Maradona in der Oper Diego-Fieber in Neapel

Diego Maradona tritt heute in der Oper auf und die Stadt am Vesuv dreht durch. Anhänger klassischer Musik protestieren, haben aber keine Chance. Zu groß sind die Verehrung und die Erinnerungen an glorreiche Zeiten.
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Der ehemalige Weltfußballer Diego Armando Maradona tritt in der berühmten Oper in Neapel auf. Mancher wundert sich, was Fußball in der Oper zu suchen hat. Andere schweben noch immer im Andenken an den Helden. Quelle: dpa - picture-alliance
Teatro di San Carlo

Der ehemalige Weltfußballer Diego Armando Maradona tritt in der berühmten Oper in Neapel auf. Mancher wundert sich, was Fußball in der Oper zu suchen hat. Andere schweben noch immer im Andenken an den Helden.

(Foto: dpa - picture-alliance)

NeapelNein, singen wird er nicht, das steht schon fest. Das machen eher seine Fans auf den Rängen und in den Logen. Er wird reden über sein buntes Leben und dann kommen zu ihm auf die Bühne Überraschungsgäste. Maradona in der Oper: An diesem Montagabend findet in Neapel der wichtigste Termin des Jahres statt.

Diego Armando Maradona, Argentinier wie der Papst, früher Weltfußballer, noch immer vergöttert am Vesuv, tritt im Teatro di San Carlo auf, dem weltberühmten Opernhaus der Stadt, in dem einst Enrico Caruso sang. „Maradona live – Tre volte 10“ heißt das Spektakel, das der Regisseur und Schauspieler Alessandro Siani dem mittlerweile 56-Jährigen auf den nicht mehr ganz so schlanken Leib geschrieben hat.

Tre volte 10, drei Mal 10, der Titel hat Symbolkraft: 30 Jahre ist es her, seit der SSC Neapel mit Maradona als Sturmspitze und der „10“ auf dem Trikot den italienischen Meistertitel holte – zum ersten Mal nach 61 Jahren hatte ein Verein aus dem Süden die Mailänder und Turiner besiegt. 1990 gelang die zweite Meisterschaft in der Serie A, danach war in Neapel Schluss mit Erfolgen. Damals, 1987, wurde der SSC Neapel auch noch Pokalsieger.

Maradona blamiert sich im TV
Der tragische Held
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Dank seiner fußballerischen Brillanz wird Diego Maradona in Argentinien wie ein Gott verehrt, doch als Normalsterblicher musste die „Hand Gottes“ den Ruhm oft teuer bezahlen. Dem WM-Titel, gewonnenen Meisterschaften und den Geniestreichen auf dem Platz stehen Drogen-, Steuer-, und Gewichtsprobleme gegenüber - dieser Mann kennt Höhen und Tiefen. Besser als fast jeder andere. Nun steht er mal wieder in den Schlagzeilen...

Die neuen Lippen
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Argentiniens Nationallegende in seiner venezolanischen TV-Show „De Zurda“: Nach einer Schönheitsbehandlung ließ er sich mit aufgeplusterten, unechten Lippen filmen. Mit stark geschminktem Gesicht und einem Frauenohrring führte er durch die Show. In seiner argentinischen Heimat wurde er prompt zur Lachnummer der Nation. Beobachter lästern, Maradona leide an einem Jugendwahn, der hauptsächlich von einer Frau verursacht worden sein soll...

Der alternde Liebhaber
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Diego Maradona küsst seine Freundin Rocio Oliva (links): Die Beziehung der beiden ist von Höhen und Tiefen geprägt, die gerne öffentlich gemacht werden. Nach der Veröffentlichung eines Videos über einen angeblich handgreiflichen Streit hatte der Argentinier Oliva wegen Diebstahls angezeigt. Seine 22 Jahre alte Freundin bestätigte im Fernsehen die Anzeige, versicherte aber, sie sei für die Veröffentlichung des Videos nicht verantwortlich. Maradano zog seine Anzeige kurze Zeit später wieder zurück. In Argentinien bleibt er dennoch eine Legende...

