Überraschungssieg Literatur-Nobelpreis geht an Chinesen Mo Yan

Überraschung in Stockholm: Der chinesische Schriftsteller Mo Yan erhält den Literaturnobelpreis. Der Autor wurde mit seinem Novellenzyklus „Das rote Kornfeld" bekannt.
Update: 11.10.2012 - 14:10 Uhr 1 Kommentar
Der Gewinner des Literaturnobelpreises 2012: Mo Yan. Quelle: AFP

Der Gewinner des Literaturnobelpreises 2012: Mo Yan.

(Foto: AFP)

StockholmDer diesjährige Literatur-Nobelpreis geht an den chinesischen Schriftseller Mo Yan. In der Begründung der Schwedischen Akademie heißt es, Mo Yan habe „mit halluzinatorischem Realismus Märchen, Geschichte und Gegenwart vereint“. Mo Yan wurde 1955 geboren und wuchs in Gaomi in der Provinz Shandong im nordöstlichen China auf.

Diese Zeit spiegelt sich auch in seinen Büchern wider. In dem 1993 auf deutsch erschienen Roman „Das rote Kornfeld“ schildert er die Banditenkultur, die Okkupation durch Japan und die schwierigen Bedingungen für die verarmte Landbevölkerung. Zu seinen bekanntesten Romanen zählen „Die Knoblauchrevolte“, „Die Schnapsstadt“ und “Der Überdruss“.

„Das rote Kornfeld“ wurde von Zhang Yimou verfilmt und erhielt 1988 bei der Berlinale den Goldenen Bären. Die Schwedische Akademie vergleicht Mo Yans Romane in ihrer Komplexität mit denen von William Faulkner und Gabriel García Márquez. In seiner Heimat gilt Mo Yan trotz seiner oftmals gesellschaftskritischen Haltung als einer der führenden zeitgenössischen Schriftsteller.

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In der EWG wurde nun eine gemeinsame Politik auch in den Bereichen Landwirtschaft, Fischerei, Verkehr, Wettbewerb und Außenhandel betrieben. 1968 kam der nächste große Schritt. Die Zölle wurden abgeschafft: An den Grenzen zwischen den sechs EU-Staaten müssen keine Zölle mehr bezahlt werden. Sie wurde 1973 erstmals erweitert.

Im Laufe der folgenden Jahre rückten die EU-Staaten immer enger zusammen und übertrugen mehr Kompetenzen auf Einrichtungen der Gemeinschaft. Aus der EWG wurde 1986 die EG (Europäische Gemeinschaft), 1992 wurde sie in Europäische Union (EU) umbenannt. 1985 legte Kommissionspräsident Jacques Delors sein „Weißbuch zum Binnenmarkt“ vor: Damit wird die Europäische Integration erheblich erweitert und beschleunigt.

Nach dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs wuchs die Zahl der Mitglieder von EG und später EU Schritt für Schritt auf derzeit 27. Die EU verfügt seit dem Lissabon-Vertrag von 2009 auch über einen eigenen diplomatischen Dienst. Sie ist der weltweit größte Zahler von Entwicklungshilfe.

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Literatur-Nobelpreis: Mo Yan

Mo Yan wurde als Guan Moye geboren. Sein Künstlername bedeutet übersetzt so viel wie „sprich nicht“ oder „der Sprachlose“. In seinem Heimatland wird Mo trotz seiner gesellschaftskritischen Haltung als einer der führenden zeitgenössischen Schriftsteller betrachtet.

Mit einer Mischung aus Fantasie und Wirklichkeit, aus historischen und sozialen Perspektiven habe Mo Yan eine Welt erschaffen, die in ihrer Komplexität an William Faulkner und Gabriel García Márquez erinnere, befand die Schwedische Akademie. Zugleich fuße diese Welt auf der älteren chinesischen Literatur und mündlichen Erzähltraditionen des Volkes.

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Mo Yan war im Vorfeld der Bekanntgabe als einer der aussichtsreichsten Anwärter auf den mit umgerechnet etwa 930.000 Euro dotierten Nobelpreis gehandelt worden. Der 57-Jährige gilt als einer der erfolgreichsten Autoren Chinas.

In Deutschland erschienen zahlreiche seiner Werke, darunter „Der Überdruss“, „Die Knoblauchrevolte“ und „Das rote Kornfeld“, eine Familiensaga, die unter anderem zu Zeiten des chinesisch-japanischen Krieges von 1937 bis 1945 spielt, und von der japanischen Okkupation und den schweren Bedingungen für das verarmte Landproletariat erzählt. Die Verfilmung des Romans wurde 1988 auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

Robert Lefkowitz
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Chemie-Nobelpreis: Robert Lefkowitz

Schon in der dritten Klasse wusste Robert Lefkowitz (l.), dass er Mediziner werden will. Auf die Idee brachte ihn der Hausarzt der Familie. „Er wurde mein Held und mein Vorbild“, schreibt der Forscher 2007 in einer Autobiografie. Lefkowitz wurde am 15. April 1943 in New York geboren. Dort studierte er an der Columbia-Universität Chemie, danach folgte ein Medizinstudium: zwei Fächer, die er in seiner Karriere stets verband. Mittlerweile arbeitet er an der Duke-Universität.

