Unternehmensbesitz Was Bayer mit den „Mars“-Millionen vorhat

Mit dem Verkauf des „Mars“ hat Bayer Millionen erlöst. Den Betrag wollen die Leverkusener nun in die Kunstförderung stecken.
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Stammt aus Dresden und wird von der Bayer AG dorthin verkauft. Quelle: Sotheby’s
Giovanni di Bolognas Kriegsgott „Mars“

Stammt aus Dresden und wird von der Bayer AG dorthin verkauft.

(Foto: Sotheby’s)

LeverkusenEs war ein verpatztes Spiel, sein Ausgang gleichwohl glimpflich. Für den Glanz, der der Transaktion bislang noch abgeht, könnte die Bayer AG im Nachhinein sorgen. Der Agrar- und Pharmakonzern aus Leverkusen verkauft nun – nach dem Rückzug von der Auktion ohne Sotheby’s Vermittlung (s. Handelsblatt vom 4.7.) – sein wertvollstes Kunstwerk direkt an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). Für den Vertragsbruch muss er Sotheby’s entschädigen und auch die entgangene Kommission entrichten.

Da für so ein außergewöhnliches Kunstwerk mit solch einer bedeutenden Geschichte keine Vergleichswerte existieren, lag der Schätzwert zwischen drei und fünf Millionen Pfund. Das Konsortium aus öffentlichen und privaten Kräften, das den Kriegsgott „Mars“ für die SKD jetzt ankauft, hat über den Kaufpreis Stillschweigen vereinbart.

Er dürfte eher dem oberen Schätzpreis entsprechen als dem unteren. Denn Marktbeobachter gehen davon aus, dass ein in der Auktion ermittelter Marktpreis bei dem entfachten großen Interesse von Museen aus Europa und vor allem den USA bei zehn Millionen Pfund hätte liegen können. Oder darüber. Ein hochbedeutendes Kunstwerk, das von den NRW-Behörden nicht als national wichtig erkannt wurde und eine Ausfuhrgenehmigung bekam.

Die knapp 40 cm hohe Statuette des machtvoll ausschreitenden „Mars“ stammt von dem Künstler Giovanni di Bologna, genannt Giambologna. Der Flame im Dienst der Medici hatte sie 1587 Sachsens Kurfürst Christian I. als persönliches Geschenk zum Regierungsantritt überreichen lassen. Das geschah parallel mit Bronzekunstwerken, die die Medici der guten Beziehungen wegen nach Dresden schickten.

Über 300 Jahre blieb die exquisite Skulptur des nackten Gottes mit der herrischen Geste des linken Arms in Dresdens Schatzkammern und Museen. Im Zuge des sogenannten „Fürstenausgleichs“ fiel sie 1924 an die Wettiner, die sie verkauften. 1927 erwarb ein Kunstfreund aus der Chemiebranche die gut dokumentierte Bronze, später vermachte er sie der Firmensammlung. 1943 bekam ein Vorstandsmitglied zur Verabschiedung in den Ruhestand das Meisterwerk des Manierismus geschenkt. Es wurde in der Familie weitervererbt und kam 1988 abermals als Geschenk in die Corporate Collection der Bayer AG.

2017 konnte Bayer einen Umsatz von 35 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn (Ebit) von 5,9 Milliarden Euro verbuchen. Der Konzern entrichtet rund die Hälfte seiner insgesamt gezahlten und geschuldeten Ertragsteuern in Deutschland; im vergangenen Jahr knapp 800 Millionen Euro.

Wo soll junge Kunst hängen?

Bayer möchte den Verkaufserlös der Giambologna-Figur in den mittel- bis langfristigen Ankauf von zeitgenössischer Kunst stecken. Dafür scheint eine Summe von anzunehmenden fünf Millionen Euro recht viel. Wo soll die junge Kunst hängen? Bei einem Bestand von bereits 6.500 Kunstwerken in den Artotheken?

Befragt nach dem Kunstförderkonzept der Jahre 2018 und folgende teilt das Unternehmen dem Handelsblatt mit: „Wir setzen die stARTacademy-Reihe „Kunsthochschulen zu Gast“ in Leverkusen fort und erweitern das Förderkonzept durch Ausschreibungen und Einzelförderungen an verschiedenen Standorten in Deutschland. Darüber hinaus prüfen wir Konzepte zur Förderung internationaler Künstleraustauschprojekte.“

Engagierte Kunstfreunde diskutieren indes ein Modell, das Bayer in vielleicht glänzenderem Licht dastehen ließe, als das ein selbstverständlich ehrenwertes Künstleraustauschprogramm zu erzeugen vermag. Es ist der Vorschlag, die mit der Mars-Figur verbundene Geste des Schenkens mit einer Imagekampagne zu verknüpfen zugunsten des Museums Schloss Morsbroich in Leverkusen.

Das für die Kunstgeschichte des impulsgebenden Rheinlands so wichtige Museum Morsbroich hat kürzlich einen beachtlichen Erneuerungsplan vorgelegt. Wenn der Dax-Riese mit einem Teil der „Mars“-Millionen das örtliche Kunstmuseum revitalisieren würde, wirkte das Unternehmen als „good citizen“ gleich doppelt gut an seinem Hauptsitz Leverkusen.

Was hält die Bayer AG von diesem konkreten Vorschlag? „Wir stehen in einem permanenten Austausch mit der Stadt über die Entwicklung der Kultur in Leverkusen und sprechen über Möglichkeiten einer nachhaltigen Unterstützung“, lautet die recht allgemein gehaltene Antwort aus der Konzernzentrale.

Nach den Schlagzeilen rund um die Bayer-Tochter Monsanto und die neue Klagewelle in den USA um den nicht unumstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat wären das gute, ja glänzende Nachrichten. Weil die Bayer AG mit dem Museum Morsbroich zeitgenössische Kunst institutionell und systematisch und nicht nur mit vereinzelten Ankäufen und Austauschprogrammen fördern würde. Weil Leverkusen, das einen Teil der Gewerbesteuern der Bayer AG schon 2012 ans rheinische Steuerparadies Monheim hatte abtreten müssen, wieder einen musealen Anziehungspunkt bekäme.

Für einflussreiche Aktionäre ist solcherart soziales und kulturelles Engagement eines Unternehmens selbstverständlich. Die amerikanische Fondsgesellschaft Blackrock, Bayers größter Aktionär, erwartet genau das von den Unternehmen, bei denen sie investiert ist.

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