Spezialauktion in London Sotheby’s steigert Umsatz bei Versteigerung zeitgenössischer Kunst um 77 Prozent

Die Auktionen zeitgenössischer Kunst verliefen glänzend. Marktlieblinge wie Lucian Freud oder Günther Uecker waren ebenso begehrt wie junge Talente.
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Sotheby’s: Erfolgreiche Auktion zeitgenössischer Kunst Quelle: Getty Images for Sotheby's
David Hockney „Double East Yorkshire“

Fand bei 11,3 Millionen Pfund einen Käufer.

(Foto: Getty Images for Sotheby's)

LondonOb nach der Kunstmesse Art Basel noch Appetit für Moderne und Zeitgenossen in London bestehe, beschäftigte viele Gemüter vor den Spezialauktionen in dieser Woche. Sotheby’s machte den Auftakt. Dem charmanten Auktionator Oliver Barker merkte man keine Sekunde an, dass die unglücklichen Impressionisten-Auktionen vor einer Woche einige Marktteilnehmer verunsicherte. Die gute Qualität der vorwiegend von britischen und amerikanischen Künstlern dominierten Auktion führte schnell zu lebhaften Geboten.

Angeführt wurde sie von einem Konvolut unter dem Titel „New Wave New Beat: Property from a Private New York Collection“, aus der zehn Lose zum Aufruf kamen; 13 weitere folgten in der Tagesauktion.

Die Arbeiten stammen laut Nachrichtendienst Bloomberg, der sich auf anonyme Informanten beruft, aus der Sammlung des amerikanischen Filmproduzenten Michael Lynne, vor allem für die „Herr der Ringe“-Trilogie bekannt. Das Spitzenlos der Gruppe war Jean-Michael Basquiats „Untitled“ von 1982, das bei einer Schätzung von 7,5 bis 10 Millionen Pfund 14,7 Millionen Pfund brachte.

Alle Werke der Sammlung verkauften sich zu Top-Preisen und brachten dem Einlieferer 22,5 Millionen Pfund. Ein stolzes Ergebnis für amerikanische Kunst in London.

Zum teuersten Los des Abends wurde Lucien Freuds spätes „Portrait on a white Cover“ von 2002/03, das für 22,5 Millionen Pfund unter den Hammer kam und sich zum teuersten Freud-Gemälde entwickelte, das je in London öffentlich verkauft wurde.

Mit nur einer unverkauften Arbeit spielte Sotheby’s Abendauktion 110,2 Millionen Pfund ein, was einem Anstieg von 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gleichkam. „Das Ergebnis dieser Auktion war ein weiteres wichtiges Zeichen, das nicht nur für die Stärke des zeitgenössischen Kunstmarkts steht, sondern auch für London als Marktplatz, nachdem Christie’s beschlossen hatte, seine Auktionen im Juni einzustellen“, kommentiert der Galerist Thaddaeus Ropac.

Die Vorabschätzung hatte zwischen 80 und 108 Millionen Pfund gelegen. Wie immer wird der Profit von den männlichen, britischen und amerikanischen Künstlerheroen des 20. Jahrhunderts eingefahren: Jean-Michel Basquiat, Francis Bacon, Lucian Freud und David Hockney. Die einzige Frau unter den Top Ten war hier Cecily Brown, deren „The Skin of our Teeth“ von 1999 mit einem Preis von 3 Millionen Pfund die Schätzung fast vervierfachte.

Erzielt mit 14,7 Millionen Pfund einen Top-Preis für eine Papierarbeit. Quelle: Getty Images for Sotheby's; VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Jean-Michel Basquiat – „Untiteld“

Erzielt mit 14,7 Millionen Pfund einen Top-Preis für eine Papierarbeit.

(Foto: Getty Images for Sotheby's; VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Auffällig war die Abwesenheit deutscher Angebote. Albert Oehlens „ohne Titel“ von 1994 verkaufte sich mit 730.000 Pfund im Rahmen der Schätzung.

Gleichwohl hat sich Sotheby’s den Erfolg mit Garantien teuer eingekauft. Von 44 Losen waren 25 vor der Auktion mit Garantien versehen, davon alle bis auf eine als „Irrevocable Bids“ von dritter Hand gesichert. Das heißt, dass Sotheby’s den Garanten einen Prozentsatz des Betrags zahlt, den die Arbeit über ihrer Garantie einbringt.

Der Journalist Godfrey Barker fragte nach der Auktion spitz, ob es sich hier denn überhaupt noch um eine öffentliche Auktion handelte, erhielt aber von den Spezialisten des Hauses keine überzeugende Antwort. In jedem Fall gab es am Dienstagabend neben den Einlieferern eine ganze Menge Spekulanten, die Geld machten und damit die Marge des Hauses weiter verkleinern.

Sogar Mitbewerber Phillips, auch bekannt für Garantien, konnte Mittwochabend mit weit weniger Garantien eine gute Auktion zusammenstellen – insgesamt acht vergab das Haus, aber nicht unbedingt auf die Spitzenlose.

