Literatur aus Rumänien

Rumänien – im Bild eine Filiale der Buchhandlung Carturesti in Bukarest – ist 2018 Gastland der Leipziger Buchmesse.

(Foto: dpa)

Leipziger Buchmesse Was Sie über die Buchmesse in Leipzig wissen müssen

Vier Tage lang blicken Literaturfreunde in kommender Woche nach Leipzig: Alles, was Lesefans und Besucher über die Buchmesse wissen müssen.
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Bücher, Literaturstars und Debütanten – Leipzig wird in der kommenden Woche vier Tage lang zum Place to be für Literaturfans. Die Besucher werden vom 15. bis 18. März auf eine literarische Weltreise geschickt. Aber vor allem steht der Leipziger Bücherfrühling im Zeichen politisch brisanter Themen weltweit.

„Selten wurden die Debatten in Deutschland um Politik so hitzig geführt wie in den letzten Jahren“, verspricht Buchmessedirektor Oliver Zille. Das sei auch gut so: Schließlich bestimme die Politik „nicht nur unser Lesen, Lernen und Leben, auch wir bestimmen die Politik“.

So stellt die Messe die europäischen Werte auf den Prüfstand. Sind wir wirklich die Besten? Unter dieser Überschrift lädt Kurator Mohamed Amjahid internationale Gäste aus Zivilgesellschaft, Kultur, Wissenschaft und Medien ein, über die europäische Vergangenheit zu reflektieren, über Gegenwart zu streiten und Ideen für die Zukunft des Kontinents zu entwickeln.

Alles über den Preis der Leipziger Buchmesse und die Nominierten
BELLETRISTIK, Isabel Fargo Cole: „Die grüne Grenze“
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Der Inhalt: Ein junges Paar zieht im Jahr 1973 von Berlin in das Örtchen Sorge im Harz, im Sperrgebiet der DDR. Editha ist Bildhauerin, Thomas schreibt einen historischen Roman über die Grenze, der argwöhnisch beäugt wird. Als beide von einer verdrängten Vergangenheit heimgesucht werden, kommen auch tiefere Schichten der deutschen Geschichte zutage.

Die Jury: „Unter jedem Meter Waldboden im Sperrgebiet des Harzes drängen sich deutsche Geschichte, Kultur, Mythologie. Isabel Fargo Coles großer Deutschlandroman lebt von seinen eigenwilligen und überraschenden Figuren und kommt ohne Nostalgie und auftrumpfende Geste aus.“

Die Autorin: Isabel Fargo Cole (geboren 1973 in Galena im US-Staat Illinois) wuchs in New York auf und lebt seit 1995 als Autorin und Übersetzerin in Berlin. 2013 erschien ihre Novelle „Ungesichertes Gelände“ (mikrotext).

Georg Klein: „Miakro“
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Der Inhalt: In einer scheinbar hermetisch geschlossenen Arbeitswelt arbeitet der Trupp des „mittleren Büros“ an Pulten aus „weichem Glas“ und wird von einer obskuren Nährsubstanz am Leben erhalten. Büroleiter Nettler, dem nachts durch einen rätselhaften „Binnenwind“ der Schlaf geraubt wird, wagt mit drei Kollegen den Ausbruch.

Die Jury: „Nährgänge, Raupenroboter, Irrgläser: Die wundersamen Welten dieses Romans liegen in weiter Ferne und sind doch auch vage vertraut. Georg Kleins phantastische Formkunst lässt Mensch und Technik ineinander morphen – eine glänzende Feier der Imagination.“

Der Autor: Georg Klein (geboren 1953 in Augsburg) lebt als Autor in Ostfriesland. Für seine Romane und Erzählungen wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem 2000 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis. Für den Roman „Unserer Kindheit“ erhielt er 2010 den Preis der Leipziger Buchmesse.

Anja Kampmann: „Wie hoch die Wasser steigen“
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Der Inhalt: Wenzel Groszak ist Ölbohrarbeiter auf einer Plattform mitten im Meer. Er verliert seinen Kollegen und einzigen Freund Matyás bei einem Unfall. Wenzel reist nach Ungarn, um Matyás' Habseligkeiten zu dessen Familie zu bringen. Dort beginnt er sich an die Zechensiedlung seiner Kindheit im Ruhrgebiet zu erinnern, von wo er einst aufgebrochen war, um Geld zu verdienen.

