Versteigerung asiatischer Kunst Asiatika-Auktionen bieten einige Topzuschläge, aber wenig Aufsehenerregendes

Schwer kalkulierbare Sensationen prägen das Auktionsgeschäft mit asiatischer Kunst. Blick in einen Markt, der sich schwertut.
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Für 3,5 Millionen Euro inkl. Aufgeld versteigert. Die Taxe für das Möbel aus dem frühen 17. Jahrhundert lag bei 10.000 Euro. Quelle: Nagel Auctions Stuttgart
Hufeisenstuhl der Qing-Dynastie

Für 3,5 Millionen Euro inkl. Aufgeld versteigert. Die Taxe für das Möbel aus dem frühen 17. Jahrhundert lag bei 10.000 Euro.

(Foto: Nagel Auctions Stuttgart)

MünchenWenn der Hammer für einen chinesischen Hufeisenstuhl aus der Qing-Dynastie (1616 - 1644) erst bei einem Gebot von 2,6 Millionen Euro fällt, steigt die Stimmung im Saal und nicht zuletzt bei der Geschäftsführung des betreffenden Auktionshauses. Das skulpturale, moderat auf 10.000 Euro taxierte Möbel, das am 21. Juni 2018 in Nagels Salzburger Auktion „Asiatische Kunst“ an einen Sammler in China ging, kostet mit Aufgeld 3,5 Millionen Euro.

Kenner aus Fernost überzeugte vor allem die geschnitzte Rückenlehne. Das Felsenmotiv ist auf einem Gemälde derselben Zeit auf einem Porträt des damaligen Kaisers zu sehen und gilt als Indiz für eine kaiserliche Provenienz. Für Nagel hat der Stuhl noch eine andere Bedeutung. Sein Erlös macht etwas mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes von neun Millionen (alle Ergebnisse inklusive Aufgeld) Euro aus.

Die Bilanzen der Asiatika-Auktionen im deutschsprachigen Raum scheinen mehr und mehr von solchen, nur schwer kalkulierbaren Sensationen abzuhängen. Das Angebot an hochkarätigen Kunstwerken ist geschrumpft.

„Es ist mittlerweile schon ein Glücksfall, wenn eine Kollektion wie die knapp fünfzig buddhistischen Ritual- und Kunstgegenstände, die in den 1950er- und 1960er-Jahren von einem deutschen Sammler direkt in Asien erworben wurden, zur Auktion gegeben wird“, sagt Michael Trautmann, Nagels externer Berater der Asiatika-Abteilung.

Diese Privatsammlung schlug mit insgesamt 1,4 Millionen Euro zu Buche. Darin enthalten war die ausdrucksstarke tibetische, circa 500 Jahre alte Bronzefigur des „Panasharbari“, eines göttlichen Herrschers über Krankheiten. Mit einem Erlös von 306.000 Euro gehört sie zu den Topverkäufen.

Sie folgt preislich auf die 370.000 Euro für einen großen, außergewöhnlichen Porzellan-Schultertopf mit reliefähnlichen, von Kartuschen eingefassten Blüten. Das nicht mehr perfekt erhaltene Objekt aus dem 13./14. Jahrhundert, das auf 200.000 Euro geschätzt worden war, übernahm der Londoner Handel.

Der Preis für die knapp 25 cm hohe Flaschenvase sprang von geschätzten 100.000 auf 347.000 Euro inkl. Aufgeld. Die Entstehungszeit fällt in die Periode zwischen 1735 und 1796. Quelle: Lempertz
Flaschenvase aus der Qianlong-Periode

Der Preis für die knapp 25 cm hohe Flaschenvase sprang von geschätzten 100.000 auf 347.000 Euro inkl. Aufgeld. Die Entstehungszeit fällt in die Periode zwischen 1735 und 1796.

(Foto: Lempertz)

Nur fünf weitere, nicht unbedingt hohe Erlöse im fünfstelligen Bereich konnte Nagel erzielen. Dazu zählt auch ein brillant geschnitztes Jade-Fabeltier. Die Arbeit aus dem 17. Jahrhundert kletterte von 10.000 Euro auf 160.000 Euro und ging wie gut 95 Prozent der Verkäufe nach Asien.

Der Preisspagat der westlichen Kunst findet zusehends auch auf dem Markt für Asiatika statt. Die Spitze wird immer stärker. Die anderen Bereiche verlieren an Potenz. Das spiegeln auch die Ergebnisse der Asiatika-Auktion bei Lempertz in Köln vom 15. Juni wider. Bester Erhaltungszustand eines Paares strahlend blauer Porzellanvasen der Yongzheng-Periode (1678 – 1735) animierte zahlreiche telefonisch mitbietende Chinesen. Das auf 5.000 Euro taxierte Paar wurde erst bei 395.000 Euro einem asiatischen Saalbieter zugeschlagen.

Außergewöhnliches Porzellan steht immer noch hoch im Kurs. Von 100.000 Euro auf 347.000 Euro stieg auch der Erlös für eine Flaschenvase des 18. Jahrhunderts, die mit den Fruchtzweigen der „Drei Reichtümer“ – Granatapfel, Fingerzitrone und Pfirsich – dekoriert ist. Das Zehnfache der Taxe musste mit knapp 100.000 Euro ein Interessent für einen formal perfekten Becher mit zitronengelber Glasur aus dem frühen 18. Jahrhundert investieren.

Nur dreimal fiel bei Lempertz der Hammer im sechsstelligen Bereich. Das Gesamtergebnis von 2,7 Millionen Euro bezeichnet das Haus allerdings als eines der besten seit Jahren. Zurückgegangen sind einige Toplose im Bereich Malerei und Tuschzeichnungen.

Van Ham rief am 14. Juni 2018 knapp 600 Lose chinesischer, südostasiatischer und japanischer Kunst auf und setzte bei einer Verkaufsquote von circa 53 Prozent 1,2 Millionen Euro um. Marktfrische zählte. Ein braunglasierter Chrysanthementeller des 18. Jahrhunderts aus der Sammlung Sonderhoff, die seit den 1930er-Jahren zusammengetragen wurde, erzielte mit 206.400 Euro den höchsten Erlös der Auktion.

Starkes Interesse rief ein „Ohimono“ von circa 1900 hervor. Die aus einem Elfenbein-Stoßzahn herausgeschnitzte Figur eines Weisen erzielte 52.000 Euro.

Bei Koller in Zürich führte am 6. und 7. Juni 2018 eine wohlproportionierte Schultervase des 18. Jahrhunderts mit dunkelroter Sang-de-Boeuf-Glasur die Preisspitze der Keramik an. Für 10.000 Schweizer Franken aufgerufen, endete das Bietergefecht erst bei 102.500 Franken.

Kollers Versteigerung zeigt auch, dass der Markt für religiöse Bronzen noch nicht übersättigt ist. Mit 126.000 Euro wurde eine tibetische Figur des Gelehrten „Sachen Künga Ningbo“ zum teuersten Objekt der Auktion. Der Umsatz lag bei 2,4 Millionen, im Juni 2017 waren es noch 8,5 Millionen Franken. Alle Auktionen im deutschsprachigen Raum belegen: Asiatika-Auktionen sind zum Roulette geworden.

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