Shortlist Die letzten Kandidaten für den Deutschen Buchpreis

Das Rennen um einen Platz auf der Liste der letzten Sechs ist entschieden. Auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis finden sich Altmeister und Altrevoluzzer mit höchst unterschiedlichen Werken.
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Wer noch Chancen auf den Deutschen Buchpreis hat
Nominierung für den Buchpreis
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Die Jury des Deutschen Buchpreises hat die Vorauswahl von 20 neuen Romanen nun auf sechs Werke reduziert. Dem Gewinner winken 25.000 Euro. Wer noch zu den Auserwählten gehört, zeigen folgende Bilder.

robinsons
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Ernst Augustin: „Robinsons blaues Haus“

„Das Leben ist ein Säbelzahntiger“, heißt es im Spätwerk von Ernst Augustin. Im hohen Alter, schon erblindet, hat Augustin eine Fabel geschrieben vom letzten Robinson in einer Welt ohne Freiräume. Sein Held reist durch Zeit und Raum, richtet sich Räume ein in Grevesmühlen, in blauer Südsee, in London und New York. Kritiker sprachen von einem großen Lesevergnügen und einem Meisterwerk der Sprache. „Der große Ernst Augustin hat einen hochgradig rasanten, eleganten und auf schwer in Worte zu fassende Weise komischen Krimi geschrieben“, urteilte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung.

C.H. Beck Verlag München, Januar 2012, 319 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-40662-996-9

(Foto: C.H.Beck)

Shortlist für Deutschen Buchpreis - Herrndorf in Endrunde
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Wolfgang Herrndorf: „Sand“

Durch den Jugendroman „Tschick“ wurde Wolfgang Herrndorf bekannt - der Roman „Sand“ ist sein erzählerisches Meisterwerk geworden. Der Autor, der an einem tödlichen Gehirntumor leidet, beweist sich als großer Erzähler - nüchtern, präzise und voller Leben. Er zeichnet eine unwirkliche Wüstenwelt voller Schmutz, Intrigen und Elend. Deutlich wird einmal mehr Herrndorfs Vorliebe für absurde Figuren. Geheimnisvolle Blondinen, durchgeknallte Spinner, exzentrische Greise, dümmliche Ganoven und weltzweifelnde Gesetzeshüter bevölkern „Sand“. Selten hat man einen Thriller so nüchtern und gleichzeitig so lebhaft erzählt bekommen.

Rowohlt Berlin Verlag, November 2011, 480 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-87134-734-4

Ursula Krechel
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Ursula Krechel: „Landgericht“

Ein Roman aus den Gründungsjahren der Bundesrepublik: Der jüdische Richter Kornitzer, der von den Nazis flüchten musste, kehrt zurück in ein Land, das so schnell wie möglich in die Normalität zurückfinden will und in dem er erneut nicht erwünscht ist. Er trifft auf Gleichgültigkeit und Abwehr, hadert, lehnt sich auf. Er verbeißt sich in das ihm angetane Unrecht, kämpft um seine Ansprüche. Einem Kohlhaas gleich, will er sein Recht. Meisterhaft beschreibt Ursula Krechel in einer Mischung aus Fiktion und Dokumentation die Atmosphäre von Verdrängen und Vergessen in den frühen Jahren der Bundesrepublik.

Jung und Jung Verlag Salzburg, August 2012, 480 Seiten, 29,90 Euro, ISBN 978-3-99027-024-0

Literature Festival O-Toene
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Clemens J. Setz: „Indigo“

In einem Internat in der Steiermark leiden die Kinder an dem rätselhaften Indigo-Syndrom. Der junge Mathematiklehrer Clemens Setz - nicht ganz zufällig heißt er wie der Autor - beginnt nachzuforschen. „Souverän jongliert Clemens Setz mit eingestreuten Fotos, handschriftlichen Einfügungen und wechselnden Typografien, mit Anspielungen aus der Literatur, aus Musik und Film, Kunst und Comic“, urteilte die Kritikerin des ORF. „Indigo“ ist das vierte Buch des österreichischen Autors, und es steckt einiges von ihm selbst in der Romanfigur. Für seinen Erzählband „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ erhielt Clemens J. Setz 2011 den Preis der Leipziger Buchmesse.

