französische Schriftsteller hat die schwedische Akademie mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Modiano wird wegen seiner eindrucksvollen und prägnanten Schilderungen der deutschen Besatzung Frankreichs gewürdigt. Die meisten seiner Romane erschienen in den 1980er und -90er Jahren. Aus diesem Grund wird Modiano von seinen Kritikern in Frankreich „Archäologe der Vergangenheit“ genannt...

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Es gab durchaus Kritik an der Verleihung an Modiano: So schreibt Emma Brockers vom „Guardian“: „Der eigentliche Skandal an Modianos Auszeichnung sei, dass Philipp Roth einmal mehr als Verlierer dasteht.“ Auch an der Frankfurter Buchmesse ist man überrascht. „Dass Patrick Modiano den Literaturnobelpreis 2014 erhält, damit haben auf der Buchmesse nur wenige gerechnet“, schreibt der WDR3 auf Twitter...

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Für den neuen Hanser-Verleger war die Auszeichnung eine große Freude, aber keine große Überraschung: In den vergangenen zwei Wochen sei Modiano ein heißer Kandidat gewesen, sagte Lendle der Presse. Er wurde mehrfach preisgekrönt. Im Jahr 1978 erhielt er für „Die Gassen der dunklen Läden“ den begehrten französischen Prix Goncourt. Die Werke von Modiano behandeln die Themen Erinnern, Vergessen, Schuld und Identität...

Nobel Prize in Literature
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Doch nicht jeder kennt den französischen Autor. „Erst mal Patrick Modiano googeln“, schreibt der Twitter-User Jason Green. So wie diesem Nutzer ging es offenbar vielen. Der Nutzer „Tuca“ wird noch deutlicher: „Wer zur Hölle ist Patrick Modiano?“

Alice Munro
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Die 1931 geborene Kanadierin erhielt den Literaturnobelpreis 2013 als „Virtuosin der zeitgenössischen Kurzgeschichte“, wie es in der Begründung heißt. Mehr als 150 Werke hat sie bis heute verfasst, einige davon wurden kurzzeitig sogar kostenlos im Internet angeboten.

Mo Yan
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Der 59-jährige chinesische Schriftsteller bekam den Nobelpreis im Jahre 2012, „weil er mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart vereint”. Es gab durchaus Kritik an der Verleihung an Yan: So sagte zum Beispiel der Künstler Al Weiwei der WELT: „Ich akzeptiere das politische Verhalten von Mo in der Realität nicht. Er ist möglicherweise ein guter Schriftsteller. Aber er ist kein Intellektueller, der die heutige chinesische Zeit vertreten kann.“ Sein letztes Werk erschien 2014 unter dem Titel „Wie das Blatt sich wendet. Eine Erzählung aus meinem Leben“.

Tomas Tranströmer
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2011 bekam der Schwede Tomas Tranströmer (1931-2006) den Literturnobelpreis, „weil er uns in komprimierten, erhellenden Bildern neue Wege zum Wirklichen weist“. Der Lyriker veröffentlichte 16 Werke, darunter eine Selbstbiografie.

Zu den bekanntesten Preisträgern gehören Albert Schweitzer (1951), Hermann Hesse (1955), Astrid Lindgren (1978), Siegfried Lenz (1988), Mario Vargas Llosa (1996), Martin Walser (1998), Jürgen Habermas (2001), Orhan Pamuk (2005) und David Grossman (2010). Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an den amerikanischen Internetpionier und -kritiker Jaron Lanier.

  • dpa
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