Leipziger Grassi Museum Pfad im Steinbruch der Kunstgeschichte

Nach über sechzig Jahren hat das Leipziger Grassi Museum seine Seele wiedergefunden und glänzt als Kunstgewerbemuseum von europäischem Rang. Wer die im Dezember wiedereröffneten Räume mit Exponaten von der Antike bis zum Historismus durchschreitet, ist auf Anhieb fasziniert von der Spannbreite der Sammlungen.
  • Christian Herchenröder
Auf rot ausgeschlagenen Wänden hängen Stadtansichten und Muster-Entwürfe des venezianischen Künstlers Giovanni Battista Piranesi. Foto: dpa Quelle: dpa

Auf rot ausgeschlagenen Wänden hängen Stadtansichten und Muster-Entwürfe des venezianischen Künstlers Giovanni Battista Piranesi. Foto: dpa

(Foto: dpa)

LEIPZIG. Das 1874 nach Berlin als zweites deutsches Kunstgewerbemuseum gegründete Institut hat nach dem Zweiten Weltkrieg nur als Provisorium existiert, von 1981 bis 1994 war es geschlossen.

Jetzt ist der repräsentative spätexpressionistische Mehrflügelbau, in dem sich auch das Museum für Musikinstrumente und das Museum für Völkerkunde befinden, fast gänzlich restauriert. Nun harren nur noch die Abteilungen „Jugendstil bis Gegenwart“ und „Asiatische Kunst“ der Wiederbelebung.

Wer nun die im Dezember wiedereröffneten Räume mit Exponaten von der Antike bis zum Historismus durchschreitet, ist auf Anhieb fasziniert von der Spannbreite der Sammlungen, die jetzt in Sälen, Kabinetten und eingebauten Kompartimenten ausgebreitet werden. Vieles ist nach historischem Vielfaltsprinzip zusammengestellt. So begegnen sich in einer Vitrinenwand frühe Daguerrotypien, Miniaturen und Pfeifenköpfe, Farbglas des Biedermeiers wird von einer Taschensammlung flankiert.

Solche Pluralität unterstreichende Einblicke reflektieren den Gründergeist des Museums, der wie das 1868 gegründete Berliner Kunstgewerbemuseum oder das 1877 eröffnete Hamburger Haus am Steintorplatz eine von Kunstgewerbevereinen angeregte Geschmacksschule und Vorbildersammlung sein wollte. Diese Aspekte prägen besonders stark die Historismus-Sektion, wo in einer Großvitrine beispielhafte Objekte in Glas, Silber, Email und Keramik ausgestellt sind. Hier wurden die anspruchsvollen historischen Techniken auf dem höchstem Niveau ihrer Zeit neu belebt.

Die Antikenabteilung, in deren Zentrum drei lebensgroße Terrakottafiguren des Berliner Bildhauers Robert Metzkes in Korenhabitus stehen, ist nicht so substanziell bestückt wie etwa die Hamburger Sammlung. Dafür kann das Mittelalter mit einer Fülle internationaler Spitzenobjekte aufwarten.

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