Suhrkamp Verlag Berlin, September 2012, 479 Seiten, 22,95 Euro, ISBN 978-3-518-42324-0

Fliehkräfte
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Stephan Thome: „Fliehkräfte“

Stephan Thomes „Fliehkräfte“ erzählt die Geschichte von Hartmut Hainbach - und der steht unter Stress. Der gesetzte Philosophieprofessor beleidigt eine Spendensammlerin, er verletzt seine Frau bei Streitereien bis ins Mark und leidet unter hartnäckigem Tinnitus. Grund allen Übels: Der Endfünfziger findet einfach keine Antwort auf die Frage, wie es mit ihm weitergehen soll. Thome beschreibt diesen akademischen Jedermann in nüchtern-liebevoller Sprache. Ihm gelingen mit wenigen Worten präzise Charakterzeichnungen und lebhafte Entwürfe literarischer Bühnenbilder in Paris, Bonn und Portugal. Einzig die ständig wohldurchdachte Reflexion aller Figuren wirkt bisweilen etwas arg didaktisch - ansonsten: ein großer Wurf.

Suhrkamp Verlag Berlin, September 2012, 474 Seiten, 22,95 Euro, ISBN 978-3-518-42325-7

Unbenannt
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Ulf Erdmann Ziegler: „Nichts Weißes“

Der Buchumschlag des zweiten Buchs von Ulf Erdmann Ziegler erinnert an die Tafel eines Augenarztes: Ganz oben groß das „N“, kleiner in der zweiten Reihe “IC“, und so fort. Kein Zufall, denn Marleen, die Protagonistin des Buchs, verliebt sich von klein auf in die Welt der Buchstaben und träumt von der perfekten Schrift. Der Roman einer Generation, „für die das Hereinbrechen des Computerzeitalters identisch ist mit dem eigenen Erwachsenwerden“, beschreibt Suhrkamp das Werk. „Ziegler ist ein genauer Beobachter von Details und obendrein ein raffinierter Sprachkünstler, der Anspielungen und subtile Verknüpfungen liebt“, urteilte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“

Suhrkamp Verlag Berlin, August 2012, 259 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-518-42326-4

Berlin/FrankfurtDie Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2012 steht fest. Der krebskranke Schriftsteller Wolfgang Herrndorf ist mit seinem Wüstenroman „Sand“ für die Endrunde des Deutschen Buchpreises nominiert. Der 47-jährige hatte dieses Jahr schon den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten.

Weitere Finalisten sind Ernst Augustin mit „Robinsons blaues Haus“, Ursula Krechel mit „Landgericht“ und Clemens J. Setz mit „Indigo“. Zudem wählte die Jury den Roman „Fliehkräfte“ von Stephan Thome und das neue Buch von Ulf Erdmann Ziegler „Nichts Weißes“. Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Mittwoch in Frankfurt bekannt.

Entstanden sei eine Shortlist, "auf der drei Titel auf je andere, formal allemal aufregende Weise die deutsche Nachkriegsgesellschaft erkunden, und drei, ebenso unterschiedlich, existenzielle Selbstprüfungen in poetisch kühnen Fiktionen unternehmen", sagte Jurysprecher Andreas Isenschmid von der "Neuen Zürcher Zeitung am Sonntag". Die Jurymitglieder hatten insgesamt 162 Titel gesichtet.

Der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf ist mit „Sand“ nominiert. Quelle: dpa

Der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf ist mit „Sand“ nominiert.

(Foto: dpa)

Die sechs Finalisten wurden aus den 20 Nominierten der Longlist ausgewählt. Den Sprung in die Endrunde verpasst haben unter anderem Altrevoluzzer Rainald Goetz und Altmeister Sten Nadolny. Insgesamt waren 162 Titel eingereicht worden. Eine siebenköpfige Kritiker-Jury entscheidet über die Kandidaten.

Der Deutsche Buchpreis gilt als stark verkaufsfördernd. Im vergangenen Jahr war Eugen Ruge für seine DDR-Familiensaga „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ ausgezeichnet worden. Sein Werk stand danach monatelang auf den Bestsellerlisten.


In diesem Jahr sitzen in der Jury Andreas Isenschmid („Neue Zürcher Zeitung am Sonntag“), Dirk Knipphals („die tageszeitung“), Stephan Lohr (NDR), die freien Kritiker Jutta Person und Oliver Jungen, die Lektorin Christiane Schmidt sowie die Buchhändlerin Silke Grundmann-Schleicher.

Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Er kürt „den besten Roman in deutscher Sprache“. Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen Titel einreichen. Eine siebenköpfige Jury, deren Besetzung jährlich wechselt, wählt zunächst 20 Titel für die Longlist aus. Später wird die Auswahl auf eine Shortlist von sechs Titeln verkürzt. Der Sieger wird am 8. Oktober - am Vorabend der Frankfurter Buchmesse - bekanntgegeben. Der Gewinner erhält 25 000 Euro, die anderen fünf Finalisten bekommen jeweils 2500 Euro.

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  • Bettina Wulff war wohl zu spaet dran mit ihrem Buch ;-)

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