Nach vier Jahren Haft Kunstbetrüger Helge Achenbach ist aus dem Gefängnis entlassen

Der ehemalige Kunstberater Helge Achenbach war 2015 wegen Millionenbetruges zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Nun ist er wieder auf freiem Fuß.
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Der Millionenbetrüger und ehemalige Kunstberater ist auf freiem Fuß. Quelle: dpa
Helge Achenbach

Der Millionenbetrüger und ehemalige Kunstberater ist auf freiem Fuß.

(Foto: dpa)

DüsseldorfSeit heute ist Helge Achenbach, 66, nicht nur Freigänger, sondern wieder ein freier Mann. Der zu sechs Jahren Haft verurteilte Millionenbetrüger und ehemalige Kunstberater hat das Gefängnis in Moers-Kapellen nach vier Jahren Haft auf Bewährung verlassen – wegen der Schwere der nachgewiesenen Betrugsfälle erst zwei Tage vor dem Stichtag der Zweidrittel-Regelung, die bei guter Führung gilt.

Dass der bestens vernetzte Art Consultant betuchte Kunden durch verdeckte Preisaufschläge bei Kunst- und Oldtimerankäufen um insgesamt fast 20 Millionen Euro betrogen hat, kam 2014 an Licht. Die Witwe des 2012 verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht, Babette, hatte Unregelmäßigkeiten entdeckt.

Der einstige Duz-Freund wurde wegen einer Klage ihrer Kinder am Flughafen verhaftet, als er aus Brasilien landete. Dort hatte der joviale Kunstberater unter anderem mit bekannten Künstlern der Düsseldorfer Szene das WM-Quartier der deutschen Nationalelf ausgestattet. Und als ehemaliger Fortuna-Präsident natürlich auch Spiele angeschaut.

Der Lebemann Achenbach verlor in der Haft sein kaum durchschaubares Geflecht von Beratungs- und Gastronomiefirmen – sowie die von ihm mit anderen Unternehmern aufgebaute Kunstsammlung „Rheingold“. Aus der Konkursmasse versteigerte das Kölner Auktionshaus van Ham rund 2500 Kunstwerke.

Die Auktionsserie war auf reges Bieterinteresse gestoßen, hatte Achenbach doch immer bewusst prominente und weniger prominente Künstlerinnen und Künstler gefördert. Van Ham-Chef Markus Eisenbeis konnte rund 11,5 Millionen Euro weiterreichen.

Achenbach schadete dem gesamten Kunsthandel

Doch die Forderungen der Gläubiger übersteigen die Einnahmen aus der Liquidierungsmasse bei weitem. Denn Helge Achenbach ist in mehrere Prozesse verstrickt. Das OLG Düsseldorf zeigte sich überzeugt, dass er sich „der vorsätzlichen Schädigung seines Duzfreundes Berthold Albrecht schuldig gemacht“ habe. Doch bei einigen Kunst- und Auto-Geschäften sei kein Betrug nachzuweisen. Daher geht es von einer geringeren Schadenersatzsumme von rund 16 Millionen Euro aus. Ein Urteil wird am 28. Juni verkündet.

Achenbachs inzwischen von ihm geschiedene frühere Ehefrau Dorothee hat den jähen gesellschaftlichen Absturz des einstigen Düsseldorfer Glamourpaars in zwei Bestsellern aus ihrer Sicht beschreiben. Helge Achenbach selbst hat auch ein Buch angekündigt. Doch anders als die ihm noch freundschaftlich verbundene Ex-Ehefrau Dorothee möchte er nicht in die Kunstberatung zurückkehren.

Der gelernte Sozialarbeiter, der so gut mit Menschen kann, hatte im offenen Vollzug in der Diakonie gearbeitet. Selbst wenn sich hier ein Saulus zum Paulus wandelte, Achenbach hat nicht nur seinen Kunden, sondern auch dem Kunsthandel schwer geschadet mit seinen am Fotokopierer manipulierten Rechnungen.

Gegen den Vertrauensverlust hilft nur Transparenz. Heute müssen Kunstberater ganz klar vereinbaren, wie hoch ihre Provision ist, welche Nebenkosten sie deckt oder nicht und ausschließen, dass es Kick-Back-Zahlungen seitens des Handels gibt.

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