In den späten 1960er Jahren gelang es Lefkowitz mit Hilfe radioaktiver Markierungsstoffe mehrere Rezeptoren in Zellen aufzuspüren, darunter jenen für Adrenalin. Seine Gruppe isolierte diesen Rezeptor aus der Zellwand und gewann ein erstes Verständnis seiner Funktionsweise. Für diese Arbeit erhielt Lefkowitz nun gemeinsam mit seinem US-Kollegen Brian Kobilka den Chemie-Nobelpreis.

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Der Würzburger Pharmakologe Martin Lohse, der im Labor von Lefkowitz gearbeitet hat, beschreibt den frisch gekürten Nobelpreisträger als „Enthusiast“, der gerne Quatsch mache: „Bob Lefkowitz hat im Gegensatz zu Kobilka nie etwas mit den eigenen Händen gemacht - und das ist auch gut so. Er stand immer in dem Ruf, ein schlechter Experimentator zu sein. Aber er hatte einen ganz tollen Riecher für Dinge, und er hat wahnsinnig gut Leute motivieren können. Die Leute, die in seinem Labor waren, hängen seitdem wie eine Familie zusammen.“

Robert Lefkowitz ist verheiratet und hat fünf Kinder.

huGO-BildID: 28320846 Handout picture released on October 10, 2012 shows Brian Kobilka and his wife, Tong Sun Kobilka, answering questions from repor
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Chemie-Nobelpreis: Brian Kobilka

Brian Kobilka gehört zu den weltweit gefragtesten Wissenschaftlern. Der 57-Jährige hat in seiner vergleichsweise kurzen Forscherkarriere schon viele Auszeichnungen bekommen – jetzt krönt der Chemie-Nobelpreis diese Laufbahn. Die vielen Erfolge sind Kobilka aber offenbar nicht zu Kopf gestiegen. Nach seinen persönlichen Passionen befragt, entgegnete er: „Ich bin uninteressant, langweilig. Außer mal hin und wieder Fahrradfahren kann ich nichts bieten.“

Der Forscher stammt aus einer Bäckerfamilie im ländlichen US-Bundesstaat Minnesota. Er lernte seine Frau Tong Sun Thian beim Studium an der Staatlichen Universität von Minnesota in Duluth kennen. Mit einem Bachelor-Diplom in Biologie in der Tasche zog Kobilka zum Medizinstudium an die renommierte Yale-Universität in New Haven. Erfahrung als Arzt sammelte er unter anderen am Barnes Hospital in St. Louis (Missouri).

Allerdings wurde ihm trotz seiner Kritik gegenüber den Zuständen in der chinesischen Provinz eine zu große Staatsnähe vorgeworfen. Tatsächlich ist er einer der stellvertretenden Vorsitzenden des chinesischen Schriftstellerverbandes. Auch in China haben ihm Menschenrechtsaktivisten vorgeworfen, dass er seine prominente Stellung zu wenig für Kritik ausnutze.

Mo Yan ist ein Pseudonym. Tatsächlich heißt der 57-jährige Guan Moye. Mo Yan bedeutet soviel wie „Spreche nicht“. Er selbst scheint sich daran zu halten: Nach der Entscheidung der Schwedischen Akademie ging er nicht mehr ans Telefon.

Der Sprecher der Schwedischen Akademie, Peter Englund, bezeichnete Mo Yan als einen „einzigartigen Autoren, der uns ein einzigartigen Einblick in ein einzigartiges Milieu verschafft hat“, sagte er im Schwedischen Rundfunk. Die Schilderungen aus seiner Heimat seien so eindrucksvoll, weil Mo Yan dort nicht aus der Perspektive eines Intellektuellen schreibe, „sondern als ein Teil davon“, wie Englund sagte.

Mo Yan galt seit Längerem als einer der Favoriten auf den Literatur-Nobelpreis. Auf deutsch sind die meisten Bücher im Rowohlt Verlag erschienen. Im Vorfeld der Entscheidung galt der japanische Romancier Haruki Murakami als haushoher Favorit auf die renommierteste Literaturauszeichnung der Welt. Im vergangenen Jahr erhielt der schwedische Lyriker Tomas Tranströmer den Preis. Insgesamt gingen von den seit 1901 verliehenen Literatur-Nobelpreisen bislang 83 nach Europa.

Der Literatur-Nobelpreis wird wie die übrigen Nobelpreise am 10. Dezember, dem Todestag ihres Stifters Alfred Nobel, in Stockholm und Oslo überreicht. Die Auszeichnung ist in diesem Jahr mit acht Millionen Kronen (910.000 Euro) dotiert. Die Nobel-Stiftung hatte im Sommer bekanntgegeben, dass sie die Preissumme wegen der Finanzkrise und den daraus resultierenden niedrigeren Anlagerenditen um 20 Prozent kürzen müsse.

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1 Kommentar zu "Überraschungssieg: Literatur-Nobelpreis geht an Chinesen Mo Yan"

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  • Ich bitte um die Hilfe erfahrener Leser! Welches der Bücher von Mo Yan sollte ich zum Einstieg lesen? => http://mosereien.wordpress.com/2012/10/11/mo-yan-umfrage/ Danke!

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