Zu diesen gehörte vor allem Martin Kippenbergers spätes Selbstporträt „Ohne Titel (aus der Serie das Floss der Medusa)“ von 1996, auf dessen Ergebnis Chairwoman Cheyenne Westphal fast rührend stolz war. Sie gewann das 2003 zum letzten Mal öffentlich gezeigte Bild aus der eher unbekannten Sammlung des Franzosen Marcel Brient. Die Todeskontemplation des krebskranken Malers, nicht mit einer Garantie versehen, fand gegen eine nur auf Anfrage mitgeteilte Schätzung von 6 Millionen Pfund für 8,5 Millionen Pfund ein neues Zuhause.

Die zweitteuerste Arbeit wurde hier ein spätes Gemälde der Amerikanerin Joan Mitchell, „Champs“ von 1990, die gerade erst auf der Art Basel in aller Munde war und endlich auch in Europa als wichtige Vertreterin der sogenannten zweiten Generation der Abstrakten Expressionisten erkannt wird.

Gute Preise erzielt wurden auch für eine frühe Jonas Wood Arbeit „Rosy’s Mask“ (2008) und eine Meeresimpression von Sean Scully (2014). Ed Dolman, Phillips-Chef, betonte nach der Auktion, dass zwar wenig britische Bieter aktiv waren, aber dass der globale Markt bei guten Arbeiten keine Müdigkeit verspüre. „Gutes Material funktioniert!“

Das Ergebnis gibt ihm recht. Mit einer Verkaufsrate von 100 Prozent, einer sogenannten „White Glove“-Auktion, steigerte das Haus den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 41 Prozent und erzielte ein Gesamtergebnis von 34,3 Millionen Pfund für seine 31 angebotenen Lose.

Die anglo-amerikanische Dominanz durchbringt der kleine Konkurrent Bonhams mit interessanten Arbeiten, die teilweise nicht nur den großen Trends folgen. Zum einen hat Bonhams immer noch große Erfolge mit hochqualitativer britischer Kunst – in dieser Woche konnte es ein großformatiges, extrem gut erhaltenes, leuchtendes Porträt „Figure on a bed“ von Frank Auerbach von 1967 anbieten.

Die Arbeit stammte aus der Sammlung des verstorbenen australischen Sammlers Michael Hobbs, der sie 1967 von Marlborough erworben hatte. Die Erben können sich hier an den 1,5 Millionen Pfund erfreuen, die das Bild bei einer Schätzung von 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund brachte.

Von ebenfalls überzeugender Frische war bei Bonhams Günther Ueckers nicht überarbeitete Lichtscheibe mit originalem Motor von 1967. Sie war einem Sammler 428.000 Pfund wert. Ein gutes Händchen beweist das Haus mit dem Polen Wojciech Fangor. Der 2015 verstorbene Fangor wird als einer der wichtigsten Maler Polens im 20. Jahrhundert angesehen. Zwei Gemälde aus den späten 1960er-Jahren verdoppelten ihre Schätzungen auf 143 .000 respektive 137.000 Pfund.

Christie’s setzt in diesem Juni mit zwei Auktionen auf neue Arbeiten für einen globalen Markt. Im Auftrag der Saatchi Galerie verkauft es 100 Lose aus deren Sammlung, aufgeteilt in eine Tages- und eine Onlineauktion. Unter dem Titel „Postwar to Present“ bietet erstere 100 Lose an, in denen Bezüge zwischen Zeitgenossen und älteren Künstlern deutlich werden sollen. Doch das passiert ja unwillkürlich in jeder Auktion, die Epochen umspannt.

In Christie’s Verkaufsräumen irritierten die überdimensionierten, knallbunten Gemälde in ihrer zusammengewürfelten Auswahl und Hängung. Hier kommt eine vom internationalen Markt gehypte Gruppe jüngerer Künstler wie Dana Schutz, Shara Hughes, Brian Calvin, aber auch Eva Rothschild zum Zuge, neben älteren Malervätern wie David Salle und Julian Schnabel.

Spitzenlos der Auktion von Donnerstag ist allerdings eine fast monochrome frühe Arbeit des Franzosen Pierre Soulages, „Peinture 195 x 130 cm, 3 février 1957“, die schon mehrfach auf dem Markt war und deren Taxe von 2,5 bis 3,5 Millionen Pfund optimistisch erscheint.

Bei Christie’s finden sich wie immer auch eine Anzahl von Arbeiten deutscher Künstler mit Werken aus dem mittleren Segment, von Willi Baumeister, über Gerhard Richter, Thomas Ruff hin zu dem zweiten Martin Kippenberger in London „Ohne Titel (Krieg Böse)“ von 1991/92. Die Arbeit mit einer Taxe von 350.000 bis 450.000 Pfund führt das Thema der figurativen Malerei der letzten dreißig Jahre an, was vielleicht ein passenderer Titel für die Auktion gewesen wäre.

Insgesamt erhofft sich Christie’s für die nach Redaktionsschluss stattfindenden Auktionen einen Umsatz von 8,8 bis 12,7 Millionen Pfund. Es scheint seine Position in den prestigeträchtigen Juni-Auktionen ohne weiteren Kampf an Phillips abgegeben zu haben. Bei dem Erfolg der Abendauktionen der Mitbewerber und dem nicht nachlassenden Interesse globaler Sammler an guter moderner und zeitgenössischer Kunst mag man sich allerdings über diese Entscheidung wundern.

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