Helge Achenbach verurteilt Genugtuung für Aldi-Witwe

Helge Achenbach hatte eine Freiheitsstrafe erwartet. Doch das Urteil fällt hart aus: Der Kunsthändler muss für sechs Jahre hinter Gitter. Die Richter bleiben nur geringfügig unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.
Update: 16.03.2015 - 11:36 Uhr 1 Kommentar
Der Kunsthändler wurden in Essen zu sechs Jahren Haft verurteilt. Quelle: dpa
Helge Achenbach muss hinter Gitter

Der Kunsthändler wurden in Essen zu sechs Jahren Haft verurteilt.

(Foto: dpa)

EssenDer Düsseldorfer Kunstberater Helge Achenbach ist zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Im Prozess um Betrug an vermögenden Kunden sprach das Landgericht Essen den 62-Jährigen am Montag unter anderem des Betrugs in 18 Fällen schuldig.

Achenbach hatte gestanden, den 2012 gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht sowie den Pharma-Unternehmer Christian Boehringer betrogen zu haben. Der einst angesehene und weltweit vernetzte Kunstexperte hatte seinen vermögenden Kunden bei Kunstverkäufen verdeckte Preisaufschläge berechnet und dafür auch Rechnungen gefälscht.

Die Anklage hat sieben Jahre Haft für den seit Juni 2014 in Untersuchungshaft sitzenden Achenbach gefordert. Die Verteidigung hatte auf ein deutlich niedrigeres Strafmaß plädiert. Achenbachs mitangeklagter ehemaliger Geschäftspartner Stefan H. bekam eine Bewährungsstrafe.

Laut Anklage entstand bei den Kunst- und Oldtimerverkäufen an Albrecht ein Schaden von insgesamt fast 20 Millionen Euro. Achenbach hatte die Betrugsvorwürfe bei den Fahrzeugverkäufen stets zurückgewiesen. Er habe seinen Duzfreund Albrecht über die Preisaufschläge aufgeklärt. Einen schriftlichen Vertrag zwischen Achenbach und dem Milliardär gab es nicht.

Nach dem Tod Albrechts hatte dessen Witwe Babette die Rechnungen überprüft und Unregelmäßigkeiten entdeckt. Eine Strafanzeige der Familie Albrecht hatte die Ermittlungen gegen Achenbach in Gang gebracht. Achenbach hatte vor Gericht mehrmals Reue gezeigt und sich entschuldigt. In seinem Schlusswort hatte er unter Tränen gesagt, dass er sich für seine Taten schäme. Er wisse, dass er eine Freiheitsstrafe zu erwarten habe.

Die Chromjuwelen der Aldi-Erben
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Helge Achenbach, hier eine Archivaufnahme mit seinem Bentley S1, beriet unter anderem den 2012 verstorbenen Unternehmer Berthold Albrecht (Aldi). Dabei soll er in berügerischer Absicht Einkaufspreise zu hoch angesetzt und Rechnungen falsch beziffert haben. Eine Schadenshöhe von rund 19 Millionen steht im Raum, um die sich die Witwe von Berthold Albrecht, Babette Albrecht, mit Achenbach vor Gericht streitet.

Foto: Andreas Endermann/dpa

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Wie "Bild" berichtete, brachte ein Jaguar E-Type die Affäre ins Rollen. Insgesamt soll Achenbach den Albrechts zehn Oldtimer beschafft haben. Bei dem Kult-Roadster aus den 60er-Jahren soll der von Achenbach berechnete Preis überhöht sein, weil Restaurierungsarbeiten z.B. an der Karosserie nicht in der Qualität wie von Achenbach angegeben durchgeführt worden waren. Gut erhaltene E-Types früher Baureihen werden heute kaum unter 100.000 Euro gehandelt.

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Als „Leckerbissen der damaligen Zeit“ bezeichnete ein Zeuge im Achenbach-Prozess die restaurierten Fahrzeuge, die der angeklagte Helge Achenbach für Aldi-Erbe Berthold Albrecht auftrieb. Sieben alte Fahrzeuge, zumeist Mercedes, ließ Albrecht von Achenbach bei einem süddeutschen Restaurationsbetrieb kaufen. Diese waren aber nicht Gegenstand des Strafprozesses gegen Achenbach vor dem Essener Landgericht.

