Nordkorea

Meinungsverschiedenheiten über den Kurs von Staatschef Kim Jong Un führen nun wohl zu Entlassungen.

(Foto: dpa)

Literaturtipp Sechs Bücher, um Nordkorea zu verstehen

Donald Trump trifft Kim Jong Un – und die Welt fragt sich: Wer ist dieser Mann? Was ist Nordkorea für ein Land? Was Sie lesen sollten, um mitreden zu können.
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DüsseldorfEs ist ein wahrhaft historischer Moment, wenn Donald Trump und Kim Jong Un mit einander sprechen werden – nie zuvor hat es ein Treffen der amtierenden Staatschefs beider Länder gegeben. Die Welt wird daher am 12. Juni auf die Insel Sentosa im Süden Singapurs blicken, wo das Treffen stattfindet.

Während aber wohl kaum ein Staatschef derart öffentlich und öffentlichkeitswirksam seine persönlichen Ansichten und politischen Leitlinien kundtut wie der derzeitige US-Präsident, weiß die Welt über Kim: wenig. Wer ist dieser Mann? Wie herrscht die Kim-Sippe in Nordkorea? Wie lebt es sich in diesem Land? Das richtige Buch kann auch Sie zum Nordkorea-Kenner machen – oder zumindest besser verstehen und mitreden lassen.

Das Standardwerk hat wohl Rüdiger Frank, Professor für Wirtschaft und Gesellschaft Ostasiens an der Universität Wien, vorgelegt: „Nordkorea: Innenansichten eines totalen Staates“. Frank ist einer profilierteste Nordkorea-Kenner weltweit, er hat in den 1990e-Jahren ein Jahr an der Kim-Il-Sung-Universität in Pjöngjang studiert und besucht das Land seit vielen Jahren regelmäßig.

Sein bereits 2014 erschienenes Buch, das bis heute nichts am Aktualität verloren hat, ist eine Mischung aus Wirtschaftsanalyse, Geschichtskurs und Reisebericht. Tiefgründig und doch anschaulich erklärt der Autor, was sich in Nordkorea abspielt und wir im Westen kaum verstehen. Gespickt ist das Werk mit Fotos, die jeweils ganz eigene Geschichten erzählen.

Rüdiger Frank:
Nordkorea: Innenansichten eines totalen Staates
Deutsche Verlags-Anstalt 2014
432 Seiten
19,99 Euro
ISBN: 978-3-421-04641-3

2018 hat Frank dann noch mal nachgelegt mit „Unterwegs in Nordkorea: Eine Gratwanderung“. Das Buch ist fraglos ein sehr spezieller Reiseführer. Denn wer entscheidet sich schon für eine Reise in ein diktatorisches System, das beständig mit Drohungen gegen den Rest der Welt für Schlagzeilen sorgt und immer wieder auch mal Touristen verhaftet?

Wer sich doch dafür entscheidet, sollte sich zumindest genau vorbereiten. Und auch alle anderen Leser, die doch eher den Veneziano am Gardasee dem Trip durch den wohl isoliertesten Staat der Welt vorziehen, erhalten durch Franks differenzierte Schilderungen einmalige Einblicke in eine Kultur und in ein Land, das viele Widersprüche, Überraschungen und auch Liebenswertes zu bieten hat.

Rechtzeitig vor Beginn der Olympischen Spiele in Südkorea sind zwei weitere Bücher deutscher Korea-Korrespondenten erschienen, die beim Verständnis helfen. So beschreibt Matthias Naß, Korrespondent der Wochenzeitung „Die Zeit“, in seinem Buch „Countdown in Korea“ eine Langzeitbeziehung, die seit Jahrzehnten zwischen Händeschütteln und Säbelrasseln hin- und herpendelt.

Als neuen Höhepunkt der Geschichte beider Koreas hat Naß den 9. August 2017 gewählt – jenen Tag, an dem Donald Trump Nordkorea mit Vernichtung, „Feuer und Zorn“, drohte.

„ZDF“-Korrespondent Thomas Reichart wiederum, dessen Buch den reißerischen Titel „Der Wahnsinn und die Bombe“ trägt, unterstreicht, wie schwierig die Annäherung an Nordkorea ist. Der Höhepunkt des Buches ist definitiv dessen Interview mit Thae Yong-ho, dem hochrangigsten nordkoreanischen Überläufer der vergangenen Jahre.

Thae gehörte zum inneren Machtzentrum in Pjöngjang. Er leitete die Europaabteilung im Außenministerium, bevor er als Vizebotschafter nach London ging. Vor zwei Jahren nutzte er mit seiner Familie die Chance zur Flucht. Er gehört damit zu den wenigen Menschen, die aus erster Hand einen Einblick in das Innenleben des Regimes geben können.

Das ist auch der US-Amerikanerin Barbara Demick, langjährige Ostasien-Korrespondentin der Los Angeles Times, gelungen. Die Nordkorea-Kennerin twitterte nun, Trump könne sich doch revanchieren und Kim in sein Resort Mar-a-Lago zum Gegenbesuch einladen.

Für ihr Buch „Im Land des Flüsterns: Geschichten aus dem Alltag in Nordkorea“, das auch mit dem Human Rights Book Award ausgezeichnet wurde, hat sie über sieben Jahre hinweg nordkoreanische Flüchtlinge interviewt, die heute in Südkorea leben.

Sie schildern den Alltag in dem abgeriegelten Land, wie die Menschen dort leben, essen, arbeiten und lieben. Es sind teils kuriose, vor allem aber erschütternde Geschichten, die das unmenschliche System des Kim-Clans offenbaren und sich wie ein wahrgewordener Alptraum jenseits unseres Vorstellungsvermögens abspielen.

Einziges Manko: Die bereits 2015 erschienenen Erzählungen aus einem Land, in dem Menschen hungern, während die Führungselite in Luxus schwelgt, enden vor dem Tod Kim Jong Ils. Doch durch die fundierte Einordnung ins Weltgeschehen bleibt es äußerst lesenswert.

Wer schließlich neugierig ist, wie es aussieht in Nordkorea – auch das ist auf Grund der Isolation ja ein Mythos –, dem sei ein Werk empfohlen, das prompt einen Tag nach dem historischen Trump-Kim-Gipfel erscheint: Olly Wainwright, Fotograf sowie Architektur- und Design-Redakteur des britischen „Guardian“, dessen Fotos international ausgestellt werden, bietet in dem englischsprachigen Fotoband „Inside North Korea“ seltene und höchst ästhetisch aufbereitete Ansichten in das Land.

Seine Fotografien nordkoreanischer Architekturen lassen auch Deutungen zu auf die (vergangenen) Ambitionen des Kim-Regimes, „das ganze Land in ein sozialistisches Märchenland zu verwandeln“.

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