Handelsblatt-Clubgespräch Videokunst-Sammlerin Julia Stoschek: „Die Kunst ist nur noch eine Datei“

Videokunst ist nicht dekorativ und häufig unbequem. Der Sammlerin Julia Stoschek gelingt es dennoch, die Handelsblatt-Clubmitglieder dafür zu öffnen.
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„Nur Masterpieces“ erworben. Quelle: Tim Frankenheim für Handelsblatt
Julia Stoschek im Gespräch

„Nur Masterpieces“ erworben.

(Foto: Tim Frankenheim für Handelsblatt)

Düsseldorf„Die Kunst lässt immer Rückschlüsse zu auf das Wertesystem einer Gesellschaft“, antwortete die Kunstsammlerin Julia Stoschek auf die Frage nach dem Bezug zwischen aktuellem Populismus, Protektionismus und der Kunst von heute.

Gestellt hatte sie Hans-Jürgen Jakobs, Senior Editor im Handelsblatt, beim Clubgespräch am Mittwochabend in der Julia Stoschek Collection in Düsseldorf-Oberkassel. Die Freiheit der Kunst sei jetzt wichtiger denn je, meinte die Gastgeberin, deren Urgroßvater den Autozulieferer Brose gegründet hatte.

850 Kunstwerke umfasst die in Europa einzigartige Spezialsammlung, die seit elf Jahren in einer ehemaligen Rahmenfabrik öffentlich zugänglich ist. Schon mal Lehrgeld gezahlt? Nein, weil sie vorher viel recherchiert und „nur Masterpieces“ erwirbt. Und eine Arbeit zu verkaufen kann sie sich gar nicht vorstellen, eher zu tauschen.

Offen und humorvoll gab die Betriebswirtin Einblick in ihren Umgang mit sogenannter zeitbasierter Medienkunst. Videos und Mehrkanalprojektionen reflektieren „als jüngstes Medium der Kunstgeschichte den größten soziokulturellen Wandel seit Gutenberg, den wir gerade mit der Digitalisierung erleben“. Mit ihren beiden Museen – in Berlin unterhält sie seit 2016 eine Dependance – möchte sie die Akzeptanz der bisweilen unbequemen, nie dekorativen Medienkunst erhöhen.

Im munteren Hin und Her zwischen Politik, Kunst, Sammlung und Familie stellte die 43-Jährige klar: Das Bild vom Malerfürsten, der einsam im Atelier den Pinsel schwingt, hat ausgedient. „Junge Künstler arbeiten heute im Kollektiv und setzen aufs Sharing. Die Kunst ist nur noch eine Datei.“

Die Vorreiterin für das Bewegtbild machte klar, dass sie Kunstwerke nach Inhalt und künstlerischer Form aussucht, nicht nach Künstlernamen, die in aller Munde sind. Denn das Namedropping führe beispielsweise in den USA zu austauschbaren Sammlungen.

Beim anschließenden Rundgang durch die aktuelle Ausstellung „Generation Loss. Ten Years of the Julia Stoschek Collection“ (verlängert bis 29.7.) übertrug sich die sprühende Begeisterung der erfahrenen Sammlerin auf die Handelsblatt-Clubmitglieder.

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