Die Jury: „Eindringlich und in konzentrierter poetischer Verdichtung erzählt Anja Kampmann von der Verlorenheit des Menschen in Zeiten der Globalisierung und von dem Versuch, die eigene Identität wiederzufinden. Ein gegenwärtiger Roman, dessen Sprache überzeitlich Existentielles aufreißt.“

Die Autorin: Anja Kampmann (geboren 1983 in Hamburg) schreibt Lyrik und Prosa und arbeitet freiberuflich beim Rundfunk. 2017 war sie mit Auszügen aus „Wie hoch die Wasser steigen“ Finalistin beim Alfred-Döblin-Preis. Ihre Gedichte wurden in mehrere Sprachen übersetzt. 2016 erschien ihr Gedichtband „Proben von Stein und Licht“. Der nominierte Roman der gebürtigen Hamburgerin Anja Kampmann handelt von einem Ölbohrarbeiter, der in einer stürmischen Nacht seinen einzigen Freund verliert und dann durch die Welt reist: aus der Fremde zurück in die eigenen Heimat, mit dem versuch aus einer bodenlosen Arbeitswelt zurückzufinden ins eigene Leben.

Esther Kinsky: „Hain. Geländeroman“
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Der Inhalt: Italienische Reisen eigener Art unternimmt die Ich-Erzählerin, in denen Landschaftsmeditation, Kindheitserinnerungen und Trauer zusammenkommen. Nicht nach Rom, Florenz oder Siena zieht es sie, sondern in abseitige Landstriche. Zwischen diesen Geländeerkundungen führt die dritte Reise die Erzählerin zurück in ihre Kindheit.

Die Jury: „Drei italienische Reisen zwischen Erinnerung und Gegenwart. Eine Trauernde durchquert Seelenlandschaften fernab der touristischen Pfade. Stille, fast übersinnlich präzise Beobachtungen, die ihre Tiefe ganz aus der Versenkung in die Oberfläche gewinnen.“

Die Autorin: Esther Kinsky (geboren 1956 in Engelskirchen/NRW) lebt und arbeitet in Berlin. Für ihr umfangreiches Werk, das Übersetzungen aus dem Polnischen, Russischen und Englischen ebenso umfasst wie Lyrik, Essays und Erzählprosa, wurde sie vielfach ausgezeichnet. Zusammenhang mit einer Berichterstattung über Buchmesse Leipzig und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits Nutzung nur nach vertraglicher Vereinbarung +++ dpa-Bildfunk +++

Matthias Senkel: „Dunkle Zahlen“
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Der Inhalt: Im Jahre 1985 hält die internationale Programmierer-Spartakiade in Moskau die akademische Welt in Atem. Hier messen sich aufstrebende Mathematiker in den Techniken der Zukunft. Doch die kubanische Nationalmannschaft ist kurz vor der Eröffnung des Wettbewerbs spurlos verschwunden. Architekten und Agenten, dichtende Maschinen und sogar Stalins leibhaftiger Schatten treffen in dieser Romangroteske aufeinander.

Die Jury: „Anarchisch, ironisch, eine sprachlich schillernde Hommage an den Unernst. `Dunkle Zahlen` ist ein wilder Ritt durch die Welt der Programmierer, ein verrückter Computerroman, der nicht nur mit den Möglichkeiten des Digitalen spielt, sondern auch die russische Geschichte fantastisch aufwirbelt.“

Der Autor: Matthias Senkel (geboren 1977 in Greiz/Thüringen) lebt und schreibt in Leipzig. 2012 erschien sein Debütroman „Frühe Vögel“, der unter anderem mit dem Uwe-Johnson-Förderpreis ausgezeichnet wurde. Im selben Jahr nahm er am Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt teil.

SACHBÜCHER, Gerd Koenen: „Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus“
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Der Inhalt: Gerd Koenen schildert die Geschichte des Kommunismus als untrennbaren Teil der Entwicklung menschlicher Gesellschaften. Er klärt nicht nur historisch-politische Zusammenhänge, sondern geht auch den utopischen Versprechen nach, die sich in unterschiedliche Ideologien übersetzen und in Terror und Paranoia umschlagen.

Die Jury: „Eine Idee macht Geschichte und erobert den halben Planeten, bis sie zerfällt. Gerd Koenens große Erzählung durchleuchtet den Kommunismus, erkundet seine geistigen Ursprünge, verknüpft schillernde Facetten: Denker und Revolutionäre, Gefühle und Gewalt, Verbrechen und Utopie.“

Der Autor: Gerd Koenen (geboren 1944 in Marbach an der Lahn/Hessen) lebt als Historiker und Autor in Frankfurt am Main. Er arbeitete unter anderem als wissenschaftlicher Mitarbeiter von Lew Kopelew sowie als freier Publizist. 2007 erhielt er für sein Buch „Der Russland-Komplex“ den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung.

Martin Geck: „Beethoven. Der Schöpfer und sein Universum“
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Der Inhalt: Martin Geck gilt als einer der besten Beethoven-Kenner. In Porträts erschließt die Biographie die Vorbilder Beethovens Er untersucht den Einfluss Shakespeares und Rousseaus auf den Komponisten, welches Verhältnis er zu seinen Zeitgenossen wie Goethe, Napoleon und Schubert hatte und wie wichtig Ludwig van Beethoven seinerseits für Richard Wagner, Glenn Gould oder Aldous Huxley war.

Die Jury: „Ein Porträt des Komponisten im Spiegel überraschender geistesgeschichtlicher Konstellationen. Mit erzählerischer Verve schlägt Martin Geck Schneisen durch das Massiv Beethoven: analytisch gewitzt, assoziativ gewagt und stets am Beispiel des musikalischen Materials.“

Der Autor: Martin Geck (geboren 1936 in Witten/NRW) lehrte bis zu seiner Emeritierung Musikwissenschaft an der Universität Dortmund. Seine Bücher zur Musikgeschichte und Biographien großer Komponisten wurden in viele Sprachen übersetzt.

Zudem tauchen Messebesucher in die aktuelle amerikanische Gesellschaft ein, verfolgen eine ungeschminkte Abrechnung mit der russischen Nachwendegeschichte und erhalten Einblicke der Autoren, die mit der türkischen Staatsgewalt aneinandergeraten sind.

Politik und Gesellschaftskritik sind aber nur zwei Aspekte auf der Buchmesse. Es ist für jeden Buchfan etwas dabei: Ob Krimis, Kochbücher, historische Romane oder Porträts, die Besucher kommen auf ihre Kosten. Auch Promi-Fans können sich freuen: Unter anderen lesen Sebastian Fitzek, Arno Geiger, Bernhard Schlink, Fabian Kahl und Gregor Gysi aus ihren neuen Büchern.

Bunt und schrill wird es auf der Manga-Comic-Con. Zu Tausenden strömen die Fans in oftmals selbstentworfenen farbenfrohen Kostümen auf das Messegelände. Die Mangaanhänger können ihren Idolen Toyotarou, Mika Yamamori und Osora über die Schulter schauen, und für die europäischen Comic-Kollegen sind Goran Sudzuka, Mirka Andolfo und Miguel Diaz Vizoso ein Muss.

Zu den Höhepunkten des Branchentreffs zählt die Verleihung des renommierten Preises der Leipziger Buchmesse. In der Sparte Belletristik sind Isabel Fargo Cole („Die grüne Grenze“), Anja Kampmann („Wie hoch die Wasser steigen“), Esther Kinsky („Hain: Geländeroman“), Georg Klein („Miakro“) und Matthias Senkel („Dunkle Zahlen“) nominiert.

Außerdem gibt es Auszeichnungen in den Kategorien Sachbuch/Essayistik und Übersetzungen. Den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2018 erhält die norwegische Autorin Åsne Seierstad für ihr Werk über den norwegischen Massenmörder Anders Breivik.

Brisanz steckt in diesem Jahr besonders in dem Auftritt rechter Verlage auf der Buchmesse. Auf der Frankfurter Buchmesse hatte dies im vergangenen Herbst viel Ärger und Protest ausgelöst. Auch in Leipzig sind Aussteller wie Compact seit Jahren vertreten. Diese Verlage haben nach Ansicht von Messedirektor Zille das gleiche Recht auszustellen wie andere Kunden auch, so lange ihre Publikationen sich im Rahmen der Gesetze bewegten.

Die Buchmesse trete aufgrund ihres Statuts für die Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit ein. „Der kommunikative Aufschwung der rechten Szene ist ein gesellschaftliches Phänomen. Wir sind einer der wenigen analogen Orte, wo eine Auseinandersetzung mit Rechts stattfinden kann“, betont Zille. Die Messe stehe für Offenheit, Vielfalt und Austausch.

Das diesjährige Gastland Rumänien will tiefe Einblicke in die Region am östlichen Rand Europas geben. Rund 50 rumänische Autoren und Künstler werden ihre Neuerscheinungen präsentieren und über Sichtweisen auf ihr Land, seine Geschichte und die aktuelle gesellschaftspolitische Situation diskutieren. Es gebe jenseits der Klischees vieles über die historische Entwicklung dieses Landes im 20. Jahrhundert zu erfahren, erklärt Luminița Corneanu vom rumänischen Kulturministerium.

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