Die Anklage wirft Achenbach vor, den Milliardär bei 14 Kunstverkäufen und neun Oldtimergeschäften um rund 23 Millionen Euro betrogen zu haben. Achenbach hatte zugegeben, beim Verkauf von Kunst unberechtigte Aufschläge vorgenommen und Rechnungen manipuliert zu haben. Bei den Oldtimer-Verkäufen habe er Albrecht jedoch nicht getäuscht ...

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Laut dem Zeugen war Albrecht seinem Freund Achenbach so dankbar für die Oldtimer-Dienste, dass er ihm ein altes Auto schenkte. Ein 150.000 Euro teures Mercedes 300 B Cabrio habe der Aldi-Erbe bei ihm gekauft, „damit Achenbach gemeinsam mit ihm in die Schweiz fahren konnte“, sagte der Restaurator im Prozess.

Bei den Oldtimer-Verkäufen habe er Albrecht über die Preisaufschläge vorab informiert, sagt Achenbach, der seit Juni 2014 in Untersuchungshaft sitzt. Seine Firmen sind inzwischen insolvent. Seine Kunstsammlung soll demnächst versteigert werden.

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Bei Kienle Automobiltechnik in Heimerdingen kaufte Achenbach für Albrecht ein exklusives Einzelstück: einen Mercedes 380 K von 1934, das erste Cabriolet der Welt mit einem klappbaren Blechdach. Das Auto war von Mercedes als Versuchsfahrzeug gebaut worden, mit einer speziellen Dachkonstruktion und einem besonderen Motor. Man einigte sich auf rund eine Million Euro.

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Mithilfe von Achenbach und der Beratung unter anderem durch Florian Zimmermann, den früheren Leiter des Mercedes-Benz Classic Centers in Fellbach bei Stuttgart, erwarb Achenbach nach dem Mercedes 380 K für Albrecht auch noch einen 86 Jahre alten Mercedes 680 S Roadster mit einem avantgardistischen Aufbau des französischen Karossiers Saoutchik. Ein ähnliches Fahrzeug wurde 2013 für umgerechnet knapp 6,2 Millionen Euro versteigert.

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Zudem kaufte Albrecht für angeblich 9,6 Millionen Euro einen Ferrari-Rennwagen vom Typ 121 LM aus dem Jahr 1955, hübsch anzusehen, aber schwer zu bändigen und meist auch sehr unzuverlässig. Die Fahrzeuge wurden vom Werk früher unter anderem beim heutigen Oldtimer-Rennen Mille Miglia und bei den 24 Stunden von Le Mans eingesetzt.

Achenbachs Firmen- und Restaurantkette ist inzwischen insolvent. Seine umfangreiche Kunstsammlung wird demnächst versteigert. Vom Landgericht Düsseldorf war Achenbach in einem Zivilprozess zur Zahlung von 19,4 Millionen Euro Schadensersatz an die Albrecht-Erben verurteilt worden. Das Urteil hat er angefochten.

Dorothee Achenbach, die Ehefrau des Kunstberaters, war zur Urteilsverkündung auch gekommen. An ihrer Seite war auch einer der Achenbach-Söhne. Schon als der Kunstberater vergangene Woche das letzte Wort hatte, nach dem Plädoyer seiner Anwälte, hatte sie ihm eine Kusshand zugeworfen.

Nun trat sie auf in weißer Bluse, schwarzem Blazer, eng anliegender dunkler Hose und schicken hochhackigen Schuhen. Ein kontrastierender Auftritt zu jenem Zeitungs-Interview vor wenigen Monaten, in dem sie ihre Situation beklagte, dass sie kein Auto mehr besitze.


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1 Kommentar zu "Helge Achenbach verurteilt: Genugtuung für Aldi-Witwe"

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  • Wo klein Hänschen nachrechnen kann, ist die Strafe leicht zu definieren. Wo ein Partei Bonze eine ganze Bank versenkt, wie in Bayern geschehen, findet man die Beweisstücke nicht und er geht frei aus. Schäuble sitzt immer noch als Minister da, auch wenn 100 000 eben nur peanuts sind. Der Kunsthändler hat die falsche Herkunft und die falsche Bildung, nämlich zu viel davon. Überhaupt sollte man bei Tricksereien mit Geld in Deutschland Ausländer, aber mindestens Passdeutscher mit leidvollem Migrationshintergrund mit komplizierten Familienverhältnissen sein, um durch das dadurch erlittene Trauma die Milde der Richter voll geniessen zu können.

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