Kommentar Bayer zieht „Mars“-Skulptur von Auktion zurück – und rettet seinen Ruf

Mit der geplanten Versteigerung des „Mars“ hätte der Konzern einen großen Fehler begangen. Auch Museen können Millionensummen bezahlen.
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Die Skulptur von Giambologna (1529-1608) wurde vor der Versteigerung gerettet. Quelle: Reuters
„Dresdener Mars“

Die Skulptur von Giambologna (1529-1608) wurde vor der Versteigerung gerettet.

(Foto: Reuters)

Unternehmerische Freiheit ist ein hohes Gut. Eine Firma, die Kunst sammelt, hat die Freiheit, sich von einzelnen Kunstwerken ihrer Corporate Collection zu trennen. Sofern es einen triftigen Grund gibt, der das Ansehen als ethisch verantwortungsvoller Corporate Citizen nicht beschädigt. Bayer indes entschied, das wertvollste Kunstwerk der Firmensammlung zu versteigern. Mit dem Erlös sollte zeitgenössische Kunst gefördert werden.

Die Bronzestatuette des Kriegsgottes Mars hatte der Renaissance-Künstler Giambologna 1587 Kurfürst Christian I. von Sachsen als persönliches Geschenk übereignet. Ein perfekter Guss, der auch noch dokumentiert ist. 1924 ging der spannungsgeladene Akt durch „Fürstenabfindung“ aus Dresden zurück an die Wettiner.

1927 erwarb sie der Generaldirektor der Chemischen Werke Griesheim-Elektron, die zur IG Farben gehörten, im Kunsthandel. Durch Schenkung gelangte das museale Meisterwerk 1988 in die Bayer AG. Sotheby’s sollte das Kunstwerk am Mittwoch in London versteigern für drei bis fünf Millionen Pfund.

Doch am Montag gab Bayer bekannt, dass der „Mars“ von der Auktion zurückgezogen und stattdessen direkt an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) verkauft werde. Das hatte die entrüstete Fachwelt zuvor gefordert. Die Argumentation des Chemiegiganten für eine Auktion war schwach: Man wolle für die Aktionäre das Meiste herausholen.

Dabei übersahen die Leverkusener, dass auch deutsche Museen Millionensummen bezahlen können. In diesem Fall sprangen quasi in letzter Minute der Freistaat Sachsen, die Kulturstiftung der Länder, die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Kulturstaatsministerin ein.

Mit der späten Einsicht, dass der gut dokumentierte „Mars“ nach Dresden gehört, ist die Bayer AG, die sich sogar eine eigene Kulturabteilung leistet, knapp am Gesichtsverlust vorbeigeschrammt. Eigentum verpflichtet – in diesem Fall zu Dialog und Provenienz.

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