Die Legende
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Mit 16 Jahren wurde er jüngster Nationalspieler Argentiniens, vier Jahre zuvor hatte er angekündigt: „Mein erster Traum ist es, bei einer WM dabei zu sein. Der zweite ist, die WM zu gewinnen.“ Bei den Junioren klappte es auf Anhieb: Mit 18 führte Maradona sie als Kapitän zum Weltmeister-Titel. Bei der WM im eigenen Land 1978 von Cesar Luis Menotti nicht berücksichtigt, brauchte Maradona die WM in Spanien 1982 zur Erfüllung seines Traums. Sie endete für ihn im Spiel gegen Brasilien nach einem Tritt mit einem Platzverweis. Vier Jahre später wurde sein Traum in Mexiko wahr...

Der Weltmeister
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Seinen fußballerischen Höhepunkt erreichte er beim WM-Triumph 1986 in Mexiko (3:2 gegen Deutschland): Die Gegner umkurvte er wie Slalomstangen, den Torhütern jagte er Angst und Schrecken ein – auch Englands Peter Shilton mit seinem legendären Hand-Tor im Viertelfinale beim 2:1 gegen die „Three Lions“, dem er im dem vielleicht spektakulärsten Solo-Lauf der Fußball-Geschichte das 2:0 folgen ließ. Während die Sportwelt empört auf die Unsportlichkeit reagierte, war es für Maradona schlicht die „Hand Gottes“.

Der verrückte Trainer
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Obwohl seine sportlichen Erfolge nach dem Titelgewinn immer wieder von großen Enttäuschungen auf und neben dem Platz begleitet waren, fand er tatsächlich immer wieder auf die Beine: Am 28. Oktober 2008 bekam er zu seinem 48. Geburtstag das Traineramt der argentinischen Nationalmannschaft geschenkt – verbunden mit großen Erwartungen und Hoffnungen. Als gegen Peru in Buenos Aires die Qualifikation für die WM 2010 geschafft war, feierte Diego mit einem „Diver“, wie damals.

Der Moderator
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Diego Maradona (links) mit US-Boxer Mike Tyson (Mitte) in Buenos Aires: Eine eigene Fernsehsendung moderierte er von Anfang August 2005. Beim argentinischen Fernsehkanal Canal 13 übernahm er die Moderation einer eigenen Fernsehshow, „La Noche del 10“, in der er mit Prominenten und Fußballspielern aus Argentinien und der Welt sprach.

Seit Monaten ist die Show ausverkauft, auch wenn eine Karte im Orchestersessel 330 Euro kostet und selbst die billigste noch 66 Euro. Alle wollten jetzt von ihm noch eine Ehrenkarte, seufzt Regisseur Siani, der mit seiner Produktionsfirma Best Live das die Show organisiert und das Opernhaus angemietet hat. Was er zahlt und mit welchem Erlös er rechnet, sagt er nicht. Nur das: „Im Frühjahr wird das Spektakel auf dem Kanal ‚Nove‘ von Discovery im Fernsehen gezeigt.“

Maradona werde auf der Bühne des Opernhauses „Zeugnis ablegen von seiner Liebe zur Stadt und sein unglaubliches Leben erzählen”, so Siani, selbst aus Neapel und entsprechend emotional und mit dem Hang zur Dramatik, wie schon Goethe in seiner „italienischen Reise“ die Bewohner am Golf geschildert hat. Maradona sei der unwiderlegbare Beweis dafür, dass ein Mann allein das Gesicht einer Stadt verändern kann.

Das sehen allerdings nicht alle so. Entsetzt über die Show ist der 83-jährige Komponist und Opernregisseur Roberto De Simone, der in den 80er Jahren künstlerischer Leiter des Teatro di San Carlo war: „Nein und nochmals nein“, sagte er zitternd vor Wut im Fernsehen. „Wie tief sind wir gesunken? Das San Carlo ist das San Carlo – ein Tempel der Musik, was hat das mit Fußball zu tun? Hier waren Rossini und Donizetti und die größten Sänger sind hier aufgetreten und die besten Dirigenten.“

„Der Mythos lebt auch nach 30 Jahren noch.“
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1 Kommentar zu "Maradona in der Oper: Diego-Fieber in Neapel"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    "Herr Fritz Porters23.12.2016, 12:25 Uhr
    Liebe komödiantische Kommentatorengemeinde,

    es ist mal wieder ein Fest wie lustig hier kommentiert wird ...was wäre mein Tag ohne diese wunderbaren Geistesblitze, die hier gepostet werden. Herrlich :-)"


    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Eibel, Dirnberger,Trautmann....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

    Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

    das ist unser geliebter

    SPIEGEL

    Danke

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