Kunstauktionen in London Franz Marcs Pferde machen bei Christie's das Rennen

Christie's punktet in London mit erstklassigen Papierarbeiten und starken Ergebnissen für Skulpturen. Sotheby's Bilanz lässt dagegen zu wünschen übrig.
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Die Gouache-Studie „Drei Pferde“ des Münchener Expressionisten von 1912 erreichte nach einem Bietgefecht 15,4 Millionen Pfund. Quelle: Christie's Images
Franz Marc

Die Gouache-Studie „Drei Pferde“ des Münchener Expressionisten von 1912 erreichte nach einem Bietgefecht 15,4 Millionen Pfund.

(Foto: Christie's Images)

LondonEinen überraschenden Spitzenreiter gab es bei Christie‘s: Die schier an Perfektion grenzende Gouache-Studie dreier Pferde des Münchener Expressionisten Franz Marc aus der Hochphase des Blauen Reiters von 1912 entfachte bei Christie‘s ein Bietgefecht im Saal und am Telefon, das die Schätzung von 2,5 bis 3,5 Millionen Pfund mit 15,4 Millionen Pfund versechsfachte.

Leider erinnert die Abbildung im Katalog nur vage an die Farbgebung im Original, der Weltrekord für die kleinformatige Verbildlichung der Harmonie von Tier und Natur zeigt auf, dass es doch vielleicht manchmal wirklich ein Kenner ist, der die Seltenheit und Bedeutung einer Arbeit erkennt.

Dabei half dem Bieter aus dem Saal sicherlich die erstklassige Provenienz – vom Künstler einst dem berühmten Hagener Sammler Karl Ernst Osthaus geschenkt, wurde die Arbeit von den Nazis konfisziert und kam über den berüchtigten Hildebrand Gurlitt und das Auktionshaus Ketterer in die New Yorker Sammlung von Kurt H. Grunebaum, dessen Erben sich über den Geldregen sicherlich freuen werden.

Überhaupt waren es vor allem delikate Papierarbeiten, die in dieser von wenigen Auktionsrekorden gesegneten Woche von sich reden machen konnten. Kasimir Malewitschs großformatige, figurative, frühe „Landschaft“ von 1911 erzielte bei 7,8 Millionen Pfund ebenfalls einen Weltrekord, und Egon Schieles „Kniendes Mädchen, sich den Rock über den Kopf ziehend“ (1910) verdreifachte die Schätzung von 450.000 bis 650.000 Pfund und erzielte 1,6 Millionen Pfund. Bei dem Malewitsch handelte es sich um eine Restitutionsarbeit – sie wurde erst 2012 vom Kunstmuseum Basel an die Künstlererben zurückerstattet.

Nicht überraschend waren es bei Christie‘s vor allem marktfrische Arbeiten (67 Prozent der 45 Lose kamen zum ersten Mal in 20 Jahren auf den Markt), die die Käufer begeisterten. Eine der wenigen Ansichten des Gare Saint-Lazare von Claude Monet (1877), die sich noch in privater Hand befinden, stammte aus der amerikanischen Sammlung von Nancy Lee & Perry R. Bass. Ohne Garantie versehen, erzielte die impressionistische Ansicht einer modernen Stadt ohne Schwierigkeiten 25 Millionen Pfund – komfortabel im Bereich der Erwartungen, die nur auf Anfrage bekanntgegeben worden waren.

Starke Skulpturen

Auch im Skulpturen-Bereich stand Christie‘s stark da. Eine Gruppe mit selten im Markt zu sehenden Arbeiten Camille Claudels fand mit exzellenten Preisen um die Millionengrenze ebenso Liebhaber wie ein zu Lebzeiten des Künstlers entstandener Kuss (1885, gegossen 1890) von Claudels Zeitgenossen (und Liebhaber) Auguste Rodin, der statt erwarteter fünf bis sieben Millionen Pfund erst bei 12,6 Millionen Pfund abgegeben wurde. Der Käufer hatte die Bronze im Jahr 2000 bei Christie’s New York für 2,75 Millionen Pfund ersteigert.

Natürlich durfte auch in dieser Auktion kein Pablo Picasso fehlen. „Femme dans un fauteuil (Dora Maar)“ von 1942 war zuletzt 1990 von Sotheby’s ohne Erfolg bei einer Schätzung von drei bis 3,5 Millionen angeboten worden, ging im Nachverkauf an den privaten europäischen Einlieferer, und brachte mit 19,3 Millionen Pfund diesem sicher einen guten Gewinn.

Das 1877 entstandene Gemälde „La Gare Saint-Lazare“ erzielte 25 Millionen Pfund. Quelle: Christie's Images
Claude Monet

Das 1877 entstandene Gemälde „La Gare Saint-Lazare“ erzielte 25 Millionen Pfund.

(Foto: Christie's Images)

Durchweg gute Preise mit einer Verkaufsrate von Los bezogenen 84 Prozent und 96 Prozent bezogen auf die Erträge führten hier zu einem Gesamtergebnis von 128 Millionen Pfund. Dieser Erfolg schloss sich nahtlos dem guten Resultat der Auktion vom Vortag an. Die Versteigerung mit vor allem erstklassigen Skulpturen von Henry Moore, Barbara Hepworth und Lynn Chadwick in der sogenannten „Modern British Art“, in der 94 Prozent der Arbeiten verkauft wurden, brachte dem Haus noch zusätzlich 26,3 Millionen Pfund Umsatz.

Ganz im Gegensatz zu Sotheby’s konnte Christie’s seine marktführende Position auch dadurch bestätigen, dass das Haus bei 45 aufgerufenen Losen nur zwei mit Garantien versah, während Sotheby’s bei 36 Losen dreizehn vermutlich nur durch die Vergabe von Garantien gewinnen konnte. Dass von diesen einige unverkauft blieben, wird die Bilanzen des Hauses eventuell noch einige Zeit belasten.

Konnte Sotheby’s zwar mit einem Gemälde von Pablo Picasso aus dem Jahr 1932, dem Jahr, dem die Tate Modern gerade eine Blockbusterausstellung widmet, den insgesamt höchsten Preis der Woche erzielen, so hörten damit die guten Neuigkeiten der schwachen Auktion fast schon auf. „Buste de femme de profil (Femme écrivant)“ war 1997 noch für 2,4 Millionen Pfund verkauft worden. Im Vorfeld der jetzigen Versteigerung sprach das Haus von erwarteten 33 Millionen Pfund, an die die erzielten 27,3 Millionen Pfund bei Weitem nicht herankamen; dennoch natürlich eine Verzehnfachung des historischen Preises.

Nur 36 Lose

Schon bei der Vorbesichtigung musste man genauer hinschauen, um die nur 36 Lose der Abendauktion auszumachen, die von den Zeitgenossen bereits im Vorfeld verdrängt waren. War die Auktion auf zwischen 100 und 125 Millionen Pfund geschätzt, so spielte sie nur 87,5 Millionen Pfund ein, unter den Ergebnissen der Vorjahre.

Noch trauriger wäre es gewesen, wenn nicht Alberto Giacomettis ausgezehrte Katze „Le Chat“, die angeblich aufgrund verspäteter Einfuhrlizenzen nicht wie angekündigt in New York zum Aufruf kam, 12,6 Millionen Pfund zum Endergebnis beigetragen hätte. Aber auch hier liegt das Ergebnis um einiges unter den Erwartungen in New York, wo „Le Chat“ noch mit 20 bis 30 Millionen Pfund im Katalog gelistet war.

Zu den Verlierern des Abends, die unverkauft blieben zählten eine kleine Papierarbeit „Begrüßung“ von August Macke von 1913 (Schätzung 400.000 bis 600.000 Pfund) ebenso wie Claude Monets „Port de Zaandam“ (3,5 bis 5,5 Millionen Pfund), das mit einer Garantie des Hauses versehen war. Sollte die holländische Landschaft im Nachverkauf keinen Liebhaber mehr finden, wird sie im Besitz des Auktionshauses bleiben.

Auch Max Liebermanns „Birkenallee im Wannseegarten, Blick auf das Kohlfeld“ von 1919 konnte ebenfalls niemanden überzeugen. Mit 600.000 bis 800.000 Pfund war London vielleicht nicht der richtige Marktplatz.

Neben den insgesamt drei unverkauften Claude Monets zeigt sich hier einfach, dass Künstlernamen keinen Verkauf garantieren und dass manchmal doch einfach auch ein angemessener Verkaufsstandort mit realistischeren Preisen eher geholfen hätte. Wie Emma Ward von Dickinson es so treffend nach der Auktion formulierte: Hohe finanzielle Garantien garantieren nicht immer eine profitable und erfolgreiche Auktion.

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