Werkschau Hamburger Kunsthalle feiert Reinhart

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Sturm- und Gewitterlandschaften
„Gewitterlandschaften mit Gebirgsfluss und Wasserfall“: Johann Christian Reinhart schuf das Ölgemälde 1831. Quelle: © Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Neue Pinakothek / bpk

„Gewitterlandschaften mit Gebirgsfluss und Wasserfall“: Johann Christian Reinhart schuf das Ölgemälde 1831.

(Foto: © Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Neue Pinakothek / bpk)

Mit Sturm- und Gewitterlandschaften in dramatischer Lichtregie folgt Reinhart dem von Poussin in dessen "Landschaft - ein Sturm" (Musée des Beaux-Arts) geprägten Typus. Eine großformatige Radierung, an der Reinhart im Jahr 1800 parallel zu dem entsprechenden Ölbild ("Sturmlandschaft mit zwei Reitern") arbeitete, trägt eine Widmung an den Freund Friedrich Schiller. Auch einige Ideallandschaften der römischen Jahre lassen sich auf Poussin zurückführen. So wirken die drei Landschaften mit Hirten und atmosphärischer Raumtiefe wie eine späte Hommage an drei großformatige Landschaften des Franzosen im Besitz der Londoner Nationalgalerie. Poussins Naturdrama wird von Reinhart in einen Bildraum von gespannter Ruhe und Farbharmonie überführt, jener "energischen Ruhe", mit der Schiller die Idylle charakterisiert.

Auch eine Mehrzahl der Zeichnungen atmet diese Ruhe, die aus einer tiefen Naturverbundenheit und einer idealistischen Grundprägung erwächst, in der auch Raum für das Heroische ist - meist verbunden mit der Ahnung einer arkadischen Idylle, die den Wildwuchs der Natur in Harmonie auflöst. Markant und detailreich sind die in plastischer Nahsicht gezeichneten Baum- und Felsstudien, die zu Reinharts Markenzeichen geworden sind und bei deutschen Rom-Besuchern stark gefragt waren. Dass sich der Maler und Zeichner auch als kritischer Kunstschriftsteller betätigt hat, zeigen seine "Drei Schreiben aus Rom gegen die Kunstschreiberei in Deutschland", in denen er gegen eine Kunstmode vom Leder zieht, die ganz das Edle und Erhabene ausblendet.

Die Hamburger Ausstellung, die nach München weiterwandert, war überfällig. Längst hat die Aufwertung die deutsche Kunst der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfasst. Nicht nur Spezialsammler, sondern vor allem amerikanische Museen stillen ihren Nachholbedarf. In den letzten Jahren haben die Museen in Los Angeles, Chicago, Boston und New York Werke von Reinhart erworben. Die meisten davon finden sich im New Yorker Metropolitan Museum, das in Kürze seinen von Cornelia Reiter bearbeiteten Bestandskatalog der Werke Reinharts und J.A. Kochs veröffentlicht.

Den zurzeit höchsten Preis für ein Ölbild Reinharts hat die 147 x 212 cm große "Ideallandschaft mit zwei Hirten und einem alten Mann", die als Leihgabe der Bremer Galerie Neuse in der Ausstellung hängt. Das 2006 in einer Pariser Auktion ersteigerte Gemälde kostet 375 000 Euro. Die Auktionszuschläge der letzten zehn Jahre lagen nie über 70 000 Euro.

Bei den Zeichnungen liegt der höchste vom Kunsthandel geforderte Preis bei den 120 000 Euro, die der Hamburger Kunsthändler Thomas Le Claire 2007 auf dem Pariser Salon du Dessin für eine "Arkadische Landschaft" von 1792 forderte, ein Blatt, das sich jetzt im Besitz des Metropolitan Museums befindet. Von der Gruppe früher aquarellierter topographischer Zeichnungen, die im April 2005 im Wiener Dorotheum für 52 000 Euro zugeschlagen wurde, vermittelten C.G. Boerner die "Ruine der Burg Giebichenstein" an die Hamburger Kunsthalle, die bei dem Düsseldorfer Kunsthaus auch eine Gruppe von Rheinansichten erwarb, die auf einer Reise mit dem Herzog von Sachsen-Meiningen entstand. Von den vier markanten Reinhart-Zeichnungen, die 2001 bei Reiss & Sohn in Königstein unter den Hammer kamen, wurde die 1818 datierte Baum- und Felsstudie für 45 000 DM zugeschlagen. Die Mark-Notierung dieses einstigen Höchstpreises darf heute ohne Einschränkung in Euro übertragen werden - eine nicht zuletzt durch die amerikanische Kauflust geförderte Aufwertung.

"Johann Christian Reinhart. Ein deutscher Landschaftsmaler in Rom". Hamburger Kunsthalle bis 27. Januar. Neue Pinakothek München vom 21.2.-26.5.2013. Katalog Hirmer Verlag, 39,90 Euro.

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