Lempertz Picassos erotische Zeichnung lockt Käufer in Hongkong

Wählerische Bieter prägten Lempertz’ Auktionen für moderne und zeitgenössische Kunst. Hier gab es mit 1,1 Millionen Euro für das meisterhafte Blatt des Spaniers ein starkes Gebot, mit nur 1,3 Millionen eine Enttäuschung für Ernst Ludwig Kirchners Strandbild. Die Zeitgenossen liefen besser. Hier fanden zwei Drittel der Lose einen Abnehmer.
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Pablo Picasso "Femme et jeune garcon nus, Mardi 3 Juin" (1969, Ausschnitt): 1,1 Millionen Euro war einem Sammler aus Hongkong dieses erzählfreudige Blatt wert. (Bild: VG Bild-Kunst / LEMPERTZ) Quelle: VG Bild-Kunst / LEMPERTZ

Pablo Picasso "Femme et jeune garcon nus, Mardi 3 Juin" (1969, Ausschnitt): 1,1 Millionen Euro war einem Sammler aus Hongkong dieses erzählfreudige Blatt wert. (Bild: VG Bild-Kunst / LEMPERTZ)

KÖLN. Am 3. Juni 1969 war Picasso 87 Jahre alt. Er saß mit bunten Kreiden und Tusche im Grünen und begann, an einem Blatt zu zeichnen. Vor ihm lagen ein spielender Knabe und eine schöne Frau in der Sonne, beide nackt. Picasso nahm sich viel Zeit für die Schilderung dieses subtilen Tête-à-Tête, wobei er sicher keinen Gedanken daran verschwendete, wie teuer sein kleines Meisterwerk 51 Jahre später werden könnte.

1,1 Millionen Euro inklusive Aufgeld erzielte das Blatt am Abend des 3. Dezembers 2010 in Köln bei Lempertz’ Versteigerung Moderner Kunst. Auf einen so hohen Preis hatte es eine Papierarbeit des Künstlers auf dem deutschen Markt noch nie gebracht.

Die Abendauktion kam ohne Glanz und Gloria aus

Mucksmäuschenstill wurde es im voll besetzten Saal des Auktionshauses, nachdem die Taxe von 600 000 Euro überwunden war. Zwei Telefonbieter lieferten sich ein zähes Ringen, das ein französischer Händler schließlich durch das Auftragsgebot eines in Hongkong lebenden Privatsammlers für sich entscheiden konnte.

Lempertz-Inhaber Henrik Hanstein hatte die 66 vielversprechendsten Lose seiner Moderne- und Zeitgenossen-Session in eine Abendauktion nach dem Vorbild der großen angelsächsischen Versteigerer gepackt. Doch nur ein weiteres Los hatte das Zeug für einen Höhenflug jenseits der Millionengrenze: Ernst Ludwig Kirchners farbglühendes „Mädchen im Südwester“ (1912/1920) im bemalten originalen Rahmen. Der Hammer fiel schon bei enttäuschenden 1,3 Millionen Euro zugunsten eines deutschen Privatsammlers – unter Vorbehalt. Die Erwartung hatte bei 1,5 bis 1,8 Millionen Euro gelegen.

Mit so viel Klasse konnten viele Lose der nur 37 Arbeiten umfassenden Moderne-Session nicht mithalten. Der größere Teil blieb innerhalb der Schätzung. Zwölf Arbeiten wurden zurückgereicht, darunter ein brauntoniges Männerporträt von Pierre-Auguste Renoir und Klees interessantes Malexperiment mit Kleisterfarben, „Bewachte Tiere“ von 1930.

Auffallend gut über die Taxen schaffte es das ansehnliche Skulpturen-Angebot. Lehmbrucks „Geneigter Frauenkopf“ gelangte für 696 000 Euro inklusive Aufgeld in eine europäische Privatsammlung. Ein Wiener Sammler erwarb den sechsten, bislang verschollenen Guss der Marino-Marini-Bronze „Kleiner Jongleur“ für 76 800 